ab 1919 Akademie der Wissenschaften in Wien, seit 31.10.1945 ÖAW. Die ÖAW ist durch ein Bundesgesetz (BGBl 1921/394 bzw. 1947/115) in der österreichischen Rechtsordnung verankert; „ihre Aufgabe ist es, die Wissenschaft in jeder Hinsicht zu fördern; sie hat bei Erfüllung ihrer Aufgaben den Anspruch auf Schutz und Förderung durch den Bund“. Die ÖAW ist in zwei eng verzahnte Hauptbereiche zu gliedern: die Gelehrtengesellschaft und die ÖAW als Forschungsbetrieb; die Leitung der ÖAW obliegt dem Präsidium (Präsident, Vizepräsident, 2 Sekretäre). Die ÖAW als Gelehrtengesellschaft besteht aus 2 Klassen (mathematisch-naturwissenschaftlich und philosophisch-historisch) und umfasste ursprünglich 40 (17 und 23), derzeit maximal 90 w. M. (45 pro Klasse); weiters kann sie 250 k. M. wählen (125 pro Klasse, hiervon höchstens 55 im Inland und höchstens 70 im Ausland) und 24 Ehrenmitglieder (6 der Gesamtakademie und je 9 pro Klasse). Die ÖAW als Forschungsbetrieb setzt sich aus einer je nach Forschungsdesiderat wechselnden Anzahl an Instituten, Forschungsstellen und Kommissionen zusammen, die entweder von Mitgliedern der ÖAW geleitet (v. a. Kommissionen) oder über die im Wesentlichen aus Mitgliedern der ÖAW zusammengesetzten Beiräte (Forschungsstellen) und Kuratorien (Institute) in ihren Forschungsaufgaben beeinflusst werden. Hauptsitz der ÖAW ist seit 29.10.1857 das ehemalige Hauptgebäude der Universität (heute Wien I, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2); die Forschungseinrichtungen sind jedoch auf ganz Österreich verteilt.
Musikwissenschaft ist in § 3b der Akademie-Satzungen explizit als Forschungsgegenstand der ÖAW angeführt; dieses drückt sich in der Wahl von R. G. Kiesewetter zum k. M. bereits 1849 (für das Fach „Musikwissenschaft“) aus; 1862 erfolgten die Wahlen (ebenfalls jeweils zu k. M.) des Mozart-Biographen O. Jahn (klassische Philologie) und von Charles Edmond Henri de Coussemaker (Musikwissenschaft). 1919 wurde R. Lach als erster Musikwissenschaftler im modernen Sinn zum k. M., 1946 E. Schenk zum w. M. gewählt; seit 1847 wurden insgesamt 4 Musikwissenschaftler zu w. M., 15 zu k. M. in die ÖAW gewählt (siehe Anhang).
Mit der Einsetzung der Phonogrammarchivs-Kommission 1899 (heute Phonogrammarchiv) entstand die erste musikwissenschaftlich arbeitende Forschungsabteilung der ÖAW; ihr folgte 1921–38 die Kommission zur Herausgabe der in den Kriegsgefangenenlagern aufgenommenen Gesänge. 1944 wurde die Kommission für Musikforschung (ursprünglich als Zentralstelle für Schubert-Forschung konzipiert) eingesetzt; erster Obmann war der damalige ÖAW-Sekretär, der Germanist Dietrich von Kralik-Meyerswalden (1884–1959), dem 1946 E. Schenk folgte (ab 1974 F. Grasberger, ab 1983 O. Wessely, ab 1998 F. Födermayr, ab 1999 R. Flotzinger, ab 2006 G. Gruber). Die Arbeit der Kommission für Musikforschung konzentriert sich v. a. auf die österreichische Musiküberlieferung und Musikgeschichte; in diesem Sinne ist auch die Erarbeitung des Österreichischen Musiklexikons zu verstehen. 1972 hat sich die Kommission für Schallforschung (seit 1999 Institut) von der Phonogrammarchivs-Kommission abgespaltet; eine Kommission für Kunst- und Musiksoziologie bestand nur wenige Jahre (1989–94). Auch die GA.en österreichischer Komponisten (W. A. Mozart, Fr. Schubert, J. Haydn und Chr. W. Gluck) werden von der ÖAW gefördert, die Wiener Arbeitsstelle Schubert-GA wird als Unternehmung der phil. hist. Klasse geführt. Seit 1907 sind die DTÖ durch Delegation mit der ÖAW verbunden (derzeit [2002] Th. Antonicek); das Anton Bruckner Institut Linz steht unter der Patronanz der ÖAW und ist in den Räumen der Kommission für Musikforschung untergebracht.
Mitglieder (Musikwissenschaft bzw. -geschichte): J. Marx: Ehrenmitglied 1956; Th. Antonicek w. M. 1995 (k. M. 1984); F. Grasberger w. M. 1977 (k. M. 1974); E. Schenk w. M. 1946 (k. M. 1944); O. Wessely w. M. 1982 (k. M. 1967); Guglielmo Barblan (1909–78) k. M. 1973; Charles van den Borren (1874–1966) k. M. 1947; Charles Edmont Henri de Coussemaker (1805–76) k. M. 1862; Andrea della Corte (1883–1968) k. M. 1956; Hans Heinrich Eggebrecht (1919–2000) k. M. 1984; H. Federhofer k. M. 1979; R. Flotzinger k. M. 1989; F. Födermayr k. M. 1983; Jiří Fukač k. M. 1999; W. Graf k. M. 1962; G. Gruber k. M. 1993; R. G. Kiesewetter k. M. 1849; R. Lach k. M. 1919; Ján Racek (1908–79) k. M. 1956; Franz Arnold Schmitz (1893–1980) k. M. 1957.
Lit: O. Hittmair/H. Hunger (Hg.), A. d. W. 1997; Th. Antonicek, Musik im Festsaal der ÖAW 1972; R. Meister, Geschichte der A. d. W. in Wien 1847–1947, 1947; Satzungen und Geschäftsordnung der ÖAW.
ETH