Schollum, Familie
Robert: * 22.8.1913 Wien, † 30.9.1987 Wien. Komponist, Dirigent, Pädagoge, Musikkritiker und schriftsteller.

Musikalische Ausbildung in Wien am Neuen Wiener Konservatorium und an der MAkad. 1933–39 als Lehrer, Konzertorganist und Pianist v. a. im Rahmen der Volksbildung tätig. Schwer verwundet aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt, in dem er auch als Pianist, Dirigent und Chorleiter für die Hitlerjugend sowie Kreisbeauftragter der Reichsmusikkammer für die Fachschaft Musikerziehung eingesetzt war, wirkte er 1945–59 in Linz u. a. als Klavierlehrer und begleiter, als Organist (Alter Dom, Stadtpfarrkirche), Chorleiter (Ignatius-Chor, Sängerbund „Frohsinn“), Dirigent (Linzer Kammerorchester sowie bei Jugendkonzerten), als Musikschriftsteller und Gestalter von Rundfunksendungen, war Gründer der Linzer Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM), Gründer (1955) und Vorstand der Musikalischen Jugend Oberösterreich sowie Leiter der städtischen Musikdirektion (1951–53). Ab 1955 dirigierte R. Sch. die Wiener Rathausserenaden, 1956 wurde er Landeschormeister (1963 Bundeschorleiter) des Österreichischen Arbeitersängerbundes (Sängerbund, Arbeiter-Musikbewegung). 1959/60 war er Vertragslehrer, 1960–83 Prof. (seit 1972 o.Hsch.Prof.) für Lied und Oratorium an der Wiener MAkad./MHsch., unterrichtete dort auch an der Abteilung Musikpädagogik (Stilkunde, Vokalbegleitung). Er gestaltete auch in Wien Rundfunksendungen, war Mitglied in diversen Ausschüssen und Initiator von Konzertreihen. 1965–69 und 1983/84 Präsident des Österreichischen Komponistenbundes (ÖKB), seit 1980 der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft zur Vokalmusikforschung. Als Komponist widmete er sich – zunächst von Vorbildern wie Claude Debussy und volkstümlichen Einflüssen, später vom Neoklassizismus kommend – in den 1950er Jahren verstärkt der A. Schönbergschen Zwölftontechnik, Aleatorik und Klangflächenkomposition einbeziehend, doch ohne „seine musizierfreudige Haltung zugunsten intellektualistischer Konstruktivität aufzugeben“ (F. Wildgans).

G: Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof.

P: Wettbewerbspreise; Arnold-Schönberg-Medaille der IGNM 1953; Ehrengabe des Bundesministeriums f. Unterricht 1957; Prof.-Titel 1958; Ehrenpreis des Bundesministeriums f. Unterricht 1960; Förderungspreis der Theodor-Körner-Stiftung 1960 u. 1965; Österr. Staatspreis 1961; Großer Preis der Stadt Wien 1971; Ehrenmitglied des ÖKB 1973; Österr. Ehrenkreuz f. Wissenschaft u. Kultur sowie Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold 1978; Zoltán-Kodály-Erinnerungsmedaille 1982; Würdigungspreis des Bundesministeriums f. Unterricht u. Kunst 1983; Arbeits- u. Verdienstorden in Gold der Volksrepublik Ungarn 1984; Große Medaille f. Verdienste um die tschechische Musik 1985; Franz Liszt Plakette der Volksrepublik Ungarn.

W: Markus-Passion 1983; Kammeropern (Mirandolina 1945/46; Nacht der Verwandlung 1952); Symphonien u. a. Orchesterwerke; Kammermusik; Orgel- und Klavierwerke; Vokalmusik. – Nachlass: Musikslg. der ÖNB.

Schr: Musik in der Volksbildung 1959; Egon Wellesz 1967; Das kleine Wr. Jazzbuch 1969; Die Wiener Schule 1969; Das österr. Lied des 20.Jh.s 1977; zahlreiche Aufsätze.

Lit: MGG 12 (1965); G. Brosche (Hg.), [Kat.] Musikalische Dokumentation R. Sch. 1993; MaÖ 1997 [mit Schr.- u. Lit.-Verzeichnis]; Czeike 5 (1997); DBEM 2003; NGroveD 22 (2001); C. M. Gruber, Opernuraufführungen 3 (1978); Personenlex. Öst. 2001; MGÖ 3 (1995).

Seine (Adoptiv-)Söhne

Walter: * 13.9.1940 Wien. Musikwissenschaftler. Nach einer Ausbildung zum Modellbauer Studium der Musikpädagogik an der Wiener MHsch. (Mag. art.). Wissenschaftliche Mitarbeit in Lehre und Forschung am Institut für Musikanalytik der Wiener MAkad./MHsch., 1969–72 Lehrbeauftragter, 1970–73 künstlerische Hilfskraft, 1974–80 Hsch.-Assistent, 1981–2000 Ass.-Prof. 1993 wurde W. Sch. zum Vorsitzenden der Bundeskonferenz des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals der Universitäten und Kunsthochschulen (BUKO) gewählt, in deren Präsidium er zuvor schon die Interessen aller österreichischen Kunsthochschulen vertreten hatte, und war 1995–2000 Vorsitzender des Hochschul-, heute Universitätslehrerverbandes.

Lit: Who is who in Öst. 1997; eigene Recherchen.

Benno:* 8.2.1953 Klagenfurt. Sänger (Bariton). Musikalische Ausbildung an der Wiener MHsch. bei J. Greindl, R. Ortner und seinem Vater, Meisterkurse u. a. bei S. Jurinac. Neben seiner internationalen Sängerkarriere mit Opern-, Operetten-, Musical-, Konzertauftritten sowie Liederabenden ist er seit 1982 Lehrer für Sprecherziehung an der Wiener MHsch./MUniv., seit 2004 stellvertretender Leiter des Instituts für Gesang und Musiktheater. Veranstaltet Liedkurse an der Royal Academy und dem Royal College in London sowie an zahlreichen Univ.en in den USA; zwischen 1978/2005 mehrfach Meisterkurse im Franz-Schubert-Institut in Baden bei Wien.

Schr: Sprecherziehung in der Praxis der Gesangsausbildung 1993; gem. m. William Odom, German for Singers 1997.

Lit: K-R 1997; www.art-mgmt.com/de/index.htm (7/2005); eigene Recherchen.

UH