Schüler der MSch. des Musikvereins für Steiermark sowie von S. Sechter in Wien. Als Operndirigent in Graz tätig sowie hier ab 1857 Inhaber einer erfolgreichen MSch., die nach seinem Tod von seinen Töchtern Pauline (?–?) und Susanne(† 1933) fortgeführt wurde. Pauline, die Frau des Schulinspektors Viktor Prochaska, der auch als Violinist und Musikkritiker für Grazer Tageszeitungen tätig war, war als Sängerin und – wie ihre Schwester Susanne – Pianistin tätig. Eher unwahrscheinlich, wenn auch in der Literatur öfter angegeben, ist ein Verwandtschaftsverhältnis mit der Sängerin Teresa St. (1834–1902).
G: Gedenktafel nahe dem Türkenbrunnen und dem „Starcke-Häuschen“ am Grazer Schlossberg.
W: Kirchenmusik, Lieder, Salonmusik, Tänze, Märsche.
Schr: Schematischer Lehrplan eines rationellen Klavierunterrichtes 1888; Katechismus der Akustik 1893.
Lit: C. A. Klug, J. St. (1832–1919). Leben u. Werk eines vergessenen Grazer Komponisten, Dipl.arb. Graz 2003; StMl 1962–66.
Seine Frau Ida, geb. Bondy: * 27.9. [StMl: 11.] 1841 Graz, † 16.4.1903 Graz. Pianistin. Als Klavierlehrerin (an der MSch. ihres Mannes) und Konzertpianistin in Graz tätig.
Lit: C. A. Klug, J. St. (1832–1919). Leben u. Werk eines vergessenen Grazer Komponisten, Dipl.arb. Graz 2003; StMl 1962–66.
Deren Söhne
Leopold: * 8.9.1866 Graz, † 7.9.1957 Lohr am Main/D. Komponist, Dirigent. Schüler seines Vaters, später bei Carl Reinecke und Simon Jadassohn am Konservatorium in Leipzig/D. Theaterkapellmeister in Karlsbad (Karlovy Vary/CZ), Berlin und am Hessischen Staatstheater Wiesbaden/D. Mit F. Busoni befreundet. Ab 1899 war er auch Solokorrepetitor bei den Bayreuther Festspielen. L. St. verlor am Ende des Zweiten Weltkrieges seinen Besitz mit allen Kompositionen. Ab 1945 lebte er in Lohr.
W: Orchesterwerke (Ouvertüre Das Leben ein Traum, Totenlieder), Klaviermusik, Oper Waldmärchen (UA Graz 1923; T: Paul Busson).
Lit: Kosch 4 (1998); StMl 1962–66; MGG 12 (1965) [R. St.].
Robert Elisabeth: * 25.8.1880 Graz, † 27.6.1975 Berlin. Komponist, Dirigent. Erster Musikunterricht von seinen Eltern, dann bis 1896 von R. Fuchs am Konservatorium der GdM in Wien und von Engelbert Humperdinck in Berlin. 1897 wurde er Repetiteur-Assistent am Grazer Stadttheater, 1898 Korrepetitor und 2. Kapellmeister in Marburg (Maribor/SLO), wo seine erste Operette Studentenulke aufgeführt wurde. 1902 Operetten-Kapellmeister am Salzburger Stadttheater, 1903 als Dirigent eines Wiener Operettenensembles in Russland, kurze Zeit Kapellmeister eines französischen Zirkus in Berlin. 1903–05 am Deutschen Theater in Brünn (Brno/CZ), ab 1907 (1905?) am Theater an der Wien, wo er sich als Dirigent der „silbernen“ Operettenära einen Namen machte. 1910 gelang ihm mit der Operette Das Glücksmädel der Durchbruch, 1911 war er mit seinem Chanson Servus, du! erfolgreich. 1913 komponierte er seine erste Filmmusik (Der Millionenonkel), 1919 folgten mit dem Onestep Hallo, du süße Klingelfee und dem Foxtrott Salome sowie 1921 mit der am Raimundtheater uraufgeführten Operette Der Tanz ins Glück internationale Bekanntheit. 1924 erlitt er mit einer eigenen Bühne („R.-St.-Bühne“, ehemals Variété „Max und Moritz“) Konkurs und übersiedelte nach Berlin, wo er die Musik für Operetten und Filme schrieb. 1935 kehrte er nach Wien zurück. 1938 Emigration (Exil) nach Paris, 1940 in die USA, komponierte hier Musik für Hollywoodfilme und dirigierte Wiener Musik (Zyklus A Night in Vienna). 1946 zählte er zu den ersten Künstlern, die nach Wien zurückkehrten. Ab 1952 war er musikalischer Leiter und Komponist der Wiener Eisrevue (Revue). Bis kurz vor seinem Tod dirigierte er Konzerttourneen unter dem Motto Eine Nacht in Wien. R. St. gilt als letzter und besonders fruchtbarer Vertreter der sog. Wiener Operette. Seine Werke haben im 20. Jh. nicht wenig zum Klischee von der Musikstadt Wien begetragen. Er war in 1. Ehe ab 1904 mit der Operettensängerin G. Holm, in 2. ab 1912 mit der Diseuse Franzi Ressel (* ca. 1890), in 3. ab 1923 mit Josephine Zernitz, in 4. mit Lilli Karner und in 5. ab 1946 mit Yvonne Luise Ulrich („Einzi“; 1912–2004), die auch seine erfolgreiche Managerin war, verheiratet.
G: Ehrengrab am Wr. Zentralfriedhof; R.-St.-Briefmarke; R.-St.-Platz (Wien I); St.-Denkmal (Wien I, Stadtpark); St.-Büste (Raimundtheater, Wien VI); Büste im Grazer Stadtpark (R.-St. Promenade); R.-St.-Gasse (Graz III); Gedenktafeln: Schmiedgasse 26 (Graz I) u. Mehlplatz 1 (Graz I); R. St. Museum am Mehlplatz 1 (derzeit [2005] geschlossen); R.-St.-Stiftung.
P: Oscarnominierungen f. die Filmmusik zu Spring-Parade 1941 u. It Happened Tomorrow 1944; Prof.-Titel 1947; Bürger der Stadt Wien 1947; Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der BRD 1963; Brucknerring der Wiener Symphoniker ; Ehrenring der Stadt Graz 1965; Ehrenring des Landes Steiermark 1968; Orden der jugoslawischen Fahne am Goldenen Band 1967; Bundesfilmpreis in Gold der BRD 1969; Commandeur des Ordens von Oranje-Nassau 1969; Commandeur im Kronorden (Belgien) 1969; Ehrenring der Bregenzer Festspiele 1969; Ehrenbürger von Wien, Graz und St. Wolfgang/Sb 1970; Ehrenkreuz f. Wissenschaft u. Kunst I. Kl. der Republik Österreich 1970; Ehrenring der Volksoper Wien 1970; Jerusalem-Medaille 1971; Grand Prix du Disque f. die Interpretation v. Wr. Musik auf 20 LPs 1973/74.
W: Oper Die Rosen der Madonna 1920; über 60 Operetten (u. a. Manöverliebe 1904, Das Glücksmädel 1910, Du liebes Wien 1913, Der Favorit 1916, Das Sperrsechserl 1920, Der Tanz ins Glück 1920, Die Tanzgräfin 1921, Mädi 1923, Wenn die kleinen Veilchen blühen 1932, Venus in Seide 1932, Beiträge zu R. Benatzkys Im weißen Rössl 1931, Night of Love 1941, Drei von der Donau 1947, Frühling im Prater 1949, Rainbow Square 1951, Trauminsel 1962, Wiener Café 1965); musikalische Komödie Schicksal mit Musik, Singspiel Signorina 1954, Musical-Revue Hallo, das ist die Liebe 957; über 100 Filmmusiken; Eisrevuen; Walzer, Märsche; Chansons, Tanzschlager u. Wienerlieder (Liedtitel Servus Du!, In Wien gibt’s manch winziges Gasserl, Im Prater blühn wieder die Bäume, Hallo, du süße Klingelfee, Du sollst der Kaiser meiner Seele sein, Zwei Herzen im Dreivierteltakt, Mein Liebeslied muß ein Walzer sein, Adieu, mein kleiner Gardeoffizier, Wenn die kleinen Veilchen blühn); Klavierwerke. – posthume Zusammenstellungen aus dem Nachlass: Musical Das Konzert 1977 (T: H. Bahr), Multimediashow R. St. u. sein Jh. 1977 (Opernhaus Graz, mit M. Prawy).
Schr: gem. m. Einzi St., Servus Du. R. St. u. sein Jh. 1980.
Lit: G. Holm, Im ¾ Takt durch die Welt 1948; W. D. Brümmel/F. van Booth, R. St. Melodie eines Lebens 1967; O. Herbrich, R. St. König der Melodie 1975, 21977; S. Pflicht (Hg.), R. St. WV 1981; K. Eidam, R. St. 1989; E. Semrau, R. St. Sein Leben. Seine Musik 2002; R. Ulrich, Österreicher in Hollywood 1993; Biogr. Hb. der dtspr. Emigration 1983; Kosch 4 (1998); MGG 12 (1965) u. 16 (1979); Lang 1986; InterpretenL 1992; Czeike 5 (1997); NGroveDO 4 (1992); NGroveD 23 (2001); StMl 1962–66; DBEM 2003; Ackerl/Weissensteiner 1992; Riemann 1961 u. 1975; Orpheus im Exil 1995; Personenlex. Öst. 2001; [Kat.] Musik i. d. St. 1980; Slg. Moißl. – Teilnachlass WStLB.
BB