Gegründet als Lehrersängerchor Sch. 1863 im Gasthaus „Zur neuen Welt“ (Wien I) von F. Mair. Der Chor war zunächst als Sektion dem Lehrerverein Die Volksschule angegliedert, dem auch seine 86 Gründungsmitglieder angehörten. Die Bezugnahme auf Fr. Schubert erfolgte aufgrund von dessen Abstammung aus einer Lehrerfamilie bzw. dessen kurzer Tätigkeit als Lehrer. 1870/71 spaltete sich der Chor vom Verein Die Volksschule ab und nahm den Namen Sch. an. 1922 wurde – infolge der Bildung anderer Sch.e in Österreich (z. B. Graz, Brünn) und Deutschland – der Vereinsname auf Wr. Sch. geändert, der bis heute (2005) beibehalten wurde.
Die Pflege der Werke Schuberts, die auch in den Satzungen festgehalten wurden, stand zunächst im Vordergrund. Der Pflege der Schubertschen Werke widmen sich v. a. die auf Anregung von A. Kirchl als musikalische Veranstaltungen wieder begründeten Schubertiaden. Auch heute noch veranstaltet der WSB jährlich Schubertiaden, meist in Schuberts Geburtshaus in Wien IX. Als künstlerische Glanzzeit gelten die Jahre 1927/28, als dem Verein neben 500 Sängern auch ein Damen- und Knabenchor (organisiert vom damaligen 2. Chormeister F. Großmann) zur Verfügung standen. Die große Zahl der Mitglieder brachte es mit sich, dass mehrere sog. Tischgesellschaften gegründet wurden, die durch regelmäßige Zusammenkünfte und heitere Veranstaltungen wesentlich zur Geselligkeitspflege beitrugen. Von musikalischer Bedeutung waren hingegen die Gesangquartette (z. B. 1891–1907 das Soeser-Quartett, ab 1894 das Puhm-Quartett, ab 1899 das Andreß-Quartett) und kleinen Instrumentalensembles (u. a. Streichquartette), die mit ihren Auftritten bei musikalischen Veranstaltungen des WSB.es zur Hebung des künstlerischen Niveaus beitrugen und eine abwechslungsreiche Programmgestaltung ermöglichten. Um 1900 bestand auch ein Hausorchester (Orchestervereine), jedoch arbeitete der WSB im Laufe seines Bestehens regelmäßig mit dem Hofopernorchester, dem Orchester des Wiener Konzertvereins, den Wiener Philharmonikern , den Wiener Symphonikern und dem Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester zusammen. Zahlreiche namhafte Komponisten widmeten dem WSB Werke.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Wiederaufnahme des Vereinslebens, es kam wie schon vor dem Krieg zur Zusammenarbeit mit bedeutenden Künstlern und zu UA.en bzw. EA.en von Werken Zoltán Kodálys, E. Tittels, A. Uhls, Peter Warlocks, der Vereinschormeister und anderer Komponisten. Im Jubiläumsjahr 1963 zählte der Chor 164 Mitglieder und konnte bereits 1.960 öffentliche Aufführungen vorweisen. Trotz Nachwuchsproblems zählt der WSB derzeit (2005) mit rund 50 aktiven Mitgliedern noch immer neben dem Wiener Männergesang-Verein und dem MGV Atzgersdorf (Wien XII) zu den stimmkräftigsten reinen MGV.en Wiens.
Als künstlerische Leiter des WSB fungierten seit der Gründung: F. Mair (1863–90), E. Schmid (1890/91; 2. Chormeister 1863–90 und 1891–95), A. Kirchl (1891–1916), F. Rebay (1916–20), H. v. Schmeidel (1920/21), A. v. Webern (1921/22), V. Keldorfer (1922–38 und 1946–51), Otto Nurrer (1938–40), Re. Schmid (1940–45), H. Gillesberger (1951–54), L. Lehner (1954–63), H. Gattermeyer (1963–73), Kurt Kettner (1974–76) und Franz Gerstacker (1976–2000). Derzeit stehen dem WSB Fritz Brucker (seit 2000) und Christine Aichberger (seit 2003) als Chormeister vor.
TD: zahlreiche Schallplatten, 7 CDs.
Lit: A. Weiß, Fünfzig Jahre Sch. 1913; [Fs.] 100 Jahre WSB 1863–1963, 1963; [Fs.] 125 Jahre WSB 1863–1988, 1988; [Fs.] 130 Jahre WSB 1863–1993, 1993; [Fs.] WSB im Schubertjahr 1997, 1997; A. Winter, Gedenkbuch des „Sch.“ [sic!] 1888; F. Mair, Aus meinem Leben 1897; Czeike 5 (1997); Dem Wissen treu, im Liede frei. Mitt.en des WSB 1981–85, 1986; http://members.aon.at/schubertbund/ (1/2005).
ChF