Sohn des Klarinettisten Kaspar Schram(m)el (* 6.1.1811 Hörmanns bei Litschau/NÖ, † 20.12.1895 Langenzersdorf/NÖ) und der Volkssängerin Aloisia, geb. Ernst (1829–81; verh. 1853). 1858 erster Violinunterricht, 1862–66 Studium am Wiener Konservatorium der GdM, 1866–75 Militärdienst, 1872 Heirat mit Rosalia Wechselberger. Eigene Volksmusik-Gruppen ab 1878, 1888 Herausgabe von drei Heften Alte Oesterreichische Volksmelodien als Widmung an Franz Joseph I. anlässlich dessen 40-jährigen Regierungsjubiläums. Sein Halbbruder Konrad (1833–1905) war ab 1869 als Drehorgelspieler tätig.
G: „Hans-Schrammel-Feier“ beim Stalehner in Hernals 1895; Sch.gasse 1923 (Wien XVII); Gedenktafel am Sterbehaus Kalvarienberggasse 36 (Wien XVII) 1931; lebensgroße Figur am Alszauberbrunnen auf dem Elterleinplatz in Hernals 1932; Heldenfigur des Bühnenspiels Joh. Sch. und sein lachendes Wien 1935 (T: Mauriz Hans Heger u. Lothar Ring).
W: Märsche (Dornbacher Hetz, Kronprinz Rudolf-Marsch, Kunst und Natur, Wien bleibt Wien, Wr. Künstler), Walzer (Im Wr. Dialekt, Nußdorfer-Walzer, Weana Gmüath, Wie der Schnabel g’wachsen ist), Tänze und Liedfolgen (Wr. Heurigen-Tänze 1. und 2. Parthie, D-Lieder, B-Lieder), Ballmusik (Busserl-Polka, Frühlingsgruß an Pauline, Im Kaffeehaus, Kreuzerl-Polka, Wr. Fiaker-Galopp); div. Instrumentalkompositionen (Morgengruß, Eljen à Stefany), Lieder (Die Dankbarkeit, Der Schwalbe Gruß, Der Frieden auf der Welt, Was Oesterreich is’); (Hg.), Alte Oesterr. Volksmelodien, 3 H.e 1888.
Josef: * 3.3.1852 Ottakring (Wien XVI), † 24.11.1895 Wien-Hernals. Geiger, Komponist. 1865/66 Studium am Wiener Konservatorium, 1869 Orientreise mit Onkel Bernhard Schütz, 1874 Heirat mit Barbara Prohaska. 1875 Gründung einer eigenen Gesellschaft, erster Geiger im Terzett und Quartett der Brüder Sch., 1893 Leitung des Quartetts nach Tod von Joh. Sch.
W: Märsche (Purkersdorfer Marsch, Sultan-Marsch), Walzer (Die Nußdorfer, Dornbacher Vergnügungs-Walzer), Tänze (Wr. Tänze), Ballmusik (Pester Polka, Bei guter Laune, Quadrille de Terpsichore, Antoinetten-Polka), Lieder (Der Weaner is allweil leger, Vindobona die Perle von Österreich!, Die Rose von Orth, Mit Herz und Sinn für unser Wien).
1861 traten die Brüder anlässlich der Feier des 50. Geburtstages von Kaspar Sch. erstmals öffentlich auf. 1878 erfolgte die Gründung des Terzetts Gebrüder Sch. und Strohmayer (A. Strohmayer) (nach Auftrittsort D’ Nußdorfer), 1884 die Gründung des Quartetts Gebrüder Sch., Dänzer [G. Dänzer] und Strohmayer mit 2 Violinen, G-Klarinette („picksüaßes Hölzl“, Klarinette), Kontragitarre (Gitarre). 1886 spielten sie zur Feier des 25-jährigen Musikerjubiläums in Johann Weigls Dreherpark, ab 1887 gab es ständige Auftritte in der „Güldenen Waldschnepfe“ in Dornbach (Wien XVII), 1888/89 ausgedehnte Auslandsreisen. 1891 wurde die Knopfharmonika (Anton Ernst; Harmonikainstrumente) durch die Klarinette im Quartett ersetzt. Höhepunkte: 1886 Auftritt bei Feier des 100. Konzertes des Dirigenten H. Richter mit den Wiener Philharmonikern , 1887 Auftritte bei Kronprinz Rudolf in Orth a. d. Donau/NÖ und in Mayerling/NÖ, 1892 Auftritte bei der Internationalen Ausstellung für Musik und Theaterwesen (hier hörte sie auch Otto Fürst von Bismarck).
Das Ensemble und die Werke der Brüder Sch. gelten als Höhepunkt der volkstümlichen Wiener Musik des 19. Jh.s. Durch besondere Begabung, instrumentale Virtuosität und geschickte Vermarktung erwarben sie sich eine dominante Position im Wiener Musikleben gegenüber ihren wahrscheinlich ebenbürtigen Konkurrenten (D’ Grinzinger, Gebrüder Butschetty u. a.). Ihre Musik wurde später (v. a. nach dem Ersten Weltkrieg) zum Synonym für den ganzen Musikstil („Schrammelmusik“) und für jede Art von instrumentaler wienerischer Volksmusikbesetzung („Schrammeln“). Sie wurden zu den Lieblingen aller Schichten der Wiener, ihre Kontakte zu Großbürgertum, Künstlerszene, Adel und Kaiserhof machten die Wiener Volksmusik erstmals salonfähig. Durch Einzelausgaben ihrer Werke in renommierten Verlagen und durch Auslandsreisen errangen sie über die Grenzen hinaus große Popularität.
G: UA des Films Schrammeln 1944; Gründung der Gebrüder Sch. Ges. 1968; Sch.-Fest auf dem Wr. Rathausplatz 1993.
W: Ausg.: A. Böck/W. Deutsch, Das Werk der Brüder Sch., 1: Die Märsche, 1. Lieferung 1993; L. Böck, Wr. Folkloristische Kammermusik des 19. Jh.s [o. J.]
Lit: ÖBL 11 (1999); W. Deutsch in MiÖ 1989; K. Dieman, Sch.-Musik 1981; M. Egger, Die Sch.n in ihrer Zeit 1989; H. Kretschmer, [Kat.] Vier Musiker aus der Vorstadt. Das Sch.-Quartett. Bezirksmuseum Hernals und WStLA 1993; H. Mailler, Sch.-Quartett 1943 u. 1945; R. A. Moissl, Die Sch.-Dynastie 1943; M. Peche/H. Wetscherek (Hg.), Jos. Sch., Gründer des Sch.-Quartetts. Kommentiertes Nachlassverzeichnis 2000; E. Pötzl in Jung-Wien. Allerhand wienerische Skizzen hochdeutsch und in der Muttersprach’ 1885; F. Schlögl in Wr. Blut. Kleine Culturbilder aus dem Volksleben der alten Kaiserstadt an der Donau 1875.
EWe