Erlernte das Zitherspiel ab 1867 bei Anton Paschinger, war jedoch zunächst bis 1875 als Beamter beim Ersten allgemeinen Beamtenverein in Wien tätig. Anschließend widmete sich W. ganz der Musik, noch 1875 unternahm er gemeinsam mit Alois Rudolf Lerche und Joseph Riener (Wiener Zithertrio) eine Konzerttournee nach Deutschland, Belgien, England und Dänemark. 1877 gründete er in Wien II eine Zitherschule und 1882, 1887 sowie 1892 Musikzeitungen. 1883/84 folgte eine weitere Reise nach Frankreich. Ab etwa 1885 widmete sich W. auch der Bühnenmusik, seine Operetten, Singspiele und Possen gelangten zwischen 1885/97 sowie 1901 am Carltheater, Theater in der Josefstadt und Theater an der Wien zur Aufführung. 1899/1900 und 1905/06 dürfte er in Berlin gewirkt haben, danach zog er sich aus dem Musikleben zurück. W. war mit A. Girardi befreundet, zu seinen Zitherschülern zählte F. Kollmaneck.
P: Esterházyscher Kammervirtuose; ausländische Orden.
W: Possen u. Schwänke (Eine gute Partie [T: C. Lindau, Gesangtexte: W.], Ein verlässlicher Freund [T: Vincenz F. Horak], Ypsilon Zett [T: Th. Taube], Ein braver Ehemann [T: August Neidhardt]), Operetten (Die schöne Witwe, Der Lognar-Kg. [T: V. Léon u. Lu. Held]), Singspiel Herzbub (T: Fritz Mai); über 200 (Tanz-)Kompositionen f. Zither, Kl., Orch.; Transkriptionen v. Opern- u. Operettenmelodien von Georges Bizet, O. Nicolai, W. A. Mozart, C. M. v. Weber, Joh. Strauß Sohn, J. Lanner, C. M. Ziehrer f. Zither; Zitherschule.
Schr: „Mein Wien“. Heitere Vorträge, Couplets u. Solo-Scenen 1885; In froher Ges. Heitere Vorträge u. Couplets. N. F. von „Mein Wien“ 1892; Liedertexte (Nur für Natur [M: Joh. Strauß Sohn, Der lustige Krieg], Liebesbrief [M: C. M. Ziehrer]); (Hg.) Erstes Wr. Zither-Journal 1–5 (1882–86), Wr. Zither-Ztg. 1ff (1887ff), Internationale Musik-Ztg. (ab 1895: Neue musikalische Presse) 1–17 (1892–1908).
Sein Sohn Robert (Michely-W.): * 3.6.1898 Wien, † 31.1.1977 Wien. Pianist und Komponist. Sohn F. W.s und der Soubrette sowie späteren Handarbeitslehrerin Emmy Michely (* 31.7.1881 Wien, † 13.7.1942 Wien). Studierte Klavier am Konservatorium der GdM und war nach 1918 als Musiker in verschiedenen Orchestern tätig. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war M.-W. als Musiker aktiv, zahlreiche seiner Kompositionen wurden auf Schallplatte aufgenommen.
W: Märsche (Attraktionen, Von Stern zu Stern), Tänze (Goldschimmer), Lieder.
Lit: J. Hartmann, Die Zither in Wien 2 (1996), 8f [Foto]; Kosch 5 (2004); A. V. Nikl, Die Zither. Ihre historische Entwicklung bis zur Gegenwart 1927, 110f; Eisenberg 1893; Wurzbach 52 (1885); J. Brandlmeier, Hb. der Zither 1963; Stieger II/3 (1978); Lang 1986 [Michely-W.]; F-A 2 (1978) [Michely-W.]; www.wiener-zither.at (3/2006); WStLA (Meldearchiv).
ChF