Wiener Philharmoniker
Konzert- und Opernorchester.

Das erste Konzert der Wr. Ph. fand als in der Allgemeinen Wiener Musik-Zeitung angekündigte Philharmonische Academie am 28.3.1842 im Großen Redoutensaal in Wien unter O. Nicolai statt (Mitorganisator: A. J. Becher). Die Musiker waren Mitglieder des Orchesters der Wiener Hofoper. Als Vorläufer gilt der Künstler-Verein, den F. Lachner 1833 mit Mitgliedern des Hofopernorchesters zur Abhaltung von Konzerten gegründet hatte. Der Verein löste sich aber nach vier Konzerten wieder auf.

Die Musiker sind nicht nur für die Auswahl der Programme, Dirigenten und Solisten, sondern auch für die Organisation und Finanzverwaltung verantwortlich. Alle Entscheidungen werden nach demokratischen Prinzipien getroffen. Bis heute (2006) muss ein(e) Musiker(in) nach einem Probespiel vom Orchester der Wiener Staatsoper engagiert werden, ehe er/sie nach drei Jahren der Bewährung im Orchester Mitglied der Wr. Ph. wird. Frauen werden seit 1997 in den seit 1908 behördlich genehmigten Verein Wr. Ph. aufgenommen. Seit ihrer Gründung sind die Wr. Ph. sowohl als Opern- als auch als Konzertorchester tätig.

Nachdem Nicolai Wien 1847 verlassen hatte, fanden bis 1860 jedoch nur zehn Konzerte statt. Als weiteres bedeutendes Datum in der Orchestergeschichte gilt der 15.1.1860, als der damalige Direktor der Hofoper C. Eckert das erste Abonnementkonzert der Wr. Ph. im Kärntnertortheater dirigierte. Bis 1903 und 1908–33 wählten die Musiker jeweils für eine Saison einen Dirigenten für die Abonnementkonzerte, zwischen 1903/08 und seit 1933 traten und treten Gastdirigenten auf. Zu den bedeutendsten Abonnementdirigenten zählt O. Dessoff, der zwischen 1860/75 das Repertoire aufbaute und für administrative Neuerungen sorgte, darunter 1870 für die Wahl des „Goldenen Saales“ der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien , der bis heute die wichtigste Wirkungsstätte des Orchesters ist. Besonderes Ansehen erlangte das Orchester unter dem Dirigenten H. Richter (Abonnementdirigent 1883–98). Als Höhepunkt seiner Ära gelten die UA.en der 2. und 3. Symphonie von J. Brahms sowie der 8. Symphonie von A. Bruckner. Auf Richter folgte G. Mahler (Abonnementdirigent 1898–1901), unter dessen Leitung mit dem ersten Auslandsgastspiel auf der Pariser Weltausstellung 1900 eine neue Ära begann. Mit F. von Weingartner, dem Abonnementdirigenten 1908–27, gastierte das Orchester 1922 mehrere Wochen lang u. a. in Südamerika. Als letzte ständige Abonnementdirigenten wirkten W. Furtwängler (1927–30) und C. Krauss (1930–33). Zwischen 1906/44 dirigierte R. Strauss zahlreiche Konzerte, 1933–37 A. Toscanini.

1938 wurden im Zuge des Nationalsozialismus alle jüdischen Künstler aus der Wiener Staatsoper entlassen und der Verein Wr. Ph. wurde aufgelöst. Furtwänglers Intervention bewirkte die Annullierung der Auflösung und bewahrte „Halbjuden“ vor der Entlassung. Sechs jüdische Mitglieder wurden in Konzentrationslagern ermordet, ein Geiger fiel an der Ostfront.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges knüpften die Musiker an die 1933 begonnene Tradition der Einladung von Gastdirigenten an. Besondere Bedeutung erlangte das langjährige Zusammenwirken mit L. Bernstein, K. Böhm und H. von Karajan.

Derzeit finden jeweils zwei Abonnementserien mit je zehn Konzerten und (seit 1999) eine Soiréen-Serie mit sieben Konzerten statt. Dazu kommen das Neujahrskonzert, Gastspiele (mehrmals jährlich Tourneen sowie seit 1922 jeden Sommer bei den Salzburger Festspielen ), Tonaufnahmen und Sonder- sowie Benefizkonzerte.

Zahlreiche Orchestermitglieder gründeten eigene Kammermusikensembles, z. T. mit Kollegen aus den eigenen Reihen. Viele übernahmen während bzw. nach ihrer aktiven Tätigkeit im Orchester pädagogische Aufgaben.

Seit 1924 zählt der Ball der Wr. Ph. im Musikverein zu den Höhepunkten des Wiener Faschings. Seit 2000 ist das Museum der Wr. Ph. im Haus der Musik der Öffentlichkeit zugänglich. Unter der Patronanz der Wr. Ph. findet alljährlich das Internationale Orchesterinstitut Attersee/OÖ statt, in dem junge Musiker von Orchestermitgliedern und Dirigenten der Wr. Ph. den Wiener Klangstil vermittelt bekommen. Ebenso unter der Patronanz und Mitwirkung der Wr. Ph. steht das Internationale Musikforum Trenta/I für den Streichernachwuchs.

P: Herausgabe des Wiener Philharmonikers, der ersten Goldbarrenmünze Europas, durch die Republik Österreich (seit 1989).

Lit: Hellsberg 1992; O. Biba, Die Unvergleichlichen 1977; O. Biba/W. Schuster (Hg.), Klang u. Komponist 1992; H. u. K. Blaukopf, Die Wr. Ph. 1986; F. Endler, Die Wr. Ph. 1986; W. Furtwängler, Die Wr. Ph. Rede anlässlich der Jh.feier 1942; H. Kralik, Die Wr. Ph. u. ihre Dirigenten 1960; R. v. Perger, Denkschrift zur Feier des fünfzigjährigen ununterbrochenen Bestandes der Philharmonischen Konzerte in Wien 1860–1910, 1910; C. F. Pohl, Fs. aus Anlass der Feier des 25jährigen ununterbrochenen Bestandes der im Jahre 1842 gegründeten Philharmonischen Concerte in Wien 1885; C. Schönfeldt, Die Wr. Ph. 1956; H. Weigel, Das Buch der Wr. Ph. 1967; ÖL 1995 [Philharmoniker, Wiener]; www.wienerphilharmoniker.at (3/2006).

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