Bereits mit 7 Jahren als Sängerknabe in die Hofmusikkapelle der Kaiserinwitwe Elisabeth Christine aufgenommen, wurde H. durch G. Chr. Wagenseil und wahrscheinlich auch durch F. Tuma ausgebildet. Ab 1758 war H. als „musicus“ an St. Michael tätig, soll jedoch bereit 1764 (gesichert ab 1766) Regens chori an St. Peter gewesen sein. 1769 wurde H. Hofklaviermeister (Klavierlehrer) am Kaiserhof in der Nachfolge seines Lehrers Wagenseil; 1772 2. Hoforganist (seine Bewerbung für das Amt des Hofkapellmeisters 1774 war hingegen nicht erfolgreich). 1772–93 war H. Kapellmeister an St. Stephan (Nachfolger von G. Reutter d. J.) und bis zur Aufhebung der Kapelle 1783 auch an der Gnadenkapelle von Maria Pocs (Pötsch). Da H. in den letzten Lebensjahren kränkelte, wurde 1791 W. A. Mozart als unbezahlter Assistent angestellt, der in Abwesenheit H.s die Kirchenmusik an St. Stephan leitete. H.s umfangreiches Schaffen fällt stilistisch in den Übergang von Spätbarock (Barock) und Wiener Klassik. Obwohl von den Zeitgenossen sehr geschätzt, aber wegen seines finanziellen Geschicks auch oft mit Neid bedacht (J. Haydn, Mozart), geriet sein Werk im Laufe des 19. Jh.s zunehmend in Vergessenheit bzw. wurde als „Kleinmeisterarbeit“ eingestuft. Große Verdienste erwarb sich H. um die Wiener Geigenschule des 19. Jh.s; O. Nicolai bezeichnet ihn sogar als Begründer derselben.
W: über 50 Messen, Requiem, mehrere Te Deum-Vertonungen, Vespern, Psalmen, Motetten und andere kleinere Kirchenmusikwerke; Lieder; zahlreiche Konzerte, über 30 Symphonien, Sonaten.
Lit: NGroveD 11 (2001); MGG 6 (1957); H. Prohaszka, L. H. als Messenkomponist, Diss. Wien 1956; H. Prohászka in StMw 26 (1964); A. P. Brown in JAMS 33 (1980); B. MacIntyre, The Viennese Concerted Mass of the Early Classic Period 1986; D. Heartz, Haydn, Mozart and the Viennese School 1740–1780, 1995; Wurzbach 9 (1863).
ETH