Entstammte einer partiell ungarischsprachigen Familie. Erster Klavierunterricht durch Mutter Maria, dann bei Pressburger Lokalgrößen wie Rudolf Mader, Norbert Burger und dem Franziskanerpater Felizian, der ihm Orgel- und Theorieunterricht gab. Als pianistisches Wunderkind – gefördert von Erzhzg.in Isabella – Auftritte u. a. im Palais Grassalkovich. 1888 Übersiedlung der Familie nach Wien. Kurze Zeit Privatunterricht bei Th. Leschetizky, dann im Konservatorium der GdM (Violoncello bei Ferd. Hellmesberger, Komposition bei R. Fuchs), Matura. 1896 beendete Sch. das Konservatoriumsstudium mit Auszeichnung und wurde ab September als Cellist ins Orchester der Wiener Hofoper (bis 1913/14) und der Wiener Philharmoniker (bis 1911) berufen. Als er – nach einigen Jahren pädagogischer Tätigkeit als Lehrbeauftragter – ab 1911 ordentliche Professuren für Violoncello, Klavier, Kontrapunkt und Komposition am Konservatorium (ab 1909 Akademie) erhielt, quittierte er den Orchesterdienst und widmete sich seinem kompositorischen Schaffen, der Lehre und weiterhin einer regen, äußerst erfolgreichen Konzerttätigkeit als Solist, Begleiter, Kammermusiker (u. a. mit dem Rosé-Quartett ) und Dirigent. 1925–27 Direktor der MAkad. Wien, 1927–31 Rektor der Fachhochschule für Musik und darstellende Kunst. Sch.s Initiative ist es zu danken, dass M. Reinhardt ein Schauspielseminar installieren konnte. Er erfreute sich auch großer Wertschätzung von Komponistenkollegen anderer stilistischer Ausrichtung – wie z. B. Alban Berg, A. Schönberg – und pflegte eine Jahrzehnte lange Freundschaft u. a. mit F. Schreker und J. Marx. Das Privatleben war von tragischen Schicksalsschlägen und jahrelanger, schwerer Krankheit gezeichnet. Seine 1. Frau, Karoline Perssin (Heirat 1899 im Pressburger Dom), zeigte bald Anzeichen einer Geisteskrankheit und musste ab 1919 „Am Steinhof“ leben. Die gemeinsame Tochter Emma starb 1932 kurz nach der Geburt der Enkelin Marianne († 1989): Der verzweifelte Vater konzipierte die 4. Symphonie als „Requiem für meine Tochter“. 1923 2. Ehe mit der Klavierschülerin Margarethe Jirasek (1891–1964; A. Jirasek). Sch.s legendäres musikalisches Gedächtnis, das es ihm ermöglichte, auf Wunsch Abschnitte aus einem alle Gattungen umfassenden Repertoire am Klavier vorzuspielen, litt in den letzten Lebensjahren durch zahlreiche lebensbedrohende Krankheiten beträchtlich. Seine zahlreichen Schüler – u. a. die Pianisten F. Wührer, Walter Panhofer, W. Taussig und die Komponisten Th. Berger, M. Rubin, A. Uhl – pflegten den Kontakt bis zu seinem plötzlichen Herztod. So auch P. Wittgenstein, dem Sch. 2 Klavierkonzerte, 3 Quintette und eine Solo-„Toccata“ für „die linke Hand allein“ widmete. Sein bester Freund war der Studienkollege, Philharmoniker und Pädagoge A. Wunderer, der handschriftliche Erinnerungen hinterließ. In den letzten Lebensjahren war Sch. mit dem Dirigenten O. Kabasta und dem Organisten Franz Schütz befreundet, Letzterer ist Widmungsträger der meisten Orgelwerke. Sch. gilt als „Spätromantiker“ in der Nachfolge J. Brahms’ und A. Bruckners, deren Intentionen er v. a. in den vier Symphonien zu vereinen wusste. Er strapazierte jedoch die Tonalität bis an die äußerste Grenze (z. B. im unter dem Einfluss Schönbergs stehenden 2. Streichquartett, Das Buch mit sieben Siegeln) und war auch dem Œuvre von R. Strauss, F. Schreker, H. Pfitzner verbunden. Die jahrelange Orchestererfahrung zeigt sich in einer subtilen Instrumentation und einem fabelhaften Klang- und Formsinn, gepaart mit meisterhafter motivisch-thematischer Arbeit. Seiner Herkunft verdankt er ungarisch-„zigeunerische“ Einflüsse, die in vielen Werken in verschiedenen Parametern aufscheinen und einen wichtigen Baustein seines Personalstils bilden. Im umfangreichen Orgelwerk gelang Sch. die Synthese einer an J. S. Bach geschulten Polyphonie, strenger Kontrapunktik mit spätromantischer Harmonik und traditionellen Formen.
G: Denkmal im F. Sch.-Park, Ghelengasse (Wien XIII); Tafel am Wohn- u. Sterbehaus in Perchtoldsdorf, Lohnsteinstraße 4.
P: Beethovenpreis für die 1. Symphonie 1899; Franz Josephs-Orden 1914; Länderpreis der Columbia Gramophone-Society für die 3. Symphonie 1928; Dr. h. c. der Univ. Wien 1934; Ehrenmitglied der Wr. Philharmoniker; Hofrat.
W: Orchesterwerke (Karnevalsmusik und Zwischenspiel aus der Oper Notre Dame, 4 Symphonien, Variationen über ein Husarenlied, Chaconne f. Orch.), 2 Klavierkonzerte (Concertante Variationen über ein Thema von Beethoven; Es-Dur), Kammermusik (2 Streichquartette, 3 Quintette: 1 m. Streicher, Kl., 2 m. Klar., Streicher, Kl.), 2 Klavier-Solostücke (Toccata, Romanze), umfangreiches Orgelwerk (3 Werke auch mit Bläser, Pauken), 2 Opern Notre Dame (nach Victor Hugo), Fredigundis (nach Felix Dahn), Oratorium Das Buch mit sieben Siegeln (nach der Apokalypse des Johannes), Dt. Auferstehung (Oskar Dietrich, unvollendet).
Schr: Auswahl in A. Liess, F. Sch. 1951 (u. a.: Skizzen zu Vorlesungen über Organologie, Gedenkrede auf Franz Schubert (100. Todestag 1928), Gutachten betreffend einer Rundfunkorgel, Einige Bemerkungen zu dem Text des Oratoriums „Das Buch mit sieben Siegeln“ [Programmheft zur UA 15.6.1938 im Wr. Musikverein]).
Lit: NGroveD 22 (2001); MGG 11 (1963); Riemann 1961; A. Liess, F. Sch. 1951; H. Haupt, Verzeichnis des Schrifttums über F. Sch. (1895–1954), 1955; C. Nemeth, F. Sch. 1957; R. Scholz, F. Sch. als Orgelkomponist 1971; N. Tschulik, F. Sch. 1972; H. Truscott, The Orchestral Music of F. Sch. 1 (1984); Th. Corfield, F. Sch. A Discussion of his Style 1989; C. Ottner in ÖMZ 51 (1996); C. Ottner in H. Loos (Hg.), [Kgr.-Ber.] Musikgesch. zwischen Ost u. West. Chemnitz 1995, 1997; C. Ottner in E. Exl (Hg.), [Kgr.-Ber.] Oswald Kabasta. Mistelbach 1996, 1998; Studien zu F. Sch. 1ff (1976ff).
CO