seit dem 12. Jh. urkundlich belegt, archäologische Funde reichen in die Jungsteinzeit zurück, ältere Namensschreibung bis ins 19. Jh. Grätz. Älteste musikalische Quelle ist die Steirische Reimchronik des Ottokar aus der Gaal, der die Hochzeit des Markgrafen Hermann von Brandenburg mit Anna, der Tochter Herzog Albrechts (1295) beschreibt, bei welcher Spielleute (Spielmann) anwesend waren. 1345 Erwähnung des ersten Trompeters, Georg Par. Durch den Vertrag von Neuberg (1379) wurde G. die Residenz Leopolds III. von Habsburg und Sitz der leopoldinischen Linie der Habsburger. Friedrich III. erbaute die heutige Burg als Stadtresidenz (ab 1438) und veranlasste 1438–62 den Neubau der Kirche Hl. Ägydius (spätere Stadtpfarr-, dann Jesuiten-, seit 1786 Domkirche). Seine Hofkapelle bestand aus niederländischen, englischen und deutschen Musikern, cantor principalis war J. Brassart, weitere Kantoren N. Mayoul und E. Lapicida. Als Organisten sind ein Bechsen (Gechsen?, 1444) und Valentinus (1467), als Hoftrompeter W. Wetter (Wetner) bezeugt. Erstmals 1497 wurde mit dem Kaplan Bernhardin ein Organist an der G.er Stadtpfarrkirche St. Ägyd erwähnt. Seine Nachfolger waren Alexander (um 1528) und Christoph Schwinegger (zw. 1556/61), Chormeister war Wolfgang Pfaffenhofer. Der erste namentlich genannte landschaftliche Trompeter Christoph Dietrich lässt sich 1527 nachweisen. Stadttürmer (im Gegensatz zu den Trompetern städtische Angestellte) sind bis zur Auflösung ihrer Kompagnie 1861 bezeugt (Thurner).
Seit 1525 fand der Protestantismus (besonders unter den Landständen, Reformation) großen Zulauf, 1570 wurde die Evangelische Stiftskirche fertiggestellt, 1574 die ihr angeschlossene Stiftsschule. Als ihr erster Organist ist Hans Khrinis (1576–85) genannt. Unter den übrigen Organisten ragen der Italiener A. Perini (führte die venezianische Musikpraxis ein) und der Schwabe E. Widmann hervor. An Präzeptoren seien Jakob Körner († zw. 1599/1601), Stephan Thesmaier (aus Stettin, 1582–88 an der evangelischen Stiftskirche) und der Gabrieli-Schüler P. Homberger genannt. Das Kantorenamt versah nach Jakob Schott († 1575) bis zur Schließung der evangelischen Stiftskirche im Zuge der Gegenreformation (1599) Kaspar Gastel (1573 succentor am Gymnasium in Laibach). Protestantische Choräle sind auch in der Gesangspostille des A. Gigler überliefert. Eine Anzahl zumindest nicht-katholischer Lieder enthält auch das Catholisch Gesangbuch von N. Beuttner.
1564 wurde G. unter Erzhzg. Karl II. Residenz von Innerösterreich. Den Grundstock seiner Hofkapelle, die vorwiegend aus Niederländern und Italienern bestand, entnahm er der seines Vaters Ferdinand I. in Wien. Die Bedeutendsten unter ihnen waren J. de Cleve, L. de Sayve, J. de Brouck, Jean de Chaynée, A. Padovano, S. Gatto, F. Rovigo, M. Ferrabosco, G. Galeno, L. Zacconi und P. Bianco, von denen einige später zum Hofkapellmeister aufstiegen. An deutschen Mitgliedern sind A. Zweiller und Georg Herner († 1588) zu nennen, deren Parodie-Magnificat zu den frühesten Belegen dieser Gattung zählen. Erster G.er Hofkapellmeister war 1564–70 de Cleve, ein Vertreter der spätniederländischen Polyphonie (Franko-flämische Musik). Unter seinem Nachfolger, dem ehemaligen Markus-Organisten Padovano (1570–75), wurde G. zum südlichsten Einfallstor venezianischer Kunst. Nach Karls II. Tod (1590) fand die Hofkapelle ihre Fortsetzung in jener seines Sohnes und Nachfolgers Ferdinand (1595–1619), des späteren Kaisers Ferdinand II. Als deren bedeutendste Mitglieder (die Leiter waren in der Folge ausschließlich Italiener) seien genannt: G. Priuli, F. Stivori, A. Tadei, G. Valentini (Oratorium, Lehrer des Kaisers Ferdinand III., ältester namentlich bekannter aus G. gebürtige Komponist), G. Poß aus Franken und V. Jelich aus Fiume (Rijeka/HR). V. a. Priuli und Valentini sind maßgeblich an der Verbreitung der Monodie beteiligt. In einer der frühesten Sammlungen, dem Erzhzg. Ferdinand gewidmeten Parnassus musicus Ferdinandaeus (Venedig 1615), sind mehrere Mitglieder der G.er Hofmusik mit Werken vertreten (G. Bonometti). Die weltliche Monodie hatte am G.er Hof bereits durch die Musiche a una, doi e tre voci des Hofkaplans B. Mutis (Venedig 1613) Eingang gefunden. 1619 übersiedelte Ferdinand mit seinem Hofstaat nach Wien. In den Mittelpunkt der höfischen Musikpflege in G. scheint daraufhin die Hofkapelle der Fürsten von Eggenberg getreten zu sein. Ihr gehörten zeitweise u. a. H. I. F. Biber (vor 1668), J. J. Prinner (bis etwa 1670), G. Motz (1670–80), Johann Peter Permaneder (um 1690), Augustin Vogl (um 1696), Johann Bernhard Baumann (1693–96), Andreas Schwarz (1707–34) und P. Pignatta an. Von Opernaufführungen im Schloss Eggenberg künden in den Jahren 1688 und 1694 bei G. Widmanstetter gedruckte Textbücher zu Opern von Pignatta (die Tänze stammen von A. Verleth).
Solange der Hof in G. war, blieb in der Kirchenmusik die HMK führend. Nach 1619 gehörten die „Stiftlinge“ des nach Ferdinand II. benannten Ferdinandeums (1574 von Karl II., der die Jesuiten als Gegner des Protestantismus in die Stadt berufen hatte, als Jesuiten-Seminar oder Alumnat für arme Studierende an der Jesuitenschule, seit 1586 Univ., gegründet) zu den wichtigsten Trägern des G.er Musiklebens im 17. Jh. Für Kost, Quartier und eigenen Musikunterricht mussten sie bei Gottesdiensten und Festlichkeiten die Musik besorgen. Unter den Schülern befanden sich auch J. J. Fux und M. Biechteler. Als einziger namentlich bekannter Regens chori ist um 1770 der aus der Pfarre Antwerpen stammende und auch als Komponist bekannte Geistliche Wilhelm Wirth (1743–78) belegt. Das Repertoire der nur bis in die 1. Hälfte des 17. Jh.s belegten Kirchenmusik (Hss. aus dem Besitz der Jesuiten in der UB G., Archive) umfasst v. a. Werke niederländischer und italienischer Komponisten wie Giovanni Animuccia, Bianco, de Cleve, Gatto, O. di Lasso und Clemens non Papa. In den Ausgabenbüchern des späten 17. und frühen 18. Jh.s sind Komponisten wie F. Aumann, F. Gaßmann, Ildefons Kobald (1678–1735), W. Wirth, Ä. Schenk und A. Ivanschitz genannt. Letztere sind neben J. G. Zechner und G. Wagenseil auch als Komponisten zu Oratorien belegt, welche Gattung erstmals gegen Ende des 17. Jh.s bei den Jesuiten greifbar wird, im 18. Jh. aber auch durch die Minoriten (neben Schenk: J. Veldner) und in der ehemaligen Dominikanerkiche (ab 1586 Stadtpfarre Hl. Blut) gepflegt wird. 1773 sind die letzten Periochen bekannt. (Die Oratorien, die im frühen 19. Jh. folgen, beginnend mit der Aufführung von J. Haydns Sieben Worten des Erlösers am Kreuze 1794 im Ständischen Theater, sind bereits typische Produkte des bürgerlichen Konzertlebens.) Musik zu den Jesuitenspielen (Jesuitentheater) lieferten Komponisten wie I. Frickl, Hyacinth Hellensteiner (ca. 1678, ab 1703 Priester), Johann Georg Reinhart (ca. 1676–1742) und Franz Ertl (aus Traunstein/Bayern). Auch die Stadt G. unterhielt eigene Musikanten zur Ausführung der Stadtpfarrmusik. Sie schlossen sich um die Mitte des 17. Jh.s zur G.er Stadtmusikanten-Kompagnie zusammen und traten fallweise gemeinsam mit den Ferdinandisten auf. Bekanntestes Mitglied ist der frühere Linzer Stadtpfarrorganist F. Weichlein (ab 1690 in G.), der auch Musik zu Jesuitenspielen lieferte. Für die musikalischen Bedürfnisse der sozial tieferstehenden Stände waren die sog. „mitincorporierten Geigenkompagnien“ (seit 1650), die den Stadtmusikanten abgabepflichtig waren, zuständig.
Schon 1545 ist ein landschaftlicher Lautenist (Baptist da Lant, auch Tanzmeister) nachweisbar. Im 17. Jh. mehren sich Anhaltspunkte dafür, von einer G.er Lautenschule zu sprechen, da einige der für die österreichische Lautenmusik dieser Zeit als repräsentativ angesehenen Lautenisten in G. ihren Ausgang nahmen: W. Lauffensteiner, F. I. Hinterleithner (von ihm stammt das erste in Österreich bekannte Lauthen-Concert) und J. Weichenberger.
Der Instrumentenbau nahm ab dem 16. Jh. einen Aufschwung. Geigenbauer und Lautenmacher lassen sich von Alexander Zalt (um 1600) über Melchior Bürger († 1638), Wolfgang Sagmayr († 1700), J. M. Alban, Michael Höß († 1658), Johann Jauck und Sohn Johann Georg, Balthasar Straub (2. Hälfte 18. Jh.), Johann Hütter (1746–1811), Nikolaus (ca. 1768–1824) und Johann (* ca. 1776) Skomal, Michael Schanner, F. Herzlieb d. Ä., Heinrich Hansch und Sohn Gustav und Karl Stöhr bis zu Alois Max Palfner (1884–1947) verfolgen. Johann Jobst (* 1848) erhielt Weltruf als Zithermacher. Der Orgelbau gewann im 17. Jh. an Bedeutung mit den aus Tirol eingewanderten Thomas Khrueg (um 1639) und T. Kheverspichler sowie der G.er Orgelbauerfamilie Lilling; im 18. Jh. seien die Familien Schwarz und Mitterreiter, ferner C. Werner, A. Römer und C. M. Schwandtner (um 1780) genannt, im 19. Jh. Ignaz Michael Wierer (Wöhrer, ca. 1768–1843), die Familie Schehl, Matthias Krainz (um 1825) und Jakob Menzinger (ca. 1780–1809), im 20. Jh. M. Mauracher und die Familie Hopferwieser. Mit der Errichtung der erzherzoglichen Gussstätte vor dem Paulustor (1527) und einer weiteren Werkstätte vor dem Sacktor (1530) begann der Aufschwung des G.er Glockengusses. Zu den führenden Meistern zählen Martin Hilger (* 1538 Freiberg/Sachsen), Georg Findenklee (um 1655), Adam Roßtauscher (1629–89), Medardus Reig († 1697), F. Streckfuß, Mathäus Köstenbauer († 1745) und Martin Feltl (1714–82), Begründer einer Glockengießerdynastie, die in Karl Feltl († 1888) ihren Abschluss fand. Ernst Szabo († 1955) ist der letzte G.er Glockengießer.
Der Notendruck begann in G. mit dem aus Bayern zugewanderten Georg Widmanstetter, in dessen Offizin zw. 1602/1718 das Beuttnersche Gesangbuch erschien. Die Firma bestand bis 1806 und wurde in diesem Jahr an Andreas Leykam verkauft, der seit 1781 eine Druckerei besaß (bei ihm erschien z. B. 1795 M. Heimerichs Missa solemnis op. 1). 1784 gründete Josef Andreas Kienreich einen Verlag, bei dem ebenfalls Musikdrucke herauskamen (darunter 1827 Fr. Schuberts Lieder Im Walde und Auf der Bruck) und der, so wie die Firma Leykam, noch heute (2001) existiert. Die ehemalige Franz Ferstl’sche Kunst- und Musikalienhandlung (1779–1821), die als Kopistenwerkstatt begonnen haben könnte, führte bis 1841 J. L. Greiner weiter (hier erschien 1823–26 vierteljährlich die Musikalische Blumenlese des steyermärkischen Musikvereins mit Werken steirischer Komponisten, z. B. A. Hüttenbrenner). Die Greiner’sche Kunst- und Musikalienhandlung, die bis 1852 von seiner Witwe weitergeführt wurde, brachte auch musikalische Einzeldrucke (z. B. von Anton Rauchleitner, J. Stolz) heraus. Die Firma ging dann über den 1846 aus Wien gekommenen Carl Tendler (bis 1873) und Albert Leitner (bis 1880) auf Franz Pechel über (unter dem 17 Bde. eines Steirischen Tanz-Albums herauskamen). Der in G. geborene Lithograph Joseph Franz Kaiser (* 1817) verlegte ein Musikalisches Wochenblatt (u. a. mit Stücken von Franz A. Hoffmann, Sebastian Huber, J. E. Schmölzer und Stephan Dunst) und 1833 ein von Hüttenbrenner redigiertes Graezer musikalisches Heller Magazin für das Pianoforte. Das Hauptgewicht des nur kurz nachweisbaren G.er Druckers Johann Georg Weingard (1788) lag eher bei Buchhandel und -binderei, eine weitere lithographische Anstalt betrieb Heribert Lampel (1837).
Die Oper erhielt, nach ersten Nachrichten über Tanz- und Theaterpflege im 16. Jh., ihre ersten Impulse durch die Brüder P. und A. Mingotti (1736–46), unter denen in einem neuen Theaterbau am Tummelplatz die ersten öffentlichen Vorstellungen stattfanden. Die Komponisten standen zumeist der neapolitanischen Schule nahe (wie Baldassare Galuppi, J. A. Hasse, G. B. Pergolesi und Chr. W. Gluck, der G. 1763 auf der Durchreise nach Bologna in Begleitung von C. Ditters v. Dittersdorf besuchte). 1776–78 leitete Joseph Jakobelli (ca. 1729–1801) das neu erbaute G.er Nationaltheater (Landständisches, Ständisches oder Landschaftliches Theater, Theater am Franzensplatz, heutiges Schauspielhaus), dessen Direktor 1781/82 auch E. Schikaneder war. Unter J. Bellomo (1791–97) gewann das deutsche Singspiel neben der italienischen Opera buffa immer mehr an Bedeutung. Besondere Förderung erhielt das Schaffen W. A. Mozarts (EA der Zauberflöte 1793 mit 113 Wiederholungen); große Erfolge erzielte Una cosa rara von V. Martín y Soler. 1794 kam es zu einem Gastspiel des Tänzerehepaares Viganò. Während unter Karl Friedrich Domaratius v. a. André Ernest Modeste Grétry gepflegt wurde, stand unter der Leitung von F. Hysel (1813–19) wieder Mozart im Mittelpunkt; 1816 gelangte L. v. Beethovens Fidelio erstmals in G. zur Aufführung. Neben auswärtigen Komponisten wurden auch von H. v. Lannoy Opern aufgeführt. J. A. Stöger (1823–33) neigte mehr zur italienischen und großen französischen Oper, unter ihm kam es auch zu zahlreichen EA.en (z. B. 12 Opern von G. Rossini). Unter ihm wirkte 1827–31 J. Nestroy am G.er Theater. Seit dieser Zeit gilt dieses als Sprungbrett zu den Wiener und den ersten Bühnen Deutschlands, aber auch als Ausgangspunkt für einen internationalen Ruf, ob als Kapellmeister (z. B. K. Muck, E. v. Schuch, F. Schalk, C. Krauss, O. Kabasta, K. Böhm) oder Sänger bzw. Sängerin (z. B. A. Materna, J. Tichatschek und E. Scaria). Allmählich wandelte sich das Interesse zugunsten G. Verdis (1847 EA von Ernani) und der deutschen Oper (1854 österreichische EA von Tannhäuser). Konkurrenz erwuchs dem Theater am Franzensplatz zunächst in dem 1864 eröffneten Thaliatheater (1861 Zirkus des Armenversorgungsvereins, dann Stadt-Theater, Theater am Stadtpark), an dem u. a. C. Millöcker Kapellmeister war, bis 1876 beide Theater unter einer Hand als Vereinigte Theater in G. (seit 1950/51 Vereinigte Bühnen) geführt wurden. Die zunehmende Begeisterung für Rich. Wagner (1878 EA der Meistersinger, 1883 Ring des Nibelungen durch die Truppe An. Neumann) erreichte unter der Direktion H. Gottinger (1893–99) ihren Höhepunkt. 1899 wurde das heutige Opernhaus als Stadttheater eröffnet und erst im Zuge der Neuorganisation nach 1918 eine selbständige Opernbühne. Eine besondere Aufgeschlossenheit für R. Strauss (und damit für das damals Neue) sollte sich nach der vom Komponisten selbst dirigierten österreichischen EA der Salome (1906) entwickeln, in der Folge wurden fast alle großen Bühnenwerke von Strauss in G. gespielt. Daneben kam es zu Musiktheater-EA.en steirischer Komponisten wie H. Wolfs Corregidor, W. Kienzls Urvasi, Otto Grosses (1856–1935) Bianca oder R. Heubergers Barfüßele. Julius Grevenberger (1911–23) setzte diese Richtung fort und brachte Novitäten heimischer Komponisten wie Der schwarze Doktor und Litumlei von S. Rosegger, Die Klosterprinzessin von Eduard Wagnes (1863–1936), Das Lumperl von R. Stolz, Amor im Kasernenhof von L. Uray, das Schauspiel Der steirische Hammerherr von Josef Papesch (1893–1968) mit Musik von V. Zack oder auswärtiger Komponisten wie E. Korngolds Violanta, F. Schrekers Der Schatzgräber oder H. Pfitzners Christ-Elflein. Unter Grevenbergers Nachfolger Theo Modes (1923–26) kam es u. a. zur österreichischen EA der Vögel von Walter Braunfels und Schrekers Der ferne Klang. An weiteren UA.en (bis 1944) folgten u. a. Viola, Der Schelm von Bergen und Sommerlegende von H. Holenia, Kienzls Neufassung des Don Quixote sowie der Gudrun von L. Roselius, außerdem EA.en von A. v. Zemlinsky (Der Kreidekreis) oder Hermann Reutter (Doktor Johannes Faust). Beliebt war das heitere Genre (in der von Goebbels vorgegebenen Orientierung), wobei Kompositionen u. a. von F. Raymond oder P. Abraham erstaufgeführt wurden. 1927 fand die erste österreichische Aufführung einer für die Bühne geschaffenen Musik E. Kreneks (Vertonung von Shakespeares Ein Sommernachtstraum) in G. statt (1952 folgte die Oper Das Leben des Orest). 1937 wurde als eine weitere Spielstätte die Kasemattenbühne auf dem Schlossberg eröffnet. Kurz vor einem Bombentreffer 1944 wurde noch die Aufführung von Carl Orffs Die Kluge (von maßgeblichen NS-Kulturkreisen zurückhaltend gefördert) neben Rosenkavalier und Salome von R. Strauss zu einem Ereignis. L. Welitsch und J. Janko waren neben Erwin Baltzer als erstem Kapellmeister führende Kräfte an der Oper. In den ersten Nachkriegsjahren sind als Besonderheiten die österreichische EA von Benjamin Brittens Peter Grimes (1947) durch den Wagnerspezialisten M. Kojetinsky zu nennen, oder Paul Hindemiths Cardillac (1949) unter dem damaligen (1947–49) musikalischen Leiter H. Swarowsky, ebenso W. Blochs Stella (1954), Das Käthchen von Heilbronn (1959) und Der Diener zweier Herren (1961), F. Mixas Der Traum ein Leben (1963), R. Weishappels Die Lederköpfe. Als Karriere-Sprungbrett bewährte sich die G.er Oper auch nach dem Zweiten Weltkrieg, besonders unter den Intendanten A. Diehl (1958/59–64/65) und C. Nemeth (1972–90). Unter der Ära Nemeth kam es zu einer Verdichtung von Mozart-Aufführungen auf Grundlage der Neuen Mozart-Ausgabe und dem Grundsatz, Opern in der jeweiligen Originalsprache aufzuführen. Unter seinem Nachfolger G. Brunner (1990/91–98/99) erschien mit Moses und Aron 1998 erstmals ein Werk A. Schönbergs auf einer G.er Bühne. Neben bereits Genannten erwarben sich Kapellmeister wie M. Caridis, G. Cerny, W. Goldschmidt, F. Luisi, E. Märzendorfer, Günther Wich (* 1928), M. Zallinger und Fritz Zaun (1893–1966) Verdienste, an Sängerinnen und Sängern seien G. Janowitz, I. Malaniuk, H. Töpper, O. Czerwenka, O. Edelmann, G. Hornik, J. Janko, P. Minich, K. Terkal, O. Wiener und Raymond Wolansky (1926–98) genannt. Zu weiteren österreichischen EA.en gehören nicht nur der Feurige Engel von Sergej Prokofjew, sondern auch Ballette von Igor Strawinsky, G. v. Einem, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, K. Weill und L. Bernstein. Der Anteil des Balletts an den Novitäten war v. a. unter dem Ballettmeister Fred Marteny (= Fedor Neumann, * 1931, 1965–70 in G.) beachtlich, während das große klassische Ballettrepertoire v. a. unter der Leitung von W. Orlikowksy (seine Spartakus-Produktion war die erste in Österreich) im Vordergrund stand. Die 100-Jahr-Feier (1999) mit der UA von Tod und Teufel von Peter Turrini (M: G. Kühr) zeigt, dass die G.er Oper nicht nostalgischen Rückblick, sondern wieder Öffnung pflegt. Seit 1995 verfügt G. über das Jugendtheater Next Liberty, das sich der Nachwuchspflege unter den Theaterbesuchern widmet. Junge Interpreten zu unterstützen, ist auch einer der Schwerpunkte der Konzertreihe xtra drei des ORF-Landesstudios Steiermark (seit 2001).
Das öffentliche Konzertleben nahm gleichzeitig mit der Oper seinen Aufschwung. 1752 werden erstmals Musicalische Akademien gegen bezahlten Eintritt erwähnt, regelmäßige Freitagskonzerte sind 1792–95, die nachfolgenden Liebhaberkonzerte 1795–1800 und 1805–09 belegt. An erster Stelle in den bunten Konzertprogrammen standen die Werke Mozarts (Konstanze besuchte 1796 G.), gefolgt von Beethoven (er unterstützte mit seinen Kompositionen Wohltätigkeitskonzerte, war aber selbst nie anwesend) und Haydn (1787 dirigierte er in G. eine ihm zu Ehren veranstaltete Akademie). 1815 wurde der Musikverein für Steiermark (Academischer Musikverein, Steiermärkischer Musikverein) gegründet. Zu den ersten Lehrern der angeschlossenen Musikschule zählten Johann G. Hiller aus Laibach († 1840) für Gesang (seit 1818) und Hysel für Violinspiel, der 1819 als erster Berufsmusiker die Leitung des Orchesters übernahm und 1829–31 Artistischer Direktor des Musikvereins war (der Geiger L. Eller zählt zu seinen Schülern). Erster Lehrer der erst 1888 eingerichteten Klavierklasse war K. Pohlig. In der Theorieklasse von W. Mayer-Rémy, der nach J. Netzer die Leitung des Musikvereins übernahm, wurden Musiker wie F. Busoni, E. v. Reznicek, F. Weingartner, J. Gauby, R. Heuberger und W. Kienzl ausgebildet. Auf ihn folgten F. Thieriot, der Musikkritiker der Tagespost und Anti-Wagnerianer C. M. v. Savenau (in seine Zeit fällt die österreichische EA von A. Bruckners 7. Symphonie unter K. Muck in Anwesenheit des Komponisten), W. Kienzl und 1891–1902 E. W. Degner (zu seinen Schülern zählen die G.er S. v. Hausegger, R. v. Mojsisovics und H. Kundigraber). Zu den ersten auswärtigen Ehrenmitgliedern des Vereins gehören L. v. Beethoven und Fr. Schubert. Dieser war 1827 mit J. B. Jenger nach G. gekommen und verkehrte im Haus der Familie Pachler; ihr gemeinsamer Freund A. Hüttenbrenner war 1825–29 und 1831–39 Artistischer Direktor des Musikvereins. Einer seiner Schüler war der als „Flöten-Liszt“ bekannte J. E. Schmölzer. Auch der öfter in G. weilende H. Wolf hatte kurzfristig die Vereinsschule besucht. Konkurrenz erwuchs dem Musikverein in Vereinsbildungen wie dem G.er Musikclub (1875–94, erster Obmann F. v. Hausegger) oder dem Steiermärkischen Tonkünstlerverein (1890–1913, erster Obmann Savenau). Nur summarisch sollen weitere in G. im 19. und überleitend ins 20. Jh. geborene oder hier tätige Komponisten, die teilweise der Nachromantik zuzuzählen sind, aufgezählt werden: H. v. Herzogenberg, H. v. Zois, S. Rosegger, J. Marx, H. Grabner, Holenia, A. Michl, O. Siegl, K. Stekl, F. Mixa, M. Schönherr, W. Bloch (neben E. Ratz und H. Pfrogner auch als Musiktheoretiker hervorzuheben), E. L. Uray und W. Skolaude.
Die national-liberale Gesinnung drückte sich in der Bildung der Gesangvereine aus: 1846 wurde der G.er Männergesangverein gegründet (1986 aufgelöst), dessen erster Chormeister J. E. Schmölzer war. Er einigte 1862 die in der Steiermark bestehenden Gesangvereine (1881 Angliederung an den Allgemeinen deutschen Sängerbund). Nach 1860 nahm das öffentliche Laienchorwesen einen großen Aufschwung (1863 Akademischer Männergesangverein Gothia, 1866 G.er Singverein). Ferner entstanden Gesangvereine, die sich als Standesvertretung bestimmter Berufe (1867 Typographia) betrachteten oder ihre Mitglieder aus der Arbeiterschaft der aufstrebenden Industrie erhielten (1859 Styria, 1884 Eintracht, 1888 Arbeitergesangverein der Firma Pollak [ab 1894 als Liedesfreiheit], 1899 Eiche der Tischler; 1892 Dachorganisation Verband der Arbeitergesangvereine Steiermark). Die steirische Blasmusik (Blasorchester) kam erst mit dem Recht, Vereine zu bilden (1867), unter den Komponisten J. Gungl und V. Pertl zu einer ersten Blüte. Nach 1918 erfuhr sie einen deutlichen Impuls, bedingt durch die Integration vieler ehemaliger k. u. k. Militärmusiker in bestehende Vereine, andererseits durch zahlreiche neue Vereinsgründungen (1950 Vereinigung unter Bund der Blasmusikkapellen Steiermarks). 1974 wurde in G. die erste internationale Fachtagung zur Erforschung des Blasmusikwesens (Initiator W. Suppan) abgehalten, an der damaligen MHsch. das Institut für Blasmusikforschung eingerichtet (1980) und die Gesellschaft zur Erforschung und Förderung des Blasmusikwesens gegründet. 1956 wurde die Militärmusik Steiermark gegründet. Hier wie dort sind auch Werke heimischer Komponisten im Repertoire, u. a. von H. Kuegerl, Stekl, Uray, vereinzelt sogar mit avantgardistischen Aspekten, z. B. in Werken von H. M. Preßl, E. Brixel und F. Cibulka.
Anschluss an die internationale Moderne fand das Musikleben eher außerhalb des Musikvereins, z. B. beim Tonkünstlerfest des Jahres 1905. Für das Werk G. Mahlers setzten sich E. Decsey (als Chefredakteur der Tagespost) und J. Weis-Ostborn ein (1912 Lied von der Erde); erste Bekanntschaft mit dem Schaffen Schönbergs ermöglichte der 1911–14 aktive Deutsche Konzertverein unter dem Mediziner Fritz Lemperg (1888–1949). J. Marx komponierte, unmittelbar an Wolf anknüpfend, in dieser Zeit einen Großteil seiner Lieder, mit denen ihm der Durchbruch zu überlokaler Anerkennung gelang. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm zum Teil die Urania (gegründet 1919, Musikreferent L. Suchsland, der auch das 1938 wieder aufgelöste Urania-Streichquartett gründete) die Aufgaben des Musikvereins, der weiter an Prestige verlor und seit 1939 nur mehr die Stellung eines institutionalisierten Konzertbüros hat. Nach Hans Rosensteiner (1907–11) hatte der an Wagner und der neudeutschen Richtung orientierte Mojsisovics (1911–31) die Leitung übernommen. Zu seinen Schülern zählen die G.er Holenia, Siegl, G. Eisel und Uray. Die Vereinsschule (seit 1920 Konservatorium) wurde 1939 verstaatlicht und als mittlere Ebene in den Aufbauplan des von L. Kelbetz konzipierten Steirischen Musikschulwerks (als untere die Steirischen Musikschulen für Jugend und Volk und als oberste die Staatliche HSch. für Musikerziehung in G.-Eggenberg unter Leitung von F. Oberborbeck) einbezogen, 1945 jedoch wieder zum Steiermärkischen Landeskonservatorium (Dir. G. Eisel). Dieses wurde 1963 unter E. Marckhl (seit 1952 Landesmusikdirektor) zur Akademie für Musik und darstellende Kunst erhoben, 1970 zur Hsch. (erster Rektor Friedrich Korčak, * 1926) mit mehreren Forschungsinstituten (für Musikethnologie, Wertungsforschung, Jazzforschung, Elektronik, Aufführungspraxis) und schließlich 1998 zur Univ. erhoben (erster Rektor O. Kolleritsch). Die G.er MSch. wurde nach 1945 als Landesmusikschule, seit 1991 als Johann Joseph-Fux-Konservatorium weitergeführt. Private Musikschulen hatte es im 19. Jh. u. a. von J. Buwa, I. und J. Stolz (den Eltern von R. Stolz), A. Doppler und F. Fiedler gegeben, im 20. Jh. von Gauby (seit 1913), Musyl und Joseppa (seit 1975), Melos (seit 1983), Rüdiger Pirrer (seit 1987) und Ronald Trimmel (seit 1989).
Ab 1947/48 wurden die Sinfoniekonzerte des Städtischen Orchesters (vorher G.er Opernorchester), die zwischenzeitlich im Rahmen des Musikvereins stattfanden, wieder in Eigenregie veranstaltet. Dieser Konkurrenzdruck wurde erst 1954 aufgehoben; seither wirkt das G.er Philharmonische Orchester in der Oper und im Musikverein mit. Nicht nur in der Oper, sondern auch im Musikverein war die Tendenz zum Anschluss an die internationale Moderne spürbar, welche 1952 in der Gründung des Studios für Probleme zeitlich naher Musik von E. Marckhl Unterstützung fand (1975 mit dem Tod des letzten Leiters, M. Heider, aufgelöst). Zusätzliche Impulse kamen durch die vom damaligen Leiter der Musikabteilung im Landesstudio Steiermark, E. L. Uray, 1949 initiierten und bis 1960 geleiteten Jugendsymphoniekonzerte. Zu den wichtigsten Chefdirigenten wären Peter Schrottner (* 1943), B. Klobucar, N. Bareza und Mario Venzago (* 1948) zu zählen. An weiteren Interpreten und Dirigenten, die in G. gastierten, seien genannt: Sir John Barbirolli (1899–1970), M. Cebotari, A. Dermota, E. Höngen, H. Hotter, E. Jochum, E. Kleiber, Otto Klemperer (1885–1973), H. Knappertsbusch, J. Krips, J. Patzak, Sir Malcolm Sargent (1895–1967), Hermann Scherchen (1891–1966) und E. Schwarzkopf. Zu den führenden Pianisten, die aus G. gebürtig sind oder hier ausgebildet wurden, zählen W. Klien, W. Kamper und A. Brendel.
An weiteren Konzertveranstaltern seien stellvertretend genannt: Steirischer Tonkünstlerbund; Mozartgemeinde G. (seit 1929, derzeitiger [2001] Geschäftsführer Mathis Huber [* 1958]); Philharmonia Styria – Steirischer Komponistenbund (seit 1969, Leitung A. Wallner); G.er Sektion der Jeunesses Musicales (seit 1969); in den Sommermonaten Eggenberger Schlosskonzerte (seit 1971, durchgeführt vom ORF-Landesstudio und dem Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung); Steirische Gesellschaft der Musikfreunde (seit 1982, künstlerische Leiterin 1996–2000 Ulrike Danhofer [* 1960], die auf F. Luisi folgte und von diesem wieder abgelöst wurde); an Chorvereinigungen: G.er Domchor (A. Lippe, der auf R. v. Weis-Ostborn gefolgt war, hatte ihn international bekannt gemacht; Neubildung durch Alfred Angelberger [* 1942, Domkapellmeister 1972–84]; seit 1984 Leiter Josef Döller [* 1954], 1971 spaltete daraus Alois Hochstrasser [* 1941] seinen G.er Concertchor ab); Madrigalchor Collegium musicum (seit 1945, Gründer F. Illenberger, 1994 in Capella Nova G. umbenannt); Pro Arte Chor G. (1968 aus der Kantorei G. und dem Akademiekammerchor hervorgegangen, Leitung K. Hoffmann). Der Popularmusik widmen sich das Gershwin Ensemble (1986), Die Liederlichen (1988) oder die Joy Singers (1994).
In der 2. Hälfte des 20. Jh.s entstanden auch mehrere musikalische Festivals: 1968 von Emil Breisach (* 1923, damals Intendant des ORF-Landesstudios Steiermark) das Musikprotokoll im Rahmen des vom Kulturforscher und -politiker Hanns Koren (1906–85) ins Leben gerufenen steirischen herbstes (Ausrichtung auf die internationale Moderne, enge Kontakte mit den vom Institut für Wertungsforschung [1967 eingerichtet von H. Kaufmann] veranstalteten Symposien. Aufgeführt wurden bisher Werke u. a. von Karl Ernst Schreker, A. v. Zemlinsky, J. Hauer, G. Ligeti, Edgar Varèse, Boris Blacher, Karlheinz Stockhausen, Giselher Klebe, D. Kaufmann, H. Eisler und F. Cerha). Im Rahmen des steirischen herbstes fand 1972 erstmals auch das Weltmusikfest der IGNM statt. Besondere Förderung fanden auch heimische Komponisten, z. B. UA der Oper Orpheus ex machina von I. Eröd (T: Peter Daniel Wolfkind), O. M. Zykans Symphonie Aus der heilen Welt und Auszählreim, D. Glawischnigs Ballett Jazz-Suite 68 sowie die Gemeinschaftsarbeit Wölfli-Szenen, an der sich Wolfgang Rihm und die in G. lebenden Komponisten G. F. Haas, G. Neuwirth und Anton Prestele beteiligten. 1985 wurde mit Styriarte ein weiteres Festival geschaffen, in dessen Mittelpunkt Aufführungen der kritischen Aufführungspraxis älterer, aber auch neuester Musik stehen und dessen künstlerische Zentralfigur der mit G. eng verbundene N. Harnoncourt ist.
Ergänzend zu bereits genannten Vertretern der jüngeren Komponisten, die in G. geboren wurden oder längere Zeit hier tätig waren und Internationalität beanspruchen können, teilweise auch als Lehrer prägend sind, wären zu nennen: A. Dobrowolski, F. Koringer (Vertreter des sog. „neuen Steirerliedes“), R. Weishappel, I. Eröd, V. Fortin, G. Neuwirth, G. Kühr, G. F. Haas, G. Präsent und O. Neuwirth.
Zu anerkannten Komponisten geistlicher Musik zählten nicht nur der ehemalige Domorganist L. Seydler mit traditionellen Instrumentalmessen oder A. Faist, sondern gehören in jüngerer Zeit auch K. Haidmayer und W. Sauseng.
Die Jazz-Musik fand ihren Niederschlag nach dem Zweiten Weltkrieg in Ensemble-Gründungen wie Franz Reinisch oder dem kleinen Tanzorchester von Radio G. (Leitung F. Althaller), welches 1953 mit den seit den 1950er Jahren bestehenden Serenaders das erste G.er Jazzkonzert bestritt. Auch die Anfänge der Royal Garden Jazz Band und der Murwater Ramblers, die sich vorwiegend dem Oldtime Jazz widmen, gehen in diese Zeit zurück. Stellvertretend für eine Reihe von G.er Jazzmusikern, die eine Schlüsselrolle im österreichischen Jazz spielten oder als Gründungsmitglieder weiterer Ensembles fungierten, seien genannt: E. Bachträgl, D. Glawischnig, M. Josel, E. Kleinschuster, F. Körner, B. Luef, H. Neuwirth und Friedrich Waidacher (* 1934).
Die volkstümliche Musik findet Vertreter in den bereits seit den 1950er Jahren bestehenden Kern Buam oder den Grazer Spatzen. In den 1960er Jahren bildete sich die Schlagerformation White Stars. Seit den frühen 1970er Jahren ist G. ein Zentrum des Austropop mit dem Vertreter des Dialekt-Pop Wilfried und Gruppen wie STS und EAV.
1940 wurde an der Karl-Franzens-Universität das Institut für Musikwissenschaft gegründet (erster Lehrkanzelinhaber H. Birtner), die Geschichte der Musikwissenschaft reicht jedoch bis zur Habilitierung F. von Hauseggers (1872) zurück. Auf Birtner folgten W. Danckert (provisorischer Leiter 1943–45, Schwerpunkt musikethnologische Forschung), H. Federhofer (1951–62), O. Wessely (1963–71) und R. Flotzinger (1971–99), der die Ausweitung inhaltlicher und methodischer Ansätze vorantrieb. Mit der Ernennung von Richard Parncutt (* 1957) 1999 übernahm erstmals ein Vertreter der Systematischen Musikwissenschaft die Leitung, seit 2001 steht ihm mit Michael Walter (* 1958) ein Vertreter der Historischen Musikwissenschaft zur Seite. Die Ethnomusikologie war durch die 1943 in Wien erfolgte und 1960 für G. bestätigte Habilitierung von W. Wünsch repräsentiert und ist es derzeit (2001) durch W. Suppan.
Älteres und jüngeres G.er Quellenmaterial zur Musikgeschichte befindet sich in den verschiedenen Archiven und Bibliotheken der Stadt.
Lit: MGG 3 (1995); NGrove 10 (2001); StMl 1962–66; Federhofer 1967; H. Federhofer in B. Sutter (Hg.), Die Steiermark 21971; E. Krempel, Anfänge der G.er Konzertgesch., Diss. Graz 1950; E. Kaufmann (Hg.), 175 Jahre Musikverein für Steiermark G. 1815–1990, 1990; R. List, 75 Jahre G.er Opernhaus 1974; O. Kolleritsch/F. Körner (Hg.), [Fs.] Musikhochschule G. 1974; W. Suppan in W. Steinböck (Hg.), 850 Jahre G. 1978; Hist. Jb. d. Stadt Graz 15 (1984); Ch. Glanz, Die G.er Akademische Sängerschaft „Gothia“ und die Rolle der Musik in ihrer Gesch., Dipl.arb. Graz 1985; R. Flotzinger in Hist. Jb. d. Stadt Graz 16/17 (1986); A. Mayer-Hirzberger, Die Musikdrucke der Offizin Widmanstetter in G. (1585–1806), Dipl.arb. Graz 1988; [Fs.] Steirischer Tonkünstlerbund 1967; P. Kaufmann (Hg.), 20 Jahre steirischer Herbst 1988; W. Jauk, Die Musik und ihr Publikum im G. der 80er Jahre 1988; C. Nemeth/P. Vujica, Welch ein Haus! Die G.er Oper 1972–1990, 1990; M. Blumauer, Festa teatrale. Musiktheater in G. 1998; I. Schubert in StMw 39 (1988); R. Flotzinger, Musikwissenschaft an der Univ. G. 1990; H. Brenner, Musik als Waffe? Theorie und Praxis der politischen Musikverwendung, dargestellt am Beispiel der Steiermark 1938–1945, 1992; E. Kolleritsch, Jazz in G. 1995; R. Flotzinger in Ch.-H. Mahling (Hg.), [Fs.] H. Federhofer 1988; G. Höfler, 30 Jahre musikprotokoll, Dipl.arb. Graz 1997; W. Haas, Das G.er Städtische Orch. 1900–1950, Dipl.arb. Graz 1997; G. Haas in MusAu 18 (1999).
ISch