Rottenmann
Stadt im Bezirk Liezen/St im unteren Paltental, an der alten, über den Triebener Tauern nach Süden führenden Handelsstraße gelegen.

Vermutlich bereits römisches Siedlungsgebiet; um 1200 wurde R. unterhalb der Burg als ein neuer Ort aus den Einnahmen der Straßenmaut erbaut, 1265/67 als Markt genannt, ab 1289 mehrmals als Stadt.

Als Wolfgang Diez († 1474) 1453 das von Wien (St. Dorothea) aus besiedelte Augustiner-Chorherrenstift stiftete, wurde das 1341 gegründete Bürgerspital zum Kloster umgewandelt und die Spitalkirche Maria am Rain bis 1455 Klosterkirche. Knapp vor dem Einfall der Türken (August 1480) wurde auf Befehl K. Friedrichs III. das Kloster in die Stadt verlegt und 1478/80 bei der Pfarrkirche St. Nikolaus neu errichtet. Das ständig von Geldsorgen geplagte Kloster wurde 1711–36 dem Augustiner-Chorherrenstift Vorau unterstellt, 1785 wurde es aufgehoben.

Erhalten ist ein umfangreicher Notenbestand (605 Handschriften und 7 Drucke aus 1730–1800 mit Schwerpunkt 1740/60), der daraufhin in den Besitz des katholischen Pfarramtes Bad Aussee/St gelangte (heute im Diözesanarchiv Graz). Den Hauptanteil nimmt die Instrumentalmusik ein, bei der Vokalmusik herrschen liturgische Werke vor (vorwiegend Klosterkomponisten, v. a. P. Aeg. Schenkh, P. S. Höpflinger und J. A. Scheibl, ferner F. L. Gaßmann, F. J. Aumann, P. F. Wrastill, I. Holzbauer, F. X. Brixi, F. Sparry, A. Ivanschiz, L. Gatti, Ph. Pusterhofer, P. Andreas Siberer [1722–78], F. G. Pruneder, A. Pieringer u. a.). Von den im Bestand genannten R.er Chorherren scheint Franz Xaver Orttner (* ca. 1746, † 10.10.1808 Neumarkt/St), 1770–90 Chorherr in R., anschließend Pfarrer in Neumarkt, als Komponist und Kopist auf. An komponierenden Vorauer Chorherren, die in R. tätig waren oder deren Kompositionen sich im Bestand finden, sind zu nennen: I. J. Kobald, Josef August Pichler und F. X. Oberköck.

Die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus wurde 1341 selbständige Pfarre. 1455 erfolgte die Inkorporierung in das Chorherrenstift, 1621 wurde ein „Mayster Bärtl“ beauftragt, die „orgl in der kirchen zu mahlen“. Weiters ist eine „große Orgel“ bekannt, die 1733 vom Judenburger Orgelmacher Peter Jaas (Joas) repariert wurde. 1794 begann F. X. Chrismann mit dem Bau eines kleineren Werkes, das nach seinem Tod in R. von seinem ehemaligen Gesellen P. Hötzl vollendet wurde. Nach mehreren Umbauten erinnert nur mehr der Prospekt daran. Einen kleinen Notenbestand aus der Pfarrkirche hat das Musikwissenschaftliche Institut der Karl-Franzens-Univ. Graz (A-Gmi/RO) übernommen.

Eine der ersten Pfarrschulen im Paltental bestand nachweislich in R.: In einer Urkunde des Klosters St. Paul (1344) wird der Schulmeister Johann von R. erwähnt. Nach Übernahme der Pfarre durch das Kloster (1456) wurde aus der weltgeistlichen eine klösterliche Pfarrschule. Um 1525 finden sich die ersten Nachrichten über das Auftreten des Luthertums (Reformation), welches immer mehr an Boden gewann, da sich auch die Klostergeistlichen diesem zuwendeten. (Zw. 1600/1781 war das Liesingtal Zentrum des Geheimprotestantismus in der Steiermark. 1594 geht der „deutsche“ Schulmeister Wolf Leutner nach Judenburg. 1616 erhält Hans Leutner, „teutscher Schuellmeister“ aus Trieben/St, die freigewordene Stelle. 1619 folgt ihm Johannes Kastner nach, 1622 diesem der „Musicus“ Andree Auer. Organist wurde Christoph Dompacher. 1658 wird Ch. Falckenstainer als Organist und Schulmeister des Stiftes angestellt. 1671 und 1672 wird der Organist Lucas Jacob genannt, der sich in Leoben (neben Falckenstainer) um den Organistendienst bewarb. 1663 wurde Johann Galler als Schulmeister und Kantor aufgenommen, 1673 Thobias Polhaimber. 1674 folgte diesem Christoph Walleithner aus Hallstatt, 1675 wurde Malachias Rothschedl vom Propst aufgenommen. 1755 wurde Thomas Weißinger aus Böhmen (* ca. 1722) als Organist und Schulmeister vom Dechant angestellt. 1766 erhielt Matthias Hirschhofer (* ca. 1735 Fladnitz bei Graz/St), zuletzt in Oberzeiring/St tätig, den Organisten- und Schulmeisterdienst. 1790 wurde Ignatz Putschögl genannt, 1794 trat Joseph Gautsch (* ca. 1762 Freudenheim/Böhmen [Veselíčko/CZ]) seinen Dienst an. 1811 folgte auf ihn der im Notenbestand genannte Kettner. 1849 wurde Franz Xaver Schantl (1808–74), geprüfter Hauptschullehrer, aufgenommen, 1855 Zdansky.

Gesang, Musik und Laienspiel wurden zu allen Zeiten gepflegt. Bereits 1870 wurde die Stadtkapelle R. (laut mündlicher Überlieferung) gegründet, 1914 erhielt sie ein Vereinsstatut. Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges löste sich der Verein auf. 1919 wurde mit Unterstützung der Arbeiterschaft des Werkes der Gebrüder Lapp eine Blasmusikkapelle, der Arbeitermusikverein R. unter der musikalischen Leitung von Franz Melzach ins Leben gerufen. Seine Stelle übernahm 1923 Alois Hainzl jun. (1900–72). Aufgrund interner Zwistigkeiten kam es zu einer Spaltung in eine Musikverein Kapelle unter Leitung von Hainzl jun. und einen Arbeitermusikverein (1934 Musikbund der Arbeiter und Angestellten R.s) unter Kpm. Peter Rodlauer. 1938 wurden beide Kapellen aufgelöst und bis 1945 als SA-Musikzug geführt. Unmittelbar nach Kriegsende erwachte der Arbeitermusikverein wieder, Kpm. war Anton Schimpl sen. (1901–80). 1971 wurde der Name in Musikverein-Stadtkapelle Bauknecht R. abgeändert (Leitung Musikdirektor Karl Baumann, * 1933) und 1986 in Musikverein Stadtkapelle R. Seit 1988 ist Werner Fösleitner (* 1956) Kpm.

Der Männergesangverein und Frauenchor R. wurde 1870 als Männergesangverein (Männergesang) gegründet und 1919 mit dem durch Julius Eichmeyer (1863–1943) gegründeten Frauenchor vereinigt. Seine Aufgabe sieht er v. a. in der Pflege des heimischen Volksliedes. In der Zwischenkriegszeit veranstaltete der Verein Sängerfeste auf der Burg Strechau. Seit 2004 ist Heidrun Lange (* 1965) Chorleiterin. 1900–63 existierte der Arbeiter- Sängerbund . 1946 wurde der Frauenchor R. (erste Chorleiterin Hertha Suppick) ins Leben gerufen und 1959 unter Christa Handl (1914–2001; 1990 wurde ihr das Goldene Ehrenzeichen der Stadt R. verliehen) in Frauensinggemeinschaft R. umgewandelt, 1990 in Singgemeinschaft R., derzeitige Chorleiterin Herta Eder (* 1959). Die seit ca. 1970 bestehende und vordem nur lose Sängerrunde Palten besitzt seit 1978 ein Vereinsstatut. Ihr Bestreben besteht in der Erhaltung alten Volksliedgutes. Erster Chorleiter war Günther Pitscheider (* 1941), seit 1994 Helga Stauchner (* 1969).

1976 Gründung der MSch. Trieben, Leiter K. Baumann. Bis zur Errichtung einer gemeinsamen MSch. Paltental, 1980, wurden die Schüler in R. von den Lehrern der MSch. Liezen unterrichtet. Seit dem Schuljahr 1998/99 besitzt die MSch. das Öffentlichkeitsrecht. Ab Beginn des Schuljahres 2003/04 wurde in Gaishorn am See/St ein dislozierter Unterricht eingerichtet. 1999 übernahm Emmerich Maier (* 1952) die Leitung der MSch. Der Unterricht wird durch Ensemblespiel (Volksmusik, Bläserensembles, Jugendblasorchester) und zahlreiche Wochenendseminare (Jazz, Volksmusik, Weihnachtsmusizieren etc.) erweitert und ergänzt. Das alle zwei Jahre stattfindende Lehrerkonzert wurde ab 1995 durch das Neujahrskonzert des Salonorchesters der MSch. abgelöst, wobei das Konzertprogramm durchwegs Operettenmusik umfasst. Mitte der 1980er Jahre gab es ein klassisches Bläserquintett an der MSch., das jedoch aus Personalmangel nach drei Jahren aufgelöst werden musste.

1922 wurde im Hotel Zur Post ein städtisches Kino eröffnet, später gab es ein seitens der Pfarre betriebenes und bis 1972 bespieltes Kino im Bräuhaus.

Neben dem international bekannten Komponisten Johann Paul (Hans) Gretler (* 22.6.1885 R., † 8.1.1953 in Trofaiach/St) ist Siegfried Greimler (* 1953) zu nennen, dessen kompositorischer Schwerpunkt auf dem Gebiet der Volksmusik (Polka, Walzer, Jodler, Volksweisen bearbeitet für Akkordeon etc.) liegt.

Lit: N. Reisinger/A. Menguser in F. Goldmann/N. Reisinger (Hg.), Österr. Städtebuch 6 (1995); K. Weiß, R. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke 1995; F. Stockinger (Hg.), [Fs.] 700 Jahre Stadt R. 1279–1979. Ein Heimatbuch [o. J.]; I. Schubert, Musikalienbestände im Institut für Musikwissenschaft der Univ. Graz 1 (1992); J. G. Czimeg, Die Entwicklung der Pfarrschulen im heutigen Schulbezirk Liezen, Diss. Graz 1965; Fs. zum 50jährigen Jubiläum der Singgemeinschaft R., hg. v. Singgemeinschaft R. [o. J.]; 725 Jahre Stadt R. 125 Jahre Musikverein Stadtkapelle R., hg. v. Musikverein Stadtkapelle R. 2004; P. Frank in SK 11 (1964). – eigene Erhebungen; www.rottenmann.at (12/2004).

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