Richter, Familie
Anton: * 18.1.1802 Probstdorf/NÖ, † 2.1.1854 Raab/Ungarn (Györ/H). Chorregent, Organist.

Sohn des gleichnamigen Schullehrers (* ?, † 2.2.1819 Probstdorf/NÖ), wurde spätestens 1825 (1822?) Bassist in der Kapelle N. (II.) v. Esterházy. 1832 ging er nach Raab, wo er an der Domkirche Regens chori war, das Musikleben bereicherte und 1846 einen Männerchor sowie 1847 die MSch. gründete.

P: Gedenktafel in Raab 1927.

W: Kirchenmusik (Messen, Requien); Kantaten; Werke f. Orch. (Konzerte f. Klar. u. Vc.); Kammermusik; Chöre, Lieder.

Lit: Erhart 2002; Wurzbach 26 (1874); O. Schilder, [Fs.] 950 Jahre Pfarrkirche St. Stephan in Probstdorf 1021–1971, o. J. [1971], 27; Diözesanarchiv Wien (Schulakten, Mappe 206, Faszikel 31).

Seine Frau Josefine (Josefa, geb. Czasensky): * 1822 Tabor/Böhmen (Tábor/CZ), † 20.10.1892 (Ort?). Sängerin (Sopran), Gesanglehrerin. Nach dem Tod ihres Mannes sang sie in Raab, Hamburg/D und Leipzig/D. Sie wirkte bei der Wiener EA von Rich. Wagners Tannhäuser (28.8.1857 Thaliatheater) mit. Ab 1865 war sie in Wien als Gesanglehrerin tätig, 1868 in München/D.

Lit: Ch. Fifield, True Artist and True Friend. A Biography of H. R. 1993; M. Eger, H. R. 1995; Riemann 1961 [Richter].

Sein Sohn Hans: * 4.4.1843 Raab, † 5.12.1916 Bayreuth/D. Dirigent. Klavierunterricht ab dem 4. Lebensjahr, ab 1853 Chorknabe der Wiener Hofmusikkapelle. 1860–65 studierte er Violine, Horn und Theorie (bei S. Sechter) am Konservatorium der GdM. 1862–66 war er Hornist am Kärntnertortheater. Anschließend arbeitete er in Tribschen/CH an der Druckvorlage von Rich. Wagners Meistersingern. Auf dessen Empfehlung kam R. 1867 an die Münchener Hofoper, wo er Chordirektor und 1868/69 Kapellmeister war (unter H. v. Bülow). 1875 wurde er an die Wiener Hofoper berufen, wo er 1893–1900 1. Hofkapellmeister war. Er leitete 1875–98 die Philharmonischen Konzerte ( Wiener Philharmoniker , UA.en von Symphonien J. Brahms’ und A. Bruckners) und war 1880–90 Konzertdirektor der Gesellschaft der Musikfreunde . R. setzte sich in Wien und später in England besonders auch für Wagners Werke ein. 1876–1912 prägte er die Bayreuther Festspiele. Ab 1877 dirigierte er in London, 1885–1909 in Birmingham/GB, 1897–1911 in Manchester/GB (daneben das London Symphony Orchestra).

G: H.-R.-Gasse (Wien XIX).

P: Ehrendoktorate der Univ.en Oxford (1895) und Prag (Dt. Univ., 1915).

Lit: Ch. Fifield, True Artist and True Friend 1993; NGroveD 21 (2001); MGG 11 (1963); ÖBL 9 (1988); DBEM 2003; Czeike 4 (1995); BrucknerH 1996; DirigentenE 1985; MGÖ 3 (1995).

Dessen Neffen

Josef: * 7.12.1874 Pest (Budapest), † 28.5.1933 Wien. Beamter, Pianist. Sein Vater Josef R. sen. (* 19.11.1849 Wien, † 1.9.1925 Wien) war Hornist und Schlagzeuger im Hofopernorchester und Komponist. Er selbst war Schüler von Th. Leschetizky, bis 1933 Mitglied des Quartetts B. Silving und auch als Begleiter tätig. Hauptberuflich Beamter der Österreichischen Bundesbahnen.

Lit: J. Sahliger in [Fs.] 25 Jahre österr. Rundfunk 1949, 21; Eisenberg 1893 [J. R. sen.]; [Fs.] Wr. Philharmoniker 1842–1942, 1942, 124 u. 126 [J. R. sen.]; WStLA (Totenbeschaubefund 1933).

Francis William: * 5.2.1888 Minneapolis, Minnesota/USA, † 25.12.1938 Los Angeles/USA. Pianist, Organist, Komponist, Pädagoge. Von Kindheit an blind, wurde er in Wien von Th. Leschetizky, J. Labor und K. Goldmark sowie in Paris von Alexandre Guilmant unterrichtet. Ab 1909 Auftritte als Pianist in Europa und Amerika, wo er auch Organist und Musiklehrer war (zuletzt in Los Angeles). Auch H. R.s Urenkel wurde Dirigent.

W: Oper The Grand Nazar; Orchesterwerke (Symphonie c-Moll 1916); Klavierstücke.

Lit: Riemann 1961; F-A 1936 u. 2 (1978).

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