Pfleger, Familie
Benedikt: * 1833 Melk/NÖ, † 10.2.1896 Wien. Musiker und Lokalhistoriker.

Gehörte dem Orchester des Wiener Ring-Theaters an und war mit J. Lanner, der Familie Strauß, C. J. Millöcker und F. v. Suppé in freundschaftlicher Verbindung. Einer seiner Vorfahren war der als Lehrer und Musiker tätige Josef Leonhard P. (1747–?). Seine Söhne

Karl (Pseud. Robert Friedl): * 24.6.1866 Strozzigrund (Wien VIII), † 20.6.1952 Wien. Violinist, Chorleiter, Kirchenmusiker. Besuchte 1880–82 das Konservatorium der GdM (Violine, Klavier) und studierte danach 1882–86 bei J. Dont (Violine), 1883–86 an der Lehranstalt für Kirchenmusik des Wiener Cäcilienvereins und 1886–88 bei Jos. Böhm (Theorie, Kontrapunkt). 1888 Staatsprüfung für Violine, später auch für Gesang. 1889–92 absolvierte P. noch die Fächer Klavier, Orgel und Komposition (bei J. N. Fuchs) am Konservatorium. Anschließend wirkte er als Violinist an der Piaristenkirche (Wien VIII; 1878–98), als 1. Violinist am Theater in der Josefstadt und im E. Strauß-Orchester 1883–86), als Organist in Döbling (Wien XIX; 1889–93) und als Violinlehrer sowie Dirigent des Schulorchesters am Wiener Lehrerseminar (1891–1904). Chorleiter mehrerer Gesangvereine und an verschiedenen Wiener Kirchen, 1912–21 auch Gesangslehrer an einem Wiener Realgymnasium.

P: Prof.-Titel 1915; Bronzene Staatspreismedaille.

W: 3 deutsche Messen, 2 Requien, Lieder (s. Abb.), Männerchöre, Orchesterstücke, Österr. Kaiserjubiläums-Hymne, Kinderlieder; versch. Unterrichts- und Lehrwerke (u. a. f. Pos.); Bearb. v. Werken v. Jos. Strauß.

Eduard: * 17.6.1875 Strozzigrund (Wien VIII), † 4.5.1959 Wien. Komponist, Kapellmeister. War Sängerknabe an der Wiener Kirche Am Hof und studierte 1889–94 am Konservatorium der GdM (Violine, Posaune, Klavier, Musiktheorie bei H. Grädener und R. Fuchs). Engagement beim Badener Kurorchester unter Kapellmeister K. Komzák; ab 1896 dreijähriger Militärdienst bei der Hoch- und Deutschmeisterkapelle, danach Posaunist am Carltheater und Mitglied des Wiener Konzertvereinsorchesters, ab 1904 an der Volksoper Wien, wo er 25 Jahre tätig war. Er leitete sein eigenes Wiener Konzertorchester E. P., sammelte historische Märsche, pflegte alte Wiener Volks- und Unterhaltungsmusik und erneuerte das Weihnachts- und Silvesterturmblasen. Ferner gründete er eine unentgeltliche Stellenvermittlung für Musiker. Sein Sohn Richard (* ca. 1900 Wien?, † ?) war als Violinist tätig und leitete das Blasorchester R. P., seine Tochter Hella (* ca. 1900 Wien?, † ?) wurde Sängerin.

P: Ehrenmedaille der Stadt Wien „für die Pflege und Erhaltung des Wienerlieds“ 1950; Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich; Ehrenpräsident des Zwölferbundes der Wr. Volkssänger und Artisten; Goldenes Ehrenzeichen des ÖGB/KMfB (Interessenvertretungen).

W: Wir kommen so wie so in d’Höll’ (Marsch-Polka); Wien und die Wiener, Feuersbrunner Marsch, Träume aus dem Sudentenland (Walzer), Schlesier Lieder-Marsch, Festfanfare f. Bläser; Bearbeitungen von Volks- und Kirchenliedern. – Teilnachlass WStLB.

Lit: F. J. Ewens, Lex. des dt. Chorwesens 1954; Müller-Asow 1929; Kürschner 1954; DBEM 2003; Lang 1986; Czeike 4 (1995); Kosel 1902; Weissenbäck 1937; F-A 1936; Wr. Rathauskorrespondenz 14.6.1950; Ulrich 1997; Slg. Moißl; WStLA (TBP 1896, Biographische Slg.).

ChF/BB