Der Verlag wurde mit dem Zweck gegründet, die österreichisch-ungarische Monarchie unabhängiger von (v. a. deutschen) Notenimporten zu machen. Deshalb standen zunächst insbesondere Klassikerausgaben und Unterrichtsliteratur auf dem Programm, aber bereits auch Werke von Komponisten der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart. Durch Verlagserwerbungen und Vertragsabschlüsse mit anderen Verlagen erhielt man in den folgenden Jahren die Rechte an Werken bedeutender Komponisten. Den Notendruck besorgte die Firma Waldheim-Eberle.
Mit der Berufung E. Hertzkas zum Direktor 1907 wandelte sich die UE zu einem führenden Verlag für neue Musik. 1910 wurde Hugo Winter (1885–1952) kaufmännischer Direktor, 1923 H. Heinsheimer Leiter der Bühnenabteilung. Weitere Mitarbeiter waren A. Kalmus, der 1924–27 vorübergehend ausschied und den Wiener Philharmonischen Verlag gründete, den er nach seinem Wiedereinstieg in die UE einbrachte, A. Schlee und E. Roth. Nach Hertzkas Tod bildeten Winter, Heinsheimer und Kalmus das neue Direktorium, seine Witwe Y. Hertzka war im Verwaltungsrat.
Unter dem Druck der politischen Verhältnisse verließ Kalmus 1936 Wien und gründete im selben Jahr die UE London, Heinsheimer emigrierte 1938 (Exil). Winter wurde von den Nationalsozialisten entlassen, und die v. a. jüdischen Aktionäre mussten ihre Anteile billigst verkaufen. Den Verlag übernahm zunächst als „kommissarischer Verwalter“ Ernst Geutebrück (1893–1944). 1940 wurde kurzzeitig an Wilhelm Strecker (1884–1958), dem Inhaber der Firma B. Schott’s Söhne verkauft, und dann an Johannes Petschull (1901–2001), der ab 1939 auch Geschäftsführer und Miteigentümer des Leipziger Verlags C. F. Peters war. A. Schlee bemühte sich in dieser Zeit, den Kontakt zu den Komponisten aufrecht zu erhalten und konnte gemeinsam mit G. v. Einem die Beschlagnahme von Manuskripten verhindern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die UE zunächst unter öffentlicher Verwaltung, seit 1951 ist sie wieder als Aktiengesellschaft eingerichtet. Im Vorstand waren zunächst Kalmus, Schlee und Ernst Hartmann (1903–70), in den nächsten Jahren folgten oder kamen hinzu: Stefan Harpner und Johann Jurek (1963), Margherita Kalmus (1972), Trygve Nordwall (1985), Hans Musser (2002). Seit 2004 wird (2006) das Unternehmen von Juranek, Musser, Astrid Koblanck und Robert Thompson geleitet. Die UE vertritt in Österreich eine Reihe bekannter Musikverlage (u. a. Schott Musik International, BMG Ricordi, European Music Corporation, Warner Brothers).
Der Katalog umfasst mittlerweile mehr als 32.000 Werke. Mit zahlreichen zeitgenössischen Komponisten wurden Verträge abgeschlossen, darunter vielen österreichischen Vertretern der modernen und neuen Musik, die durch den neuen Verlag „repatriiert“ werden sollten (G. Mahler, A. Schönberg, F. Schreker, A. Zemlinsky, E. W. Korngold, Fr. Schmidt, J. Marx, E. Wellesz, A. Webern, E. Krenek, Alban Berg, H. Eisler, J. M. Hauer, H. Jelinek, H. E. Apostel, J. Takács, A. Uhl, K. Schiske, G. v. Einem, A. Heiller, P. Kont, G. Rühm, K. H. Füssl, R. Haubenstock-Ramati, G. Ligeti, F. Cerha, A. Logothetis, K. Schwertsik, G. Kahowez, M. Haselböck, Th. D. Schlee, B. Furrer, K. H. Essl, G. Neuwirth, G. F. Haas).
Lit (chron.): H. W. Heinsheimer/P. Stefan (Hg.), 25 Jahre Neue Musik 1926 (= Jb. 1926 der UE); H. W. Heinsheimer, Menagerie in F Sharp 1947 (dt. Menagerie in Fis Dur, hg. v. W. Reich 1953); Riemann 1961 u. 1975; MGG 13 (1966); H. W. Heinsheimer, Best regards to Aida: the defeats and victories of a music man on two continents 1968; H.-M. Plesske in Beiträge zur Gesch. des Buchwesens 3 (1968); E. Hilmar (Hg.), [Kat.] 75 Jahre UE (1901–1976), 1976; R. Stephan in ÖMZ 36 (1981); E. Hilmar (Hg.), 40.000 Musikerbriefe auf Knopfdruck. Methoden der Verschlagwortung anhand des UE-Briefwechsels – Untersuchungen – Detailergebnisse 1989; M. G. Hall, Österr. Verlagsgesch. 1918–1938, 1985; ÖL 1995; SchubertL 1997; UE 1901–2001, hg. von der UE AG Wien 2000; 100 Jahre UE = ÖMZ 56/8–9 (2001) [Themenheft]; NGroveD 25 (2001); O. Kolleritsch (Hg.), [Kgr.-Ber.] Der Musikverlag u. seine Komponisten im 21. Jh. Zum 100-jährigen Jubiläum der UE 2002; K. H. Kowalke in M. H. Kater/A. Riethmüller (Hg.), Music and Nazism: Art under tyranny, 1933–1945, 2003; U. Schwarz, Das Wr. Verlagswesen der Nachkriegszeit, Dipl.arb. Wien 2003; www.universaledition.com (3/2006); Verlagsarchiv z. T. in der WStLB.
BB