Der Begriff S. wird in zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht: einerseits im gleichen Sinn wie Männergesangverein oder Gesangverein (so z. B. der Linzer S., der sich 1909 mit der Liedertafel „Frohsinn“ zum S. „Frohsinn“ fusionierte), viel häufiger jedoch für den Zusammenschluss mehrerer Chöre zu einem Dachverband oder zu einer Interessensgemeinschaft, wobei ein S. auch in mehrere Verbände („Sängergau“, „Singkreis“, „Sängerkreis“) untergliedert sein kann.
Die Gründung erster S.e erfolgte in Deutschland in der 1. Hälfte des 19. Jh.s. Im Zuge des Deutschen Sängerfestes in Nürnberg/D am 23.7.1861 fasste man den Beschluss, einen gesamtdeutschen S. zu gründen. Die eigentliche Gründung des Deutschen S.es (DSB) erfolgte am 21.9.1862 in Coburg/D. An der Sitzung nahmen die Vertreter von 41 S.en teil (repräsentierten ca. 45.000 Sänger), darunter Delegierte des Oberösterreichischen S.es, des Niederösterreichischen S.es und des Salzburger S.es. Den österreichischen S.en wurde seitens der österreichischen Behörden jedoch zunächst der Beitritt zum DSB untersagt, erst ab 1868 war ihnen die Mitgliedschaft gestattet, bis 1945 gehörten sie dann schließlich dem DSB an.
Der DSB entwickelte sich zu einem mächtigen Kulturträger, bei dem die nationale Komponente allerdings eine enorme Rolle spielte. Zu den Kernaufgaben des DSB.es zählten die regelmäßige Veranstaltung sog. „Deutscher S.esfeste“, die Herausgabe eigener Liedbücher mit entsprechendem Liedgut sowie die Chorleiterfortbildung. Seinen Mitgliederhöchststand vor 1933/34 erreichte der DSB 1929 mit 15.715 Vereinen und 582.120 (männlichen) Sängern, die in 23 Kreise (20 deutsche, 2 österreichische, 1 Auslandskreise) eingeteilt waren. Die österreichischen S.e waren damals in den Kreisen XXI (Ostmärkischer S. [Niederösterreich und Wien]) und XXII (S. Alpenland [Steirischer S., Kärntner S., Oberösterreichischer S., Salzburger S., Tiroler S.]) organisiert; der Vorarlberger S. gehörte als Sängergau dem Schwäbisch-Bayrischen S. (Kreis XVII) an, die Vereine des Burgenlands waren zwischen Niederösterreich und der Steiermark aufgeteilt. Die Zahl der österreichischen Mitglieder des DSB.s betrug 1928 1.069 Vereine mit 34.322 Sängern, wobei rund die Hälfte dem Ostmärkischen S. angehörten. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich 1933 kam es auch zur Gleichschaltung des teilweise schon vorher unterwanderten DSB.s. Zwar wurde zunächst der Beitritt zur Reichsmusikkammer abgelehnt, doch erfolgte dieser nach einer Auflösungsdrohung 1934. Gerade in jener Zeit war es für die österreichischen S.e schwer, einen Ausgleich zwischen den Forderungen des autoritären Ständestaatregimes und jenen des DSB.es zu erreichen. 1934 wurde der Reichsverband der Arbeitergesang-Vereine Österreichs (S. der österreichischen Arbeitergesang-Vereine, Arbeiter-Musikbewegung) aufgelöst und seine Mitgliedsvereine teilweise in die bürgerlichen S.e eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es 1949 in Göppingen/D zur Neugründung des DSB.es.
Bereits 1881 war erfolglos die Gründung eines Österreichischen S.es (ÖSB) angeregt worden (Musiker-Correspondenz 1880/81, 186). Ein 1937 von Ernst Würtele (1909–79) in Innsbruck gegründeter, vom DSB unabhängiger ÖSB bestand nur bis 1938 und blieb ohne weitere Bedeutung. Erst nach dem Krieg kam es im Jänner 1949 zur Gründung eines eigenständigen ÖSB.es, in dem heute sämtliche Landes-S.e organisiert sind; 2004 erfolgte die Umbenennung in Chorverband Österreich (ca. 2.600 Mitgliedsvereine und über 60.000 aktive Mitglieder). Vorsitzende des Musikausschusses waren V. Keldorfer (1949–51), O. Siegl (provisorisch 1951), F. Burkhart (1951–78), Fritz Heindl (provisorisch 1978/79), E. Ortner (1979–83), Franz Gerstacker (1983–97) und Günter Knotzinger (seit 1997). Auch ein Österreichischer Arbeiter-S. (ÖASB) wurde nach 1945 neuerlich ins Leben gerufen.
Burgenländischer S.: Bis zum Zweiten Weltkrieg waren die Gesangvereine des Burgenlandes in mehreren Sängergauen organisiert, die entweder dem Niederösterreichischen/Ostmärkischen oder dem Steirischen S. angehörten. Erst 1948 wurde die Arbeitsgemeinschaft Burgenländischer Chöre im Rahmen des Volksbildungswerkes von 18 Vereinen ins Leben gerufen, 1965 erfolgte die Umbenennung in Burgenländischer S.
Kärntner S.: Erste Gründungsversuche datieren aus den Jahren 1863/64, eine behördliche Anerkennung erreichte man 1866. 1881 wurde eine Neugründung vorgenommen, 1882 erfolgte der Beitritt zum DSB. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946 der Kärntner S. wiederbelebt.
Niederösterreichischer S.: Die Konstituierung fand am 15.11.1863 statt. Ab 1879 wurden Sängergauverbände als untergeordnete Organisationsstrukturen gegründet, sodass der Bund 1913 zehn Sängergaue zählte. 1924 wurde nach der Angliederung der Vereine des Nordburgenlands der Bund in Ostmärkischer S. (OSB) unbenannt. 1938 durch den Anschluss der Oberösterreichischen und südmährischen Vereine vergrößert, trug der S. nun den Namen Donauland. 1948 erfolgte eine Neugründung, zunächst als Wiener S., kurz danach Umbenennung in S. für Wien und Niederösterreich; 2005 neuerlich umbenannt in Chorverband Niederösterreich und Wien. Daneben besteht seit 2001 als weiterer Dachverband das Chorforum Wien.
Oberösterreichischer S.: Gegründet 1862/63 (32 Vereine, 767 Sänger), 1864 erfolgte die Erweiterung des Bundes zum Oberösterreichisch-Salzburgischen S. durch den Anschluss der Vereine des Salzburgischen S.es. Der endgültige Beitritt zum DSB erfolgte 1869. 1926 umbenannt in Oberösterreichischer S. 1949 kam es zur Neugründung als gemeinsamer Oberösterreichisch-Salzburgischer S., der sich jedoch 2001 wieder trennte; seither führt der Bund die Bezeichnung Chorverband Oberösterreich.
Salzburger S.: Gegründet 1862/63, umfasste der Bund 1863 zehn Vereine und 243 Sänger. 1864 erfolgte die Fusionierung mit dem Oberösterreichischen S. zum Oberösterreichisch-Salzburgischen S. Trotzdem wurde 1891 innerhalb dieses gemeinsamen S.es der S.es der Salzburger Sängergau gegründet, dem sich jedoch nicht alle Salzburger Vereine anschlossen, der 1899 seinen Austritt aus dem gemeinsamen Bund erklärte und 1901 dem DSB beitrat. 1924 erfolgte die vereinsrechtliche Trennung des Oberösterreichisch-Salzburgischen S.es, wobei der Salzburger Sängergau im neuen Salzburger S. aufging. Nach der 2001 neuerlich erfolgten Trennung des 1949 wiederbegründeten gemeinsamen S.es mit Oberösterreich erfolgte die Umbenennung in Chorverband Salzburg.
Steirischer S.: Gegründet am 21.9.1862, wurde am 3.1.1863 als erster Provinzsängerbund des österreichischen Kaiserreiches behördlich anerkannt; 1881 trat er dem DSB bei. 1946 wurde der Steirische S. neu belebt, 1988 zählte er 175 Mitgliedsvereine mit 5.917 Sängern und Sängerinnen.
Tiroler S.: Die Gründung eines ersten Tiroler S.es datiert aus dem Jahr 1860, im September 1863 erreichte er die behördliche Genehmigung. Nach vollständiger Auflösung 1877 kam es 1889 zu einer Neugründung (12 Vereine, 462 Sänger). Der Beitritt zum DSB erfolgte 1874 bzw. endgültig 1889. Erst 1952 wurde der Tiroler S. reaktiviert, nachdem bereits 1946 von E. Würtele der Tiroler Sängerverband gegründet worden war. Eine Fusionierung der beiden Dachverbände wurde erst 1996 vollzogen. 1949 wurde auch ein eigener Südtiroler S. ins Leben gerufen.
Vorarlberger S.: Gegründet 1862/63 (1863: sechs Vereine, 180 Sänger), wurde der Bund 1868 ordentliches Mitglied des DSB. Im November 1927 gab der Vorarlberger S. seine Eigenständigkeit auf und schloss sich dem Schwäbisch-Bayrischen S. als Sängergau an. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine Wiederbelebung des unabhängigen Vorarlberger S.es. 1995 kam es zur Umbenennung in Chorverband Vorarlberg.
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ChF