Nach dem Ende der Monarchie 1918 wurde das bereits unter Maria Theresia [I] auf ca. 10–15 Knaben reduzierte Hofsängerknabeninstitut aufgelassen; die Partien der hohen Stimmen in der Hofkapelle wurden in der Folge von den Damen des Staatsopernchores übernommen. Da sich der Rektor der Hofkapelle, J. Schnitt, und Hofkapellmeister C. Luze mit dem Traditionsbruch nicht abfinden wollten, gründeten sie aus eigener Initiative einen Nachfolgeverein, der ab November 1924 mit 12 Knaben in der Wiener Hofburgkapelle in Erscheinung trat, aber auch (ein Novum gegenüber den „alten“ Sängerknaben, die exklusiv für den Hofdienst eingesetzt wurden) bei zahlreichen Hauskonzerten. Der ursprünglich gewählte Name Sängerknaben der ehemaligen Hofmusikkapelle wurde 1927 (auch in Hinblick auf die regelmäßigen Auftritt in Konzerten der RAVAG ab 1925) in Wr. S. umgewandelt. 1926 kam es zu ersten Auftritten im Ausland (Schweiz, Deutschland), 1932/33 erste Nordamerika-Tournee. Da der dichte Proben- und Konzertplan den Besuch einer öffentlichen Schule zunehmend unmöglich machte, gründete Schnitt 1928 eine eigene Privatschule für die Wr. S. Wohnort der Wr. S. waren anfangs die traditionellen Räumlichkeiten in der Hofburg, die jedoch aufgrund des regen Zustroms (1938 umfassten die Wr. S. bereits 60 Knaben) bald zu eng wurden: 1934 zogen die Wr. S. in das Schloss Wilhelminenberg (Wien XVI); bereits 1925 hatten sie in Hinterbichl/Osttirol ein Sommerquartier erhalten. Nach den finanziellen Problemen der Anfangszeit (1925 standen die Wr. S. deswegen bereits nach einem Jahr fast vor dem Aus) hatten sie durch Rundfunkauftritte und Tourneen eine solide finanzielle Basis ihrer Tätigkeit schaffen können. In der Zeit des Nationalsozialismus galten die Wr. S. als wichtige Kulturträger und durften ihre Arbeit nicht nur fast ungestört (Rektor Schnitt wurde hingegen seines Amtes enthoben) fortsetzen, sondern wurden gezielt für Propagandazwecke eingesetzt. Erst ab 1943 kam es zu einer Einschränkung des Konzertbetriebes, im März 1945 wurden die Knaben zur Sicherheit auf das Sommergut nach Osttirol gebracht. Unmittelbar nach dem Ende der Kämpfe nahmen Rektor Schnitt und J. Krips die Arbeit wieder auf, und zu Pfingsten 1945 sangen die Wr. S. wieder an der Hofkapelle, im Herbst wurde das Tourneeprogramm wieder aufgenommen. Nachdem die Wr. S. während der NS-Zeit in das Maria Theresien-Schlössel in der Lange Gasse (Wien VIII) übersiedeln mussten, wurde ihnen nun das Palais Augarten (Wien II) zugewiesen.
Ab den 1950er Jahren kam es unter Rektor Schnitts Nachfolgern, W. Tautschnigg sen. und jun., zu einer wachsenden Kommerzialisierung der Sängerknaben, wobei vermehrt künstlerische und pädagogische Aspekte zugunsten von Vermarktung hintangestellt wurden, bis in den 1980er Jahren zunehmend prominente Persönlichkeiten des Musiklebens (z. B. I. Holender) eine Neuorientierung und Maßnahmen zur Verbesserung der künstlerischen Qualität einforderten. Unter A. Großmann und Karlheinz Schenk wurden grundlegende Strukturreformen (z. B. Gründung eines gemischten Sängerknaben-Kindergartens zur Nachwuchsförderung) getätigt und auch unter Großmanns Nachfolger N. Balatsch und dem derzeitigen (2006) künstlerischen Leiter Gerald Wirth an der Verbesserung der Qualität und Erweiterung des Repertoires gearbeitet. Präsident des Vereins Wr. S. ist seit 2001 Eugen Jesser, der seit 2003 auch das Institut leitet. Derzeit singen ca. 100 Knaben bei den Wr. S., die in vier Konzertchöre aufgeteilt sind.
1952 gründete Schnitt aus den Mutanten der Wr. S. den Chorus Viennensis, der seither oft mit den Wr. S. gemeinsam auftritt, aber auch als Männerchor; Mitglieder des Chorus Viennensis bilden die Choralschola (Choral) der Wiener Hofburgkapelle.
Lit: K. Schenk in [Kat.] Musica Imperialis 1998; E. Hilscher, Mit Leier u. Schwert 2000; K. Schenk, Die Wr. Hofmusikkapelle 1918–1955, Dipl.arb. Wien 1997; www.chorus.viennensis.at (6/2006); www.wsk.at (6/2006).
ETH