Wiener Männergesang-Verein
Männergesangverein.

Die Gründung am 6.10.1843 durch Aug. Schmidt war der Ausgangspunkt für die Ausbreitung der Männergesangvereine in allen Teilen der K. k. Monarchie. Am 17.12.1843 trat der Verein bei einem Dr.-August-Schmidt-Konzert erstmals öffentlich auf. An Veranstaltungen fanden Konzerte, Liedertafeln, das Stiftungsfest, Sängerfahrten, Volkskonzerte, die Dumba-Messe usw. statt. 1868 trat der Verein dem Bau des neuen Hauses der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien als Stifter bei, 1870 konnte er in sein neues Probe- und Konzertlokal, das neue Gebäude der GdM am Karlsplatz übersiedeln. Bis heute (2006) ist dies der Sitz des Vereins. Der Wr. MG-V. übernahm als Kulturträger seiner Heimatstadt die musikalische Umrahmung vieler offizieller Anlässe, u. a. 1856 die Grundsteinlegung der Votivkirche und 1873 des neuen Rathauses. Der erste Auftritt außerhalb der heimatlichen Grenzen erfolgte beim Sängerfest in Passau 1851, 1861 konnte man beim Großen Deutschen Sängerfest in Nürnberg/D sogar den Ehrenpreis beim Wertungssingen (Wettbewerb) erreichen. Die Einführung des sog. Ehrenhonorars für die EA eines Werks durch den Verein 1847 war eine bahnbrechende Neuerung im Hinblick auf die Entwicklung von Tantiemen für Chorkompositionen im 19. Jh. Viele bedeutende Komponisten befinden sich in der Liste der Empfänger eines Ehrendukaten. Als Sendboten Wiener Kultur machten die Sänger des Vereins Konzertreisen durch die ganze Welt, u. a. 1880 nach Belgien, 1891 als erster deutscher Verein in den Orient und 1907 nach Amerika. Der Verein steht bis heute mit vielen bedeutenden Komponisten in Verbindung und so entstanden zahlreiche Widmungskompositionen. Insgesamt widmeten mehr als 350 Komponisten dem Wr. MG-V. Werke. Besonders gepflegt wurden auch die Werke von Fr. Schubert und Rich. Wagner. Das bedeutendste Ereignis des Männergesangwesens zwischen den beiden Weltkriegen, das 10. Deutsche Sängerbundesfest (1928), wurde auf Mitanregung des Wr. MG-V.es mit ca. 9.000 Vereinen und rund 140.000 Sängern in Wien veranstaltet. Ab 1933 gab es Führungen durch das Vereinsmuseum im Musikvereinsgebäude. Die Sammlung enthält Notenhandschriften und Autographe, Briefe sowie Erinnerungsgegenstände an verschiedene Begebenheiten, Personen und zur Geschichte der Stadt Wien, die häufig als Leihgaben für Ausstellungen zur Verfügung gestellt wurden/werden.

Auch in der 2. Republik (Österreich) konnte der Chor rasch wieder an seine frühere Bedeutung anschließen. Sängerreisen unternahm man u. a. 1958 zur Weltausstellung nach Brüssel, 1991 nach Fernost und 1996 nach Australien, Singapur und Malaysia. Auftritte in Rundfunk- und Fernsehsendungen und Plattenaufnahmen. Zum 150-Jahr-Jubiläum 1993 Zusammenarbeit mit Christian Ludwig Attersee, der das Titelblatt der Festschrift sowie das Werbeplakat für den Narrenabend gestaltete.

Als Chormeister des Vereins fungierten im Laufe der Zeit: F. Füchs und Ignaz Lewinski (1843 provisorisch), A. M. Storch (1843–51), G. Barth (1843–54), F. Stegmayer (1849–56), H. Schläger (1854–61), J. v. Herbeck (1856–65 und 1867–69), F. Mair (1861/62), R. Weinwurm (1866–80), E. Kremser (1869–1910), M. v. Weinzierl (1882/83), Edmund Reim (1889/90), R. v. Perger (1897–1901), R. Heuberger (1902–09), V. Keldorfer (1910–21), C. Luze (1913–34), F. Großmann (1927–45 und 1946–53), Georg Gruber (1935–37), Richard Rossmayr (Roßmayer; 1937–45), F. Burkhart (1942–45 und 1946/47), Ferdinand Habel (1945/46), K. Etti (1948–73), N. Balatsch (1953–75), Hermann Furthmoser (1973–76), X. Meyer (1976–87), Josef Böck (1987–89), Peter Lang (1989–91), G. Track (1990–2003), Manfred Schiebel (2003/04) und Antal Barnas (seit 2005).

P: Große goldene Medaille für Kunst u. Wissenschaft 1861 (als erster Verein).

Lit (chron.): R. Hofmann, Der Wr. MGV. Chronik der Jahre 1843 bis 1893, 1893; Adametz (1943); K. Kretschek, Fs. 125 Jahre Wr. MG-V. (1843–1968), 1968; E. Ramminger, Der Wr. MG-V. Sein Repertoire von der Gründung bis zum Ende der k. k. Monarchie, Diss. Wien 1989; [Fs.] 150 Jahre Wr. MG-V. 1842–1993, 1992; Ch. Böhm, Dokumentation der künstlerischen Aktivitäten des Wr. MG-V.s 1993; Czeike 4 (1995) [MG-V., Wr:]; E. Anzenberger-Ramminger in Neues Musikwissenschaftliches Jb. 5 (1996); www.wienermaennergesang-verein.at (5/2006).

EAR/ChF