Sein Vater Eberhard H., Dr. jur. et Dipl.-Ing., war auch als Komponist tätig. 1945–48 Cello bei Paul Grümmer, 1948–52 Cellostudium bei E. Brabec an der damaligen MAkad. in Wien. 1952–69 Cellist bei den Wiener Symphonikern, 1953 Gründung des Concentus musicus Wien gemeinsam mit seiner Frau Alice H. Internationaler Durchbruch mit diesem Ensemble in den 1960er Jahren. 1972 erster Auftritt als Dirigent. 1973–93 Lehrtätigkeit am Salzburger Mozarteum im Fach Aufführungspraxis. In den 1980/90er Jahren als Dirigent Konzerttätigkeit mit Orchestern wie Berliner Philharmoniker, Chamber Orchestra of Europe, Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, Wiener Symphoniker, Wiener Philharmoniker. Debüts an allen großen Opernhäusern (Frankfurt, Zürich, Wien, Amsterdam) sowie bei Musikfestivals (Salzburger Festspiele, Wiener Festwochen). Seit 1985 prägt er das steirische Festival styriarte in Graz.
In den 1960/70er Jahren wurde H. zu einem der bedeutendsten Wegbereiter der Alten Musik-Bewegung, indem er den Zugang zur Musik der Vergangenheit durch die Beschäftigung mit den Quellen und dem ursprünglichen musikalischen Gehalt sowie durch den konsequenten Einsatz der historischen Instrumente revolutionierte. Seine auf Tonträgern dokumentierten Interpretationen (insbesondere die Aufführung der Monteverdi-Opern in Zürich in Zusammenarbeit mit J. P. Ponnelle und die Gesamtaufnahme der Bach-Kantaten gemeinsam mit G. Leonhardt) gelten als bahnbrechende Einschnitte innerhalb der Geschichte der musikalischen Interpretation. In den 1980/90er Jahren dehnte er sein Repertoire als Dirigent kontinuierlich in Richtung 19. und 20. Jh. aus, neben der Beschäftigung mit Oper und Oratorium erfolgte auch die Auseinandersetzung mit der Operette. Zu Beginn des 21. Jh.s gilt er als einer der bedeutendsten Dirigenten der Zeit, der nicht nur die Einstellung zur Wiedergabe der Musik der Vergangenheit verändert hat, sondern das gesamte Musikleben als Dirigent, Musikforscher und -philosoph nachhaltig beeinflusst. H.s Plädoyer für die Notwendigkeit der Kunst im Leben bildet dabei die Basis seiner künstlerisch-philosophischen Auffassung.
P: u. a. zuletzt den Grammy Award (Februar 2002) für seine Einspielung der Matthäus-Passion (2001) und (Mai 2002) Ernst von Siemens Musikpreis 2002.
Schr: Musik als Klangrede 1982; Der musikalische Dialog 1984; Die Macht der Musik 1993; Was ist Wahrheit? 1995. – Zahlreiche Aufsätze: Tanzsätze Tanzsätze – die Suiten Bachs in M. Brzoska/M. Heinemann (Hg.), Die Musik von den Anfängen bis zum Barock 2001; Wissen – Intuition – Mode. Faktoren der Interpretation in O. Biba/D. Wyn Jones (Hg.), [Fs.] H. C. Robbins Landon 1996.
Lit: M. Mertl/A. u. N. Harnoncourt, Vom Denken des Herzens; eine Biographie 1999; M. Elste, Meilensteine der Bach-Interpretation 1750–2000, 2000.
Seine Frau Alice (geb. Hoffelner): * 26.9.1930 Wien. Geigerin. 1951 Violindiplom an der damaligen MAkad. in Wien, 1953 Heirat, Mitbegründerin und Konzertmeisterin des Concentus musicus Wien (bis 1981), Managerin dieses Ensembles sowie ihres Mannes. Deren Tochter
Elisabeth von Magnus * 1965 Wien. Sängerin (Mezzosopran). Als Konzertsängerin erfolgreich.
Lit: K-R 1997, 2000 u. 2002 [E. v. M.].
Sein Bruder Philipp: * 9.2.1931 Berlin. Geistlicher, Liturgiker und Hymnologe. Die österr. Eltern übersiedelten kurz nach seiner Geburt zurück nach Graz. Neben der Schulausbildung studierte Ph. H. am Landeskonservatorium Graz, 1949–52 Theologie in Graz und 1952/53 in München; Priesterweihe 1954 und Dr. theol. 1963 in Graz. 1963–65 Vorstand der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik der MAkad. Graz, 1967 Prof. daselbst (inzwischen MHsch.) für Theorie und Praxis der Liturgie sowie Deutscher Kirchengesang. 1972–99 o. Prof. an der Karl-Franzens-Univ. Graz und Aufbau des Instituts für Liturgiewissenschaft, christliche Kunst und Hymnologie. H. war jahrzehntelang in der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Hymnologie und ist (2002) u. a. in der Stiftung Pro Oriente führend tätig.
P: Österr. Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Kl. 1987.
Schr: u. a. zahlreiche Schriften zur Kirchenmusik, insbesondere Hymnologie [Schr.verz. in Fs.].
Lit: E. Renhart/A. Schnider (Hg.), [Fs.] Ph. H. 1991.
Sein Bruder Renatus (René): * 3.10.1924 Hajan bei Brünn, † 9.12.2002 Graz. Pianist. Studierte am Grazer Konservatorium, Studienabschluss am Salzburger Mozarteum 1948 (Kapellmeisterprüfung) und 1949 (Sataatsprüfung aus Musikerziehung); 1950–54 Lehrer und MSch.leiter in Liezen/St; 1957–89 Korrepetitor und Lehrer (1988 ao. Prof.) am Landeskonservatorium (bzw. den Nachfolgeinstitutionen) in Graz.
P: Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark 1988.
Lit: Mitt. KUniv. Graz.
IH/RF