Zeisl, Erich(Eric)
* 18.5.1905 Wien, † 18.2.1959 Los Angeles, CA/USA. Komponist, Pianist.

Kompositionsunterricht bei R. Stöhr, J. Marx und H. Kauder. Z.s Domäne im Wien der Zwischenkriegszeit war die Liedkomposition, im Kreis der moderaten Wiener Moderne konnte er sich erfolgreich etablieren. In den 1930er Jahren war er Mitglied der interdisziplinären Gruppe Junge Kunst um den Dichter und Psychoanalytiker Alfred Farau (geb. Fred Hernfeld) und den Komponisten J. Chajes, künstlerische Zusammenarbeit verband ihn mit dem Librettisten Hugo Friedrich Königsgarten und den Dirigenten K. H. Adler und C. Alwin. Nach der Reichspogromnacht im November 1938 flüchtete Z. nach Paris, wo er auf Darius Milhaud traf und über die Pariser Emigrantenzirkel mit P. Stefan, M. Rubin, A. Mahler-Werfel, Franz Werfel und H. Kafka verbunden war. War seine Stilistik vor 1938 von Wiener Musiktradition geprägt, so schuf er nun im Exil in „innerer Rückkehr“ und in Besinnung auf seine jüdische Identität v. a. Werke „jüdischen Idioms“, markant ausgeprägt etwa im Requiem Ebraico (1944/45). Im September 1939 exilierte Z. nach New York/USA. Dem Ruf Hollywoods folgend übersiedelte er schließlich mit Unterstützung der Freunde H. Eisler und H. Kafka 1941 an die amerikanische Westküste. In Los Angeles war Z. für MGM (Metro-Goldwyn-Mayer) und Universal International als Komponist und Arrangeur tätig, bevor er ab 1946 an der Southern California School of Music and Arts und ab 1949 am Los Angeles City College lehrte. Von seinen Brüdern waren Egon Z. (1901–63) als Opernsänger und William Z. (1907–74) als Kantor tätig.

W: Opern (Die Sünde 1927/28, Leonce u. Lena 1937, Hiob 1939, unvollendet), Ballette (Pierrot in der Flasche 1929, Uranium 235, 1945/46, The Vineyard 1953, Jacob and Rachel 1954), Orchesterwerke (Passacaglia f. großes Orch. 1933/34, Kleine Symphonie 1935/36, Piano Concerto in C Major 1951/52, Concerto Grosso for Cello and Orchestra 1955/56), Chorwerke (Afrika singt 1930/31, Kleine Messe 1932, Requiem Concertante 1933/34, Spruchkantate 1935, Der 29. Psalm – „Herrlichkeit Gottes im Gewitter“ 1935/36, The 92 nd Psalm – Requiem Ebraico 1944/45, A-cappella-Chöre), Kammermusik (Suite f. Kl., V. u. Vc. op. 8, ca. 1920–24, Erstes Streichquartett ca. 1930–33, Sonata for Violin and Piano – Brandeis Sonata 1949/50, Sonata for Viola and Piano 1950, Sonata for Cello and Piano 1951, Second String Quartet 1953, Triosuite for Flute, Viola and Harp – „Arrowhead“ Trio 1956), Instrumentalwerke (Kl., Org.), Lieder (bis 1938 ca. 100 Kunstlieder), Filmmusiken.

Schr: Musikerziehung in Amerika in Zs. zur Erneuerung der Musikpflege 3/2 (1949), 99.

Lit: NGroveD 27 (2001); Baker 1978; KdG 7. Nachlfg. (Februar 1995); JAMS 30 (1977), 72; ÖMZ 30 (1975), 595; ÖMZ 60/8 (2005), 24; Zwischenwelt 20/4 (2004), 47; Musical Quarterly 64 (1978), 237; Opera Quarterly 2 (1992), 52; Current Musicology 18 (1974), 71; M. S. Cole/B. Barclay, Armseelchen. The Life and Music of Eric Z. 1984; Österr. Musiker im Exil 1990; Orpheus im Exil 1995; K. Wagner, Fremd bin ich ausgezogen. Eric Z. – Biografie 2005; Biogr. Hb. der dtspr. Emigration 1983; www.schoenberglaw.com/zeisl (7/2006). – Nachlass: Eric Z. Archive, University of California Los Angeles (UCLA), Special Collections.

KW