Takács, Jenő(Eugen)
* 25.9.1902 Cinfalva/Ungarn (Siegendorf/Bl), † 14.11.2005 Eisenstadt. Komponist und Pianist.

Nach der Klavierausbildung in Ödenburg (Sopron/H) und dem Klavier- und Kompositionsstudium bei P. Weingarten und J. Marx in Wien folgten sogleich internationale Karrierestationen: 1927–32 Klavierlehrer am Konservatorium von Kairo, 1932–34 eine Professur an der Univ. of Manila, wo er sich auch als Musikethnologe bei den Ureinwohnern der Inseln betätigte, danach führte ihn eine ausgedehnte Ostasien-Tournee nach China und Japan. Die Nachricht vom Anschluss Österreichs 1938 (Nationalsozialismus) erreichte ihn während seines ersten USA-Aufenthalts in New York. Die Kriegsjahre verbrachte er als Klavierlehrer in Sopron und Pécs/H, wo er 1942–48 das Konservatorium leitete. T. nutzte die letzte Möglichkeit, das mittlerweile kommunistische Ungarn vor Schließung der Grenzen zu verlassen, um seinen Wohnsitz für einige Jahre in Grundlsee/St aufzuschlagen, von wo aus er in den nächsten Jahren eine internationale Jurorentätigkeit entwickelte (u. a. Genf/CH, Venedig/I, Lausanne/CH). 1952 erreichte ihn der Ruf als Prof. an die Univ. of Cincinnati, Ohio/USA, wo er (mit einer vorübergehenden Gastprofessur in Missoula, Montana/USA) bis zu seiner Emeritierung verblieb. 1970 nahm T. seinen ständigen Wohnsitz in seinem Geburtsort, wo er mit seiner zweiten Frau Eva bis zu seinem Tod lebte und sich seinem Werk widmete.

Das musikalische Schaffen von T. erstreckte sich auf über 70 Jahre und weist ein ausgedehntes stilistisches Spektrum sowie eine außerordentliche Gattungsvielfalt auf. Nach spätromantisch-impressionistischen Anfängen erhielt es seine nachhaltige Ausprägung durch die Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre sowie durch Béla Bartók, dem T. erstmals 1926 auch persönlich begegnete. T. hat sich nicht nur durch folkloristisches Material seiner westungarisch-burgenländischen Heimat inspirieren lassen, sondern kontinuierlich auch Elemente außereuropäischer Musik, die er auf seinen Reisen kennen lernte, eingearbeitet, ohne allerdings die Bahnen europäischer Tradition zu verlassen.

W: Bühne: Nilusi legenda [Ägyptische Liebeslegende], Ballett (o. op., 1939/40); Vokal: Das Lied von der Schöpfung op. 44, Kantate f. Chor u. Orch., 1943/64; versch. Psalmvertonungen f. gemischten Chor u. Org., Chorwerke a cappella: Essays on the Madrigal (op. 70, 1960); Lieder f. Singst. u. Kl.: 5 kroatische Bauernlieder (op. 36, 1936); Der Sommer zerfiel (op. 101, 1977); Instrumental: Orch.: Tarantella, Kl. u. Orch., (op. 39, 1937), Suite altungarischer Tänze (op. 42, 1946), Miniatures pour Orchestre (op. 53, 1943/44); Eisenstädter Divertimento (op. 75, 1961/62), Serenade nach Alt-Grazer Kontratänzen (op. 83, 1966), Sinfonia breve (op. 108, zum Haydn-Jahr 1982); Postkartengrüße, Streichorch. (o. op., 1989); Klavier- u. Kammermusik mit z. T. ausgefallenen Besetzungen. – Der Nachlass sowie seine künstlerische Korrespondenz wird als Eigentum des Landes Burgenland in der Bibliothek der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz aufbewahrt.

Schr: A Dictionary of Philipine Musical Instruments 1975; Erinnerungen an Béla Bartók 1982; Erinnerungen, Erlebnisse, Begegnungen 1990.

Lit: W. Suppan, J. T. Dokumente, Analysen, Kommentare 1977; W. Schulze, J. T. Die Schaffensjahre 1975–1991. Festgabe zum 90. Geburtstag 1992; G. J. Winkler in ÖMZ 57/7 (2002); Ch. Heindl (Hg.), [Fs.] J. T. 2002; É. Radics, Cinfalvától Cinfalváig 2002; É. Radics, T. J. Élete és munkássága [2004].

GWi