Wiener Staatsopernballett
Seit 2005 offiziell als Das Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper auftretendes Ballettensemble.

Bei Gastspielen wird im Falle der Staatsoper auch der Vereins- bzw. Organisationsname Vereinigung Wr. St. verwendet. Die Geschichte des Wiener (Hof-)Opernballetts reicht in die Mitte des 18. Jh.s zurück (Ballett, Wiener Hofoper). Die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs umbenannte und umstrukturierte ehemalige Hofoper brachte eine Verringerung der Anzahl an Tänzern und auch der Ballettaufführungen mit sich – vorwiegend wurden die im Opernbetrieb anfallenden Balletteinlagen angesetzt. Das Ensemble selbst blieb damit zwar weiterhin ein Bestandteil der Institution Oper, eigenverantwortliches Agieren war aber noch nicht möglich. Abhängig war man von den Interessen des jeweiligen Operndirektors, die Suche nach einem neuen künstlerischen Weg wurde dadurch wie auch von der aus politischen Gründen erzwungenen Beendigung der Kontakte z. B. zum russischen Ballett erschwert. Kurzzeitig brachte nach dem Ersten Weltkrieg der auswärtige Choreograph und bekannte moderne Tänzer Ernst Matray (1881–1978) erfolgreiche Unterstützung. 1920–22 war Carl Raimund sen. (1871–1951) Ballettmeister. Stärkere Beachtung fand das Ballett hinsichtlich seiner Präsentation dann u. a. von R. Strauss, der selbst erfolgreiche Tanzwerke schrieb: Choreograph H. Kröller, bis 1928 als Ballettmeister (1924–28 gemeinsam mit L. Dubois) im Haus, gestaltete u. a. meisterhaft dessen Josephs Legende und Schlagobers. Ihm folgten als Ballettmeister hintereinander drei Choreographen unterschiedlicher Stilrichtungen: Georges Kjakscht (1873–1936) aus der Schule von St. Petersburg/RUS, die international anerkannte Bronislawa Nijinska (1891–1972) und der moderne Tänzer Sascha Leontjew (1897–1942). Zahlreiche ausländische Solisten, Truppen und Choreographen bereicherten seitdem das Ensemble. Als Choreographen und Ballettmeister bewährten sich die auch als Solotänzer und Lehrer tätig gewesenen T. Birkmeyer (1931–34) und W. Fränzl (1935–62). In dieser Zeit feierte auch G. Wiesenthal Erfolge, rasch wechselnde Haus-Choreographen bei auf ca. 50 Mitglieder verringertem Ensemble weniger. 1934–39 sorgte M. Wallmann mit dem Titel Ballettregisseurin immerhin für Kontinuität. 1940–42 leitete die vorwiegend in Hamburg/D tätige Choreographin Helga Swedlund (1904–nach 1995) das Ballett. Zwischen 1942/58 suchte den Anschluss an die internationale Szene E. Hanka, deren Ziel und Stil es war, dem bis dahin fast alles beherrschenden klassischen Ballett modernen Ausdruckstanz gegenüberzustellen. Sie bereitete auch den Weg dafür, klassisches Ballett wieder in Originalfassungen einstudieren zu lassen. Auf Hanka folgte D. Parlić als Ballettmeister, 1962–66 und 1971–74 der dem Mythos-Ballett eher als dem realen Handlungsballett huldigende A. v. Miloss, der bedeutende Gast-Choreographen verpflichten konnte. Den ersten international gewürdigten Höhepunkt erlebte das Wr. St. in dieser Ära durch die Verpflichtung R. Nurejews, der zwischen 1964/88 als Tänzer und Choreograph wichtige Weichen für die Zukunft stellte. 1966–71 wirkte W. Orlikowsky mit üppig ausgestatteten Inszenierungen an der Spitze des Wr. St.s, aus dem Haus folgte 1974–78 der ehemalige Solotänzer R. Nowotny als Ballettmeister, 1981 wurde mit G. Dill die erste Frau aus der Wiener Ballettschule Ballettmeisterin. 1976 wurde (bis 1991) ein nicht aus der Praxis Stammender zum Direktor des Wr. St.s berufen: G. Brunner, der davor als Tanz- und Musikkritiker gewirkt hatte, beauftragte zahlreiche in der modernen Szene bekannte Choreographen mit der Schaffung neuer Werke. G. Dill unterstützten bei den in der Folge rasch anwachsenden Aufgaben für das Ensemble (1986: 85 Mitglieder) der Kubaner Carlos Gacio (* 1937), der Pressburger Milan Hatala (* 1943) und der Budapester Zoltan Nagy (* 1941). Nach E. Tschernischova (1991–93) und A. Woolliams (1993–95) war ab 1995/96 der ehemalige Tänzer R. Zanella Direktor und trat ebenfalls mit zahlreichen Choreographien in Erscheinung. Seit 1.9.2005 ist (2006) Gyula Harangozó (1981–91 Solotänzer an der Wiener Staatsoper) Direktor des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper sowie Künstlerischer Leiter der hauseigenen Ballettschule, deren Wurzeln auf die 1771 von J. G. Noverre gegründete Theatral-Tanzschule zurückgeht und die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Regel von den jeweiligen Ballettmeistern geleitet wurde.

Eine Tradition des Wr. St.s sind Gastspiele bei internationalen Festspielen, aber auch für dieses Ensemble geschaffene Veranstaltungen.

Lit: R. Raab in A. Seebohm (Hg.), Die Wr. Oper 1986; W. Sinkovicz, Das Haus am Ring 1996; Raab 1994; [Kat.] 100 Jahre Wr. Oper 1969; www.dasballett.at (7/2006); www.opera-balletschool.com (7/2006); eigene Recherchen.

UH