Schönherr, Familie
Franz d. Ä.: * 1821 Marburg (Maribor/SLO), † 1886 Marburg. Musiker.

Wirkte als Musiker einer Regimentskapelle (Militärmusik), avancierte zum stellvertretenden Kapellmeister und leitete die Südbahn-Werkstättenkapelle sowie die Liedertafel in Marburg. Sein Sohn Franz d. J. wirkte als Musiklehrer, Chorleiter und Kammermusiker und stellte eine fünfbändige Violinschule zusammen. Dessen Bruder Max d. Ä. (* 1873 Marburg, † 1955 Marburg) trat 1886 als Eleve in die Musikkapelle des IR.s Nr. 27 ein, erhielt in Graz Violin- und Hornunterricht und studierte Musiktheorie bei E. W. Degner an der Schule des Musikvereins für Steiermark. Er stieg zum Konzertmeister und stellvertretenden Kapellmeister auf. Danach leitete er 40 Jahre lang die Südbahn-Werkstättenkapelle und ab 1819 zusätzlich das Theaterorchester in Marburg. Söhne von Max d. Ä.

Wilhelm: * 4.8.1902 Maribor, † 14.1.1975 München. Musiker. Wurde von seinem Vater schon früh als Cellist in dessen Kapelle eingesetzt. Er studierte bei J. Marx an der MAkad. in Wien sowie Jus in Graz (Dr. 1927). Daneben substituierte er als Cellist in Symphoniekonzerten unter Cl. Krauss. Er übernahm Engagements am Städtebundtheater Iglau/Znaim (Jihlava/Znjamo/CZ), am Theater an der Wien und in Hermannstadt/Siebenbürgen (Sibiu/RO). Dort wurde er 1929 städtischer Musikdirektor. 1934 wurde er des Landes verwiesen. Bis 1938 wirkte er am Theater am Nollendorfplatz in Berlin, 1939–45 als Generalmusikdirektor in Coburg/D. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand er im Wiederaufbau der Vereinigten Bühnen in Nürnberg/D und ab 1950 auch als Leiter der Opernschule und Dirigierklasse des Städtischen Konservatoriums lohnende Aufgaben. Gastdirigate an Volksoper und Staatsoper in Wien sowie in Paris und London.

P: Prof.-Titel 1963.

Max d. J.: * 23.11.1903 Marburg, † 13.12.1984 Baden bei Wien/NÖ. Musiker, Dirigent, Komponist, Musikwissenschaftler. Erhielt früh Violin- und Klavierunterricht von seinem Vater. Weiterführenden Unterricht im Fagott-, Kontrabass- und Klavierspiel erhielt er an der MSch. in Marburg unter Hermann Frisch, zudem eine Ausbildung in Harmonielehre und Komposition. Anschließend wollte er in Graz Philosophie inskribieren, setzte aber seine Musikausbildung am Grazer Konservatorium unter → R. v. Mojsisovics fort. Indessen nahm er Engagements als Fagottist und Kontrabassist an, ab 1923 spielte er im Orchester des Grazer Stadttheaters, wo er zusätzlich als Chordirigent und Korrepetitor wirkte. 1928 wurde er 1. Kapellmeister der Gastspieldirektion K. Lustig-Prean und Kowalewski. Er unternahm Tourneen nach Meran (Merano/I), Hermannstadt, Kronstadt (Braşov/RO), Czernowitz (Černivci/UA), Bukarest, Temesvar (Timişoara/RO) und Bozen (Bolzano/I).

Sch. dürfte bereits in Graz mit der Marischka-Organisation in Kontakt gekommen sein, die ihn im Mai 1929 an das Wiener Stadttheater anstellte. Ein Sommerengagement in Bad Hall/OÖ unterbrach die ab Herbst 1933 am Theater an der Wien fortgesetzte Tätigkeit. O. Kabasta bot ihm gegen Ende Juli 1931 probeweise ein Dirigat bei der RAVAG mit dem Orchester J. Holzer an, weitere Dirigate folgten. 1933 nahm Sch. ein Engagement der Tourneenbühne der Gebrüder Schwarz an, wurde erneut zum Dirigieren bei der RAVAG eingeladen und blieb fortan Dirigent des Rundfunkorchesters ( Radio Symphonie Orchester Wien ). Im März 1938 pausierte Sch., denn er gehörte keiner politischen Partei an. Als das Wiener Publikum gegen die permanente Marschmusik in der ersten Zeit nach Hitlers Machtübernahme in Österreich ( Nationalsozialismus ) protestierte, engagierte man Sch., der versuchte, trotz aller Einschränkungen während des Zweiten Weltkriegs ein respektables Programm zu gestalten.

Nach dem Krieg wurde er vom ORF wieder engagiert. Disziplinäre und qualitative Probleme behinderten in der ersten Nachkriegsphase Sch.s Arbeit; trotzdem setzte er seine Tätigkeit als Dirigent des nunmehrigen Großen Wiener Rundfunkorchesters außerordentlich erfolgreich fort. Sein Wunsch, neben Unterhaltungsmusik auch vermehrt Kunstmusik zu dirigieren, erfüllte sich nur selten, denn inzwischen galt er als Spezialist für Wiener Unterhaltungsmusik und wurde als solcher von diversen Sendestationen in Rom, Turin/I, München/D, Stuttgart/D, Hamburg/D, Stockholm, Göteborg/S, Hilversum/NL, Brüssel etc. eingeladen. Sein Sound hatte im Verlauf des Krieges klangliche Identität in Österreich geschaffen, was ihm 1946 den Auftrag zur Orchestrierung der Österreichischen Bundeshymne eintrug.

Einen großen Teil seiner Arbeit nahm das Arrangieren von Standardwerken der Unterhaltungsmusik ein. Er komponierte Kammermusik, Vokalmusik, Ballette, Operetten, ein Musical, sog. E-Musik und U-Musik für Orchester und Musik für Blasorchester. Zu seinen größten Erfolgen zählte Sch. die UA des Balletts Hotel Sacher nach Musik von J. Hellmesberger 1957 in der Wiener Staatsoper. Nach seiner Pensionierung 1968 studierte er an der Wiener Univ. 1969–73 Musikwissenschaft und gab Bücher heraus. In seinem letzten Lebensjahr hielt er am Wiener Institut für Musikwissenschaft Lehrveranstaltungen über spezielle Fragen der Unterhaltungsmusik.

P: Kompositionspreis der Münchner Unterhaltungsmusikwoche 1940; Joseph Marx-Preis 1948; Preis bei der Olympiade London 1954; Prof.-Titel 1957.

Schr: Carl Michael Ziehrer. Sein Werk, sein Leben, seine Zeit, Diss. Wien 1973 (gedruckt 1974); Lanner, Strauss, Ziehrer – Synpotisches Hb. der Tänze und Märsche 1982; gem. m. K. Reinöhl, Johann Strauss Vater – Ein WV 1954; gem. m. E. Brixel, Karl Komzak – Vater, Sohn, Enkel 1989; Wer war Friedrich Eckstein? in BrucknerJb 1982/83 (1984).

W: 4 Bühnenwerke, mehrere Lieder, 8 Werke für Kammermusik (Streichquartette, Klavierstücke, Sextett), 11 Werke f. Orch. E-Musik, an die 90 Stücke f. Orch. U-Musik.

Lit: R. Hanzlik, M. Sch. – Ein Leben für die Musik 2004; E. Hilmar in Mitt. d. Steir. Tonkünstlerbundes 17/18 (1964); A. Lamb, M. Sch. in seinen Erinnerungen und Schriften 1992; StMl 1962–66; NGroveD 22 (2001); Riemann 1961 u. 1975; Czeike 5 (1997).

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