Dabei waren einige Gebiete an Bayern, Tirol und Kärnten gelangt.
Über das Musikleben auf dem Land lassen sich bis in die frühe Neuzeit kaum Belege finden. Erst eine handschriftliche S.er Chronik aus dem Jahr 1625 gewährt schmale Einblicke in sog. Volksbelustigungen und das Brauchleben: „Das Volck auf dem Ackherpau [...] Siezt Tag und Nacht beim wein, schreit, Singt, Tanzt, springt, [...] Sy halten auch Cöstlich überflüssig Hochzeiten, Todenmall und Khirchtäg, das ist bei Ihnen Ehrlich und recht“ (Hs. UB Salzburg M I 105, 7f). Im Weiteren sind es insbesondere Sitten- und Tanzordnungen, die bestimmte Verhaltensweisen untersagen und dadurch Auskunft über ländliche Gewohnheiten geben. So gereichte zum Ärgernis, wenn beim Tanzen durch „Walzen“ (rasches Drehen der Tänzerin; Walzer) sich deren Rock derart hob, dass man den bloßen Unterleib sehen konnte (das Verbot des Walzens von 1671 wurde 1736 bestätigt). Detaillierter fallen Tanzordnungen aus, die bald nach dem Regierungsantritt von Fürsterzb. Hieronymus Graf Colloredo ausgegeben wurden (letztlich gültig Ausgabe vom 21.1.1774).
Musikanten, die zum Tanz aufspielten, hatten zuvor bei „Spielgrafen“ einen sog. „Spielzettel“ zu erwerben, wobei ein ganzer für alle Tanzgelegenheiten galt, ein halber dagegen nur für „Freytänze“. Um zu verhindern, dass Spielleute (Spielmann) ihren Lebensunterhalt allein mit Musik verdienten und sich damit dem Bettelstand näherten, war 1774 bestimmt worden, dass sie zugleich ein anderes Gewerbe ausüben und zudem verheiratet sein mussten.
Die ländliche Bevölkerung orientierte sich im Lauf des 19. Jh.s vielfach am städtischen Bürgertum (bürgerliche Musikkultur) und übernahm dessen Lied- und Spielgut sowie dessen Modetänze. Als V. M. Süß 1865 seine Sammlung Salzburgische Volks-Lieder mit ihren Singweisen vorlegte, knüpfte er einesteils an vorhandene Einteilungsprinzipien des Volksliedes (besonders F. Žiška und J. M. Schottky) an und trug andernteils dem Herderschen Gedanken einer notwendigen Rettung des Volksliedes vor dem Vergessen-Werden Rechnung. Verglichen mit dem 1819 aus Salzburg für die sog. Sonnleithner-Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (Volksliedsammlung) eingesandten Bestand überrascht die umfassende Veränderung des Repertoires binnen knapp 50 Jahren. Lediglich zwei Hirtenlieder und ein Wildschützenlied sind beide Male überliefert. Allerdings hat Süß nach eigenen Worten aus dem Bereich des geistlichen Volksliedes, das insgesamt durch Niederschriften der Organisten und „Kirchensinger“ seit dem 18. Jh. bereits eine gewisse Konstanz gewonnen hatte, nur eine kleine Auswahl in seine Sammlung aufgenommen. Weltliches Liedgut wurde dagegen selten aufgezeichnet und unterlag infolgedessen einer höheren Fluktuation. Sowohl das Liedgut der Sonnleithner-Sammlung als auch der von Süß präsentierte Fundus bestätigen aber im Grunde jene Einteilung, die Lorenz Hübner bereits 1796 in seiner Beschreibung des Erzstiftes und Reichsfürstenthums S. in Hinsicht auf Topographie und Statistik vorgenommen hatte. Hübner erwähnt zunächst „Gsångl, oder Schnödahüpfl [Gstanzl], wovon jeder Bursche und jedes Mädchen eine Menge auswendig weiß, singt, oder mit pfeifen ausdrückt. Die meisten werden bey Tänzen erdichtet; und sind sehr oft Satyre auf einen der Anwesenden, der sie mit ähnlichen Reimen beantwortet, wobey es aber vielfältig zu Schlägen kommt“. Aus der Zusammenstellung solcher Gstanzl entstanden zahlreiche Scherzlieder. Weiters nennt Hübner „Gasselreime“ (Fensterllied). Das Gasslgehen war als unsittliches Betragen zwar bereits 1698 verboten worden, konnte aber von der Obrigkeit nie „abgestellt“ werden. Erst der Zweite Weltkrieg ließ diese Tradition verebben. Zuletzt „gibt es“ nach Hübner „noch andere Gedichte, und eigentliche Lieder oder Gesänge, die theils religiösen Inhalts sind, und geistliche Gsänger genannt werden; theils, und zwar meistens einen erotischen Inhalt, oder auch das Wildschießen, das Alpenleben [= Almleben], das Soldatenleben, und dergleichen Gegenstände zum Stoffe haben. Diese Lieder sind alle gereimt, und werden gemeiniglich von mehreren Personen zugleich gesungen, worunter jemand vorsingt“. Zu ergänzen sind aus späteren Aufzeichnungen v. a. Standeslieder (besonders aus dem Bauernstand), Gelegenheitslieder auf historische oder auch lustige Begebenheiten (sog. Schwankballaden) sowie Rollenlieder aus Singspielen, die ins Volksgut übernommen wurden und in dem für die Sonnleithner-Sammlung eingeschickten Material zahlreich vertreten sind. In Süß’ Sammlung kommen dergleichen Rollenlieder hingegen kaum mehr vor.
Süß überliefert auch keine instrumentale Volksmusik, sodass offen bleibt, in welcher Art sich Polka und Walzer, die im Sammelgut der Sonnleithner-Sammlung noch nicht aufscheinen, in S. verbreitet haben. Jedenfalls hat eine allmähliche Öffnung für auswärtige Musikanten, mit der nach 1816 ein Jh.e langes restriktives Vorgehen gegen fremde Spielleute zu Ende ging, die Adaption anderer Gattungen, aber auch einen stilistischen Wandel begünstigt. Insbesondere böhmische Musikanten gelangten um die Mitte des 19. Jh.s in größerer Zahl nach S., um bei Jahrmärkten und Kirchweihen aufzuspielen. Hand in Hand ging die Popularisierung von Blasmusikinstrumenten, was im späten 19. und frühen 20. Jh. zur Gründung zahlreicher Blasmusikkapellen (Blasorchester) führte, denen bis heute (2005) im ländlichen Musikleben eine zentrale Bedeutung zukommt.
Kaum zu erhellen ist die Geschichte des Jodlers. Hübner schweigt sich darüber aus und weder in der Sonnleithner-Sammlung noch bei Süß finden sich Beispiele. Die wenigen Notizen, die Reiseschriftsteller des frühen und mittleren 19. Jh.s darüber verlieren, dienen der Zeichnung eines alpenländischen Ambientes und geben nichts entscheidend Informatives Preis (Alpenmusik). Einzig ein 1816 bei B. Hacker erschienener Musikdruck, Lustige Gesänge aus den norischen Alpen, enthält in Verbindung mit dem Lied „Jetzt kommt schon mea die schöne Frühlingszeit“ eine knappe Erläuterung des Jodlers: „Der Alpengesang, oder das sogenannte Jodeln oder Dudeln, wird durch die natürliche [Stimme] und durch die Falsetter erzeugt.“ Hackers Druck belegt, dass das Bürgertum seinerseits interessiert war, Merkmale des ländlichen Musikstils in seine Musizierpraxis zu integrieren. „Besonders empfehlenswerth ist die Zither für junge Leute aus dem Bürger= und mittlern Beamtenstande“, heißt es 1847 im Amts- und Intelligenzblatt der S.er Zeitung. Nach 1850 vermochte sich auch die Harmonika als Unterhaltungs- und Volksmusikinstrument durchzusetzen. Die beiden Instrumente wurden rascher akzeptiert und integriert als manches musikalische Repertoire. Denn es dauerte bis ins 20. Jh., ehe der Jodler als volksmusikalische Gattung gleichberechtigt anerkannt und in entsprechendem Grad in Liederbücher aufgenommen wurde.
L. Hübner berichtet 1796 vereinzelt auch von Bräuchen mit Lärmpegel (Lärminstrumente) bzw. Musikanteil, darunter dem Anglöckeln, Kühtreiben und Perchtenlaufen (Perchtentanz), ohne aber Näheres mitzuteilen. Soweit die Bräuche christlichen Ursprungs oder im Zuge der Gegenreformation christlich umgedeutet waren, wurden sie vornehmlich von den „Kirchensingern“ übernommen. Es handelte sich dabei um eine kleine Gruppe von Männern, die überall auf dem Land die deutschsprachigen Gesänge zur Liturgie ausführte. Die frühesten Belege für ihre Tätigkeit reichen ins 17. Jh. zurück. Die „Kirchensinger“ dürften aber schon länger bestanden haben, denn die in S. benützten Agenden enthalten 1557 (Libellus Agendarum) vier, 1575 (Libri Agendorum) 14 deutschsprachige Lieder. Durch gegenreformatorische Maßnahmen wurde der Anteil landessprachlicher Kirchenlieder jedoch zurückgedrängt. Daher betätigten sich die „Kirchensinger“ v. a. im außerliturgischen Bereich mit Liedern zur Andacht, weihnachtlichen Stubenspielen und geistlichen Volksschauspielen (geistliche Spiele), ehe sie im Gefolge der kirchenmusikalischen Vorschriften Fürsterzb. Colloredos nochmals Aufschwung erhielten. Da die Landbevölkerung auf die Aufforderung zum Volksgesang höchst distanziert reagierte, übernahmen die „Kirchensinger“ mancherorts die gesamte musikalische Gestaltung der Liturgie. Auch wenn die Beteiligung am Volksgesang durch eine systematische Unterweisung der Schulkinder alsbald stieg und das Gesangbuch 1790 mit von J. M. Haydn überarbeiteten Melodien in neuer, tauglicherer Form publiziert wurde, blieben die „Kirchensinger“ in Gebirgsgegenden – wo es in den Kirchen häufig noch keine Orgel gab – bis zur Mitte des 19. Jh.s aktiv.
Die „Kirchensinger“ mussten schließlich den Kirchenchören weichen. Deren Repertoire umfasste neben der im Gesangbuch von 1790 enthaltenen Singmesse „Hier liegt vor deiner Majestät“ und den ebenda veröffentlichten anderen Gesängen immer auch einfach auszuführende kirchenmusikalische Kompositionen, z. B. von M. Haydn, seinem Schüler Max Keller und F. X. Gruber, später von Michael Haller, I. Mitterer, F. Schöpf und A. Faist, sowie die im Innergebirg (Pinzgau) beliebten „Werktagsmessen“, die Karl Sindinger – wahrscheinlich während des Zweiten Weltkriegs oder kurz danach – im Eigenverlag in Altenmarkt/Sb veröffentlichte. Zu einer aufwändigeren Kirchenmusik kam es nur zu besonderen Anlässen, selbst in den Märkten und Städten, deren Musikleben sich so wie auch im weltlichen Bereich nicht prinzipiell vom dörflichen Usus abhob. Denn die Sonderrechte, die Beamten schon gegen Ende des 18. Jh.s in den Tanzordnungen eingeräumt wurden, führten keineswegs zur Konstituierung eines eigenständigen musikalischen Repertoires. Allerdings beschäftigten die historischen Städte Hallein und Radstadt Türmer (Thurner) und Stadtmusikanten, wodurch sie ihre rechtliche Sonderstellung hervorkehrten.
Da die primärfunktionale Brauchtradition im 19. Jh. weitgehend abbricht und Bräuche heute (2005) in verschiedentlicher Überformung entgegentreten, lässt sich die ursprüngliche Brauchausübung nicht rekonstruieren. Gleiches gilt für den Sing- und Musizierstil, und eingeschränkt auch für das Repertoire. Gerade zu dem Zeitpunkt, als die ursprüngliche Bindung an die unmittelbare Lebenswelt verloren ging, setzen mit Süß’ Liederbuch erste Bestrebungen zu einer Wiedereinsetzung ein, freilich ohne sich außerhalb der bürgerlichen Liedertafeln (der 1847 gegründeten S.er Liedertafel hatte Süß seine Volks-Lieder gewidmet; Männergesang) zu verwirklichen. Statt sich dieses Liedguts zu bedienen, griffen um die Wende ins 20. Jh. rührselige Heimatlieder und zünftige Wirtshauslieder Platz. Eine gegenläufige Tendenz der Rückbesinnung auf Traditionen wurde nicht von Seiten der Forschung, sondern von einer Welle von Vereinsgründungen eingeleitet, mit der ein weiteres Mal urbane Vorstellungen auf das Land getragen wurden. Ideale und Ziele der in der Stadt S. (Salzburg/Stadt) gegründeten Vereine Geselligkeitsclub Edelweiß (1881) und Touristen-Geselligkeits-Club Alpinia (1891) wurden von der ländlichen Bevölkerung aufgegriffen. Zum ersten Mal trat Brauchtumspflege in den Vordergrund. Als die Alpinia 1904 mit der Veranstaltung von „alpinen Abenden“ im S.er Kurhaus begann, setzte dies ein Signal. Heimatabende für Touristen wurden schon bald vielerorts angeboten und ergänzten das an rekonstruiertes Brauchleben gebundene Programm der wie Pilze aus dem Boden schießenden „Gebirgstrachtenerhaltungsvereine“. Das musikalische Repertoire dazu wurde ebenso wie die Tracht selbständig festgelegt. Dagegen wandten sich Volkskundler, die schließlich 1910 unter Führung des Lehrers Karl Adrian (1861–1949) die Bildung eines Ausschusses durch den S.er Landtag erreichten, der dem Gedankengut des „Heimatschutzes“ folgend eine Rückbesinnung auf herkömmliche Formen vorantrieb. Diesem Wirken schloss sich der bereits 1908 im Rahmen des Österreichischen Volksliedunternehmens (Volksliedsammlung) gebildete Arbeitsausschuss für das Volkslied in Salzburg unter der Leitung von C. Rotter und O. Eberhard an. Da sich infolge des Ersten Weltkriegs finanzielle Schwierigkeiten ergaben, wurde aus zahlreichem Sammelgut von beiden nur ein schmales Liederheft Pinzgauer Bauernlieder publiziert. Miszellenhaft in der Zeitschrift Das deutsche Volkslied veröffentlichte Lieder, auf private Initiative Eberhards hin entstandene Lieder- und Instrumentalhefte sowie Liederbücher von Rotter, Martin Hölzl (1871–1956) und O. Dengg belegen jedoch die emsige Aktivität für eine Erneuerung des Repertoires aus historischem Geist im 2. und 3. Jahrzehnt des 20. Jh.s. Dieses Angebot machte sich v. a. dort breit, wo die Volksliedpflege Einfluss besaß, in Sonderheit also im überschaubaren Vereinswesen. Im Übrigen orientierte sich die ländliche Bevölkerung bei sommerlichen „Almblitzen“, geselligen Anlässen und Tanzvergnügen v. a. am Zeitgeschmack, wobei ein Gemisch von Althergebrachtem und „Modernem“ entstand. Aus Feldforschungen weiß man um die Bedeutung von Grammophonen für das ländliche Musikleben vor dem Zweiten Weltkrieg. Junge Leute versammelten sich in der Freizeit in Wohnstuben, in denen sich ein Grammophon befand, um dort nach den neuesten Schellackplatten zu tanzen. Besonders beliebt waren Aufnahmen der von dem aus Böhmen eingewanderten Adolf Pokorny gegründeten Pongauer Bauernkapelle, doch noch etliche weitere S.er Ensembles, wie z. B. die Pongauer Schrammeln oder die Original Maxglaner, brachten Schellacks auf den Markt.
Impulse erreichten S. in den 1930er Jahren aus Bayern, wo Kiem Pauli in Anlehnung an Ideen von J. Pommer eine Singbewegung initiierte, die aber im Gegensatz zu der von Pommer favorisierten chorischen Ausführung auf das Singen in Kleingruppen setzte. Sobald Kiem das 1930 von K. Kronfuß gemeinsam mit Alexander und Felix Pöschl publizierte Heft mit Liedgut aus dem niederösterreichischen Schneeberg-Gebiet kennengelernt hatte, propagierte er das Volksliedsingen im engen dreistimmigen Satz, wozu er sich des Rundfunks und eigens veranstalteter Volksliederwettsingen (Wettbewerbe) bediente. Diese Innovationen strahlten nach S. aus. Bis heute dominieren Drei- und Viergesänge. Georg Windhofer (1887–1964), Funktionär der Trachtenbewegung, Geiger und langjähriger Weggefährte von Tobi Reiser, führte 1932 für den Trachtenverein Stamm in St. Johann das erste Volksliederwettsingen im Land Salzburg durch, das Heinrich Walchhofer aus Altenmarkt mit einem Almschrei (Almruf), dem „Küahsuacher“, gewann. Nachfolge fand das Sänger- und Musikantentreffen im ab 1950 durchgeführten Bischofshofener Ostersingen, dem 1962 ebenda das Amselsingen folgte, das bis 1970 als Wettbewerb stattfand und nunmehr als Einladungskonzert veranstaltet wird.
Auch das Adventsingen und das Passionssingen sind von Kiem Pauli und seinem Kreis in Bayern erprobt und für S. adaptiert worden. Insbesondere das 1946 erstmals von Reiser veranstaltete S.er Adventsingen hat im gesamten Bundesland Nachfolge gefunden. Im Zusammenhang damit wurde zudem das sog. Weisenblasen in Blechbläserensembles populär, für das bereits vor dem Ersten Weltkrieg O. Eberhard erste Spielhefte vorgelegt hatte. Mit der Wiederverwendung von Geige und Hackbrett – das der Salzburger Instrumentenbauer Heinrich Bandzauner (1891–1964) zu einem chromatischen Instrument weiterentwickelte – sorgte Reiser für Innovationen in der instrumentalen Volksmusik, die sich über die Grenzen S.s hinaus auswirkten. Sein Anliegen, Volksmusik in konzertanter Qualität auf der Bühne zu präsentieren, brachte einerseits eine Steigerung des Niveaus, zog jedoch andererseits eine Trennlinie zwischen künstlerischem Anspruch und geselligem Musizieren nach sich. Auch macht es einen Unterschied, für welches Publikum aufgespielt wird. Tanzmusik-Partien, die sich oft aus den Reihen der Blasmusikkapellen bildeten, nahmen selbstredend in ihrem Spielgut auf einen breiten Geschmack Rücksicht und auch aktuelle Schlager in ihr Repertoire auf. Daraus resultierte z. B. in den 1960er Jahren die Übernahme des sog. Oberkrainer-Stils, die sich musikalisch-stilistisch, aber auch in der Kleidung der Musikanten äußerte. Hier wird die Grenze zur Volkstümlichen Musik fließend.
Dass sich im 20. Jh. eine Kontinuität des Musiklebens über die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg hinweg zieht, verdeckt die Nähe vieler der Protagonisten zur nationalsozialistischen Ideologie. Reiser, Eberhard und C. Bresgen entfalteten ihre fraglos wegweisenden Tätigkeiten für die Volksmusik in politischer Willfährigkeit und abgestimmt auf das nationalsozialistische Bildungsprogramm. Davon abgesehen bringen die gemeinsam von Bresgen, Eberhard, Reiser und Franz Biebl 1939–42 herausgebrachten Salzburger Musikblätter sowie Bresgens 1947 in völlig überarbeiteter Neuauflage erschienenes Liederbuch Fein sein, beinander bleiben wertvolle Kompendia der damals in S. gebräuchlichen Volkslieder, zumal das Archiv des Arbeitsausschusses für das Volkslied in S. 1945 zerstört wurde. Die kritische Annäherung an die Volksmusik-Programmatik der NS-Zeit gelang erst allmählich, seit in den 1970er Jahren neue Strukturen geschaffen wurden. Mit der Gründung des S.er Volksliedwerkes 1974 wurden pflegerische Tätigkeit, Dokumentation und wissenschaftliche Forschung auf neue Grundlagen gestellt. Musikantenwochen und Feldforschungen konnten durchgeführt, Symposien abgehalten und Publikationen vorgelegt werden. Die Reihe Volkslied und Volksmusik im Lande S. bietet ausgewähltes Lied- und Spielgut anerkannter Sing- und Instrumentalgruppen und ist als eine Art „Musterkoffer“ gedacht. Wie das Volksliedwerk gehören auch der S.er Blasmusikverband, die S.er Landesarbeitsgemeinschaft für Volkstanz und der Chorverband S. dem „Referat Volkskultur“ der Salzburger Landesregierung als „Geschäftsstelle der volkskulturellen Verbände“ an. Damit kann das Angebot an Kursen und sonstigen Möglichkeiten der Aus- und Fortbildung zentral gesteuert und koordiniert werden. Der Musikschulunterricht auf dem Land (Musikschulwesen), 1947 durch die Errichtung von Zweigstellen unter Schirmherrschaft des Mozarteums begonnen, wurde 1950 als Verein S.er Volksmusikschulen neu organisiert, der seit 1972 den Namen S.er Musikschulwerk, seit 2004 Musikum S. trägt.
Das Musikleben im Land S. ist offen für zukunftsweisende Initiativen. In Mittersill wird seit 1996 jährlich ein „Komponistenforum“ veranstaltet, das v. a. als Medium des Nachwuchses fungiert. Chöre und Laienorchester führen des öfteren ehrgeizige Projekte durch. Während der Chorgesang an Pflichtschulen stark rückläufig ist, entstehen andererseits immer wieder neue Ensembles, die sich meist der Volksmusik oder der Rock- und Popkultur zuordnen lassen. Mit einer charakteristischen Mischung aus Stilelementen beider Bereiche konnte sich zuletzt die Lungauer Band Querschläger in größerem Rahmen etablieren und zu einem Identitätsfaktor ihrer Heimat entwickeln.
Lit (alphabet.): F. Biebl et al., S.er Musikbll. 1939–42; C. Bresgen, Fein sein, beinander bleiben, erw. und überarb. 1947; B. Hacker, Lustige Gesänge aus den norischen Alpen 1816; L. Hübner, Beschreibung des Erzstiftes und Reichsfürstentums S. in Hinsicht auf Topographie und Statistik, 3 Bde. 1796 (ND 1983); P. Kiem/K. Huber, Oberbayrische Volkslieder 1930; C. Rotter/O. Eberhard, S.ische Volkslieder: Pinzgauer Bauernlieder 1933; V. M. Süß, S.ische Volks-Lieder mit ihren Singweisen 1865 (ND u. a. 1995); Referat S.er Volkskultur (bis 1993: S.er Heimatpflege)/S.er Volksliedwerk (Hg.), Volkslied und Volksmusik im Lande S. 973ff. (bisher 47 H.e erschienen); F. Žiška/J. M. Schottky, Österr. Volkslieder mit ihren Singweisen 1819.
TH