Schwechat
Stadt in Niederösterreich, südlich von Wien am gleichnamigen Fluss. Funde aus der Jüngeren Steinzeit lassen eine erste Besiedelung ca. 2.500–2.200 v. Chr. vermuten, eindeutig nachweisbar ist das römische Reiterkastell Ala nova, das bis ca. 400 n. Chr. auf Sch.er Boden bestand.

Die mittelalterliche Siedlung (1108 urkundlich belegt) leitete ihren Namen vom bereits 1031 genannten Fluss Svechant ab, entscheidend für die Entwicklung des Ortes war seine Lage an der alten Limesstraße Richtung Osten. Die Grundherrschaft übte zunächst das Bistum Passau aus, ab dem 11. Jh. dann das Stift Göttweig, 1264 wurde Sch. landesfürstlich; 1531 Marktrecht. Stadterhebung 1922.

Die Geschichte der Sch.er Kirchen und Pfarre ist komplex. Die heutige Pfarrkirche St. Jakob d. Ä. wurde 1764/65 als hochbarockes Gesamtkunstwerk mit 1945 zerstörten Fresken von Franz Anton Maulpertsch anstelle eines romanisch/gotischen Vorgängerbaus errichtet. Über die Kirchenmusik an der Pfarrkirche sind die Quellen sehr spärlich, fassbar sind bis dato nur einige Chorregenten. Als solche fungierten die jeweiligen Schulmeister bzw. Oberlehrer. Mit der Einrichtung einer zweiten Volksschule 1893 dürften dann mehrere musikalisch ausgebildete Lehrer für den Chorregenten- und Organistendienst zur Verfügung gestanden sein. Die 1765 von M. Jesswagner als eines seiner bedeutendsten Werke errichtete Orgel in der Pfarrkirche (II/18, s. Abb.) wurde 1945 zerstört. 1950 erfolgte die Einweihung einer Leihorgel der Firma J. M. Kauffmann, erst 1983/84 errichtete die Firma Rieger einen großzügigen Neubau (II/16), der auch häufig als Konzertinstrument Verwendung findet.

Mit dem 1765 als Sohn des Chorregenten Joseph Leopold Eybler geborenen J. Eybler stammt einer der bedeutendsten Kirchenmusikkomponisten des beginnenden 19. Jh.s. aus Sch. Ende Mai/Anfang Juni 1790 besuchte W. A. Mozart seinen Freund Eybler in dessen Sch.er Vaterhaus. Es war dies jedoch nicht der erste Besuch Mozarts in Sch. und Umgebung, da L. und W. A. Mozart bereits am 22.9.1773 im Schloss Rothmühle in Rannersdorf bei dem befreundeten Arzt Franz Anton Mesmer (1734–1815), der seit 1769 Mitbesitzer des Schlosses war, zu Gast gewesen waren. Am selben Tag wirkte Mozart bei einer Festmesse in der Pfarrkirche Sch. mit. Aus Sch. stamm(t)en weiters u. a. der Komponist A. Träg, der Posaunist F. Gallosch, die Sängerin T. Mally, der Kapellmeister Erich Rath und der Musiker G. Großlercher. J. Lanner verewigte Sch. in seinem Sch.-Ländler (op. 32). Um 1899 besaßen vier Sch.er Einwohner einen Gewerbeschein für Musiker.

Bereits 1848 kam es zur Gründung der Liedertafel in Sch., die mindestens bis 1851 bestehen sollte. 1862 wurde der MGV Sch. gegründet, als erster Chormeister fungierte Sigismund Bechtel, der auch kompositorisch tätig war. Zwischen 1866/75 ruhte die Vereinstätigkeit, 1876 kam es zu einer Neugründung. Es folgte ein steter Aufstieg, durch großzügige Zuwendungen war es sogar möglich, Sängerreisen ins Ausland zu unternehmen. Führende Persönlichkeit jener Zeit war v. a. der Lehrer Franz Skalla (* 28.8.1865 Himberg/NÖ, † 21.3.1946 Sch.), der 1889 das Chormeisteramt von Alois Komendisch übernommen hatte und bis zum Zweiten Weltkrieg den Verein erfolgreich leitete. Mit ihm wurde Sch. (statt Bruck an der Leitha/NÖ) auch das eigentliche Zentrum des 1908 gegründeten Leitha-Sängergaus (Sängerbund). 1946 kam es zur Konstituierung des Sch.er Gesang- und Musikvereins als Nachfolgeverein. Als Chorleiter fungierten seither Maria Panzer-Spetlik (1946–91), Johannes R. Libal, Thomas Böttcher, Felipe Aguirre und Kerem Sezen (seit 2001). Weitere, heute nicht mehr bestehende Sch.er Gesangvereine waren der MGV „Frohsinn“ Altkettenhof (auch MGV „Liederfreunde“ Altkettenhof; gegr. vor 1893, 1928 aufgelöst, 1936 Neugründung, ab 1942 nicht mehr aktiv) und der Sch.er Männerchor „Harmonie“ (gegr. 1924 als Sängerrunde, 1927/28 aufgelöst; Chormeister Johann Posch sen.). Der Arbeiter-Musikbewegung zuzuordnen waren der Arbeiter-Sängerbund Sch. (gegr. 1899? oder 1907) und der Sängerbund der Firma Schar & Comp. in Sch. (gegr. 1909, 1923/24 Auflösung) sowie die Rannersdorfer Vereine MGV „Wiener Bräuhaus“ in Rannersdorf (gegr. 1904) und Sektion Rannersdorf des Gesang- und Musikbundes der n. ö. Arbeiter und Angestellten (gegr. 1936, 1939 aufgelöst). In der Zwischenkriegszeit bestanden auch mehrere Orchestervereine und Blasorchester, so der Sch.er Musikverein (gegr. 1906, aufgelöst 1939), der Musikverein der Bundesbahnbediensteten (gegr. 1921, 1934 Neugründung, 1939 Auflösung) und die Musikkapelle der Brauereiarbeiter (gegr. 1924). Am bedeutendsten unter diesen dürfte der Musikverein Sch. gewesen sein, der neben der Instrumental- auch die Vokalmusik pflegte, die Abhaltung von Theater- und Operettenaufführung in seinen Statuten verankerte und für seine Mitglieder Bildungs- und Tanzkurse abhielt. Weiters zu nennen sind der Arbeiter-Zitherklub (gegr. 1923) und der Erste Sch.er Mandolinenklub (gegr. 1925, aufgelöst 1939/41). 1975 wurde die heutige Stadtmusik Sch. gegründet, ihr war eine seit Ende der 1960er Jahre bestehende Jugendkapelle vorausgegangen; ihr Kapellmeister ist (2005) seit 1992 Thomas Wirth. Neben reiner Blasmusik spielt die Kapelle auch Stücke des Jazz- und Big Band-Repertoires. Auch in der Sch. angeschlossenen Katastralgemeinde Mannswörth gibt es eine Blasmusikkapelle, die aus der 1922 gegründeten Burschenmusik Mannswörth und dem 1924 gegründeten Arbeiter-Musikverein Mannswörth hervorgegangen ist. Letztere war 1926 mit 50 Musikern die größte im Bezirk Bruck an der Leitha. Als Kapellmeister fungierten u. a. Leopold Geyer (1922, Burschenmusik), Lorenz Geher (1924, Arbeiter-Musikverein) sowie der Sch.er Karl Lehrner (1946–76) und der gebürtige Mannswörther Hermann Kochinger (seit 1976). 1934 wurde auch der bis dato nicht näher fassbare Verein Musikfreunde Mannswörth gegründet.

Die städtische MSch. wurde 1963 eröffnet und veranstaltet regelmäßig Konzertabende mit Orchesterdarbietungen. Ihre Schüler konnten bei verschiedenen Wettbewerben teilweise hervorragende Ergebnisse erzielen. Aus der Sch.er MSch. ging der 1979 gegründete Sch.er Zitherverein hervor; bereits um 1900 hatte Josef Litschauer eine Zitherschule in Sch. betrieben. Daneben existieren auch eine Tanz- und Ballettschule (seit 1986), beide privat geführt. An Konzertsälen ist zunächst v. a. die Körnerhalle zu nennen, in der nach ihrer Eröffnung 1960 regelmäßig Gastspiele des Wiener Volkstheaters, der Opernklasse des Konservatoriums der Stadt Wien (Musiklehranstalten Wien) und des Stadttheaters Baden gegeben wurden. Der Versuch, einen Konzertzyklus zu etablieren, scheiterte jedoch aufgrund der Nähe zu Wien. Für kleinere Veranstaltungen stehen weiters die sog. Scheune im Felmayergarten, in der regelmäßig Jazz-, Blues- und Folkkonzerte stattfinden, und der Wallhofturm in Rannersdorf zur Verfügung. Im bereits genannten Schloss Rothmühle finden neben den seit Juli 1973 alljährlich abgehaltenen Nestroy-Spielen hin und wieder ebenfalls musikalische Veranstaltungen statt. V. a. für Kleinkunst, Kabarett, Kindertheater und musikalische Kleinformen steht das 1991 eröffnete Kleintheater Forum Sch. (seit 2001: Theater Forum Sch.) zur Verfügung, das 1963–85 als Kino diente.

Bereits 1960 wurde das Kulturwerk in der Stadt Sch. gegründet, das sich v. a. der Förderung und Veranstaltung von Konzerten bzw. Theateraufführungen verschrieb. Heute (2005) arbeiten die Sch.er Musik- und Kulturvereine in der Kulturplattform Sch. zusammen. Ein jährlich seitens der Stadtgemeinde angebotenes Kulturabonnement beinhaltet neben Theater- und Kabarettveranstaltungen auch Konzerte, wie z. B. 2005/06 ein Weihnachtskonzert der Wiener Sängerknaben und ein Neujahrskonzert des Niederösterreichischen Tonkünstlerorchesters.

Lit: J. Ableidinger, Gesch. v. Sch. 1929; A. Ezsöl, 70 Jahre Stadt Sch. 1992; G. Gump, Sch.er Kirchenführer [o. J.]; K. Schütz, Der Wr. Orgelbau in der 2. Hälfte des 18. Jh.s 1969; Eberstaller 1955; [Fs.] Zur Erinnerung an das Stiftungs-Fest des Sch.er MGV.es am 30. August 1863, 1863; Erhart 1998; F. Adamec et al., Sch.s Vergangenheit u. Gegenwart 1986; Czeike 5 (1997); E. Vorwahlner, Gesch. v. Mannswörth 1998; J. Vogl, Sch.er Adressenbuch 1899; W. A. Bauer/O. E. Deutsch (Hg.), Mozart. Briefe u. Aufzeichnungen, 7 Bde. 1962ff; Kirchliche Nachrichten der Pfarre Sch. 1–8 (1910–17); Slg. Moißl; Diözesanarchiv Wien (Schulakten Sch.; Landpfarren/Sch..); Pfarrarchiv St. Jakob Sch.; WStLA (Vereinskataster); www.schwechat.gv.at (6/2005); eigene Recherchen.

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