Sohn des späteren Burgtheaterdirektors Josef G. (1890–1968); Neffe von E. Steuermann. 1940 Emigration der Familie nach Buenos Aires; 1942–49 Klavier- und Theoriestudium bei Erwin Leuchter; Philosophiestudium; 1947–50 Korrepetitor am Teatro Colón Buenos Aires; als Komponist und Interpret für die agrupación nueva musica tätig; führte 1949 sämtliche Klavierwerke A. Schönbergs auf; 1950–53 Analysestudien bei J. Polnauer in Wien; 1951–60 Korrepetitor und Kapellmeister an der Wiener Staatsoper; 1960–65 Chefdirigent der Königlichen Oper Stockholm, anschließend in Köln; 1969 Chefdirigent der belgischen Nationaloper, 1973 der Niederländischen Oper Amsterdam; 1977–87 Operndirektor und Generalmusikdirektor in Frankfurt am Main; 1978–82 Chief Guest Conductor des BBC-Orchestra London; 1980–86 Musikdirektor des Cincinnati Symphony Orchestra; ab 1986 Chefdirigent des Südwestfunks Baden-Baden/D (ab 1996 Freiburg im Breisgau); 1987–95 Professur für Dirigieren an der Salzburger MHsch. Mozarteum; „ständiger Gastdirigent“ des ORF-Symphonieorchesters (RSO Wien); 1995 Debüt bei den Salzburger Festspielen mit Lulu. G. lebt in Freiburg im Breisgau/D und in Wien. G.s frühere Kompositionen sind stark von der Zweiten Wiener Schule beeinflusst. Als Dirigent leitete er zahlreiche UA.en von Bernd Alois Zimmermanns (Oper Die Soldaten; Requiem für einen jungen Dichter), G. Ligeti (Requiem), Karlheinz Stockhausen (Carré), L. Nono, Luciano Berio, H. W. Henze (Dramatische Szenen aus ‚Orpheus’) u. a.
P: Hessischer Staatspreis für Kultur 1985; Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main 1986; österreichischer Orden Litteris et Artis 1992; Würdigungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Kunst 1991; Großes Bundesverdienstkreuz der BRD 1992; Preis der Stadt Wien für Musik 1996.
W: Variationen für Streichquartett 1949; Variationen für 40 Instrumente 1959; Melodram mit Zwischenspielen die glocken sind auf falscher spur für 6 Musiker und Bänder 1970; Einige Schwierigkeiten bei der Überwindung der Angst für Orchestermusiker 1975; Streichquartett Un vieux souvenir 1983–85; Jesu meine Freude (Collage über die gleichnamige Motette von J. S. Bach und Igor Strawinskys Canticum sacrum für Chor und Orchester 1988); Kammermusik.
Schr: Ein Getreuer Korrepetitor. Rede zur Verleihung des Adorno-Preises 1986 in Nicht versöhnt: Musikästhetik nach Adorno 1987; gem. m. P. Fiebig, Beethoven im Gespräch. Die neun Sinfonien 1996.
Lit: MaÖ 1997; Goertz 1979 u. 1994; NGroveD 9 (2001); MGG 16 (1976); Riemann 1972; MGÖ 3 (1995); P. Fiebig (Hg.), M. G. 1997; M. Eggerth/K.-H. Jungheinrich, Durchbrüche: 10 Jahre Musiktheater mit M. G. 1987; A. Douer/U. Seeber (Hg.), Wie weit ist Wien. Lateinamerika für österreichische Schriftsteller und Künstler 1995; G. Rohde in Neue Musikzeitung 7 (1997).
BB