Der Sohn des Organisten Nikolaus Andreas M. (1659–1729) übersiedelte noch vor 1698 nach Jarmeritz, wo sein Vater bei J. A. Questenberg eine Stelle antrat. Als Page des Grafen wurde F. W. M. in Wien auch musikalisch ausgebildet und war ab 1722 bis zu seinem Tod Kammerdiener und Kapellmeister für die seit 1706 bestehende Kapelle Questenbergs (auch F. W.s ältere Brüder Johann, Jakob und Franz Karl Anton waren in der Adelskapelle angestellt). Unter seiner Leitung wurde in Jarmeritz eine intensive Opernpflege mit Werken v. a. des Wiener Repertoires (A. Caldara, N. Porpora, J. A. Hasse, F. B. Conti) betrieben (Kaiserstil). F. W. M. selbst komponierte im neapolitanischen Stil unter Einfügung lokaler Elemente; in seiner Oper L’origine de Jaromeriz in Moravia wurde in den Intermezzi erstmals Tschechisch als Bühnensprache verwendet.
W: L’origine de Jaromeriz in Moravia, Der glorreiche Nahmen Adami; Intermezzi und Einlagearien zu anderen Opern, Ballette, Kantaten; 4 Sepolcri.
Sein Neffe Johann Adam Franz (Jan Adam František): * 11.1.1746 Jaroměřice/CZ, † 11.3.1811 Wien [NGroveD:19.3.1811 Lemberg (L’viv/UA)]. Komponist. Wuchs in Wien, wo sein Vater Franz Karl Anton (1699–1784) kaiserlicher Türhüter war, auf und studierte neben seiner musikalischen Ausbildung Jus. Obwohl Joseph II. ihm aufgrund seiner hohen Begabung (u. a. auch von W. A. Mozart bestätigt) ein Stipendium für seine Musikausbildung zusicherte, bevorzugte J. A. F. M. den Staatsdienst und trat 1767 in die Böhmische Hofkanzlei ein (ab 1785 in der Steiermark, ab 1796 in Galizien eingesetzt). Während seiner Beamtentätigkeit entstanden zahlreiche Werke, die stilistisch der Wiener Klassik zuzuordnen sind.
P: Ritterkreuz des Leopold-Ordens 1808; Erhebung in den Ritterstand 1810.
W: komische Opern (Bernardon, Adrast und Isidore); Symphonien, Kammermusik, Arien.
Lit: J. Dvořaková in StMw 44 (1995); MGG 9 (1961); V. Helfert, Hudební barok na českých zámcích [Musikalisches Barock in böhmischen Schlössern] 1916; Wurzbach 18 (1868).
ETH