Der Wr. T.-V. verschrieb sich im Gegensatz zu diesem v. a. der Förderung der „Werke der modernen [im „traditionellen“ Stil] schaffenden Künstler“ bzw. der älteren weniger bekannten, aber auch den geistigen und materiellen Interessen von Komponisten und der Betreuung „fremder Künstler“. H. Grädeners Versuche, bald nach der Gründung zwischen den „Parteien“ zu vermitteln, schlugen fehl. Es wurden regelmäßig Konzerte (meist ein Dutzend pro Saison), „musikliterarische Vorträge“ und mehrere Kompositions-Preisausschreibungen (Wettbewerbe) veranstaltet: 1886 für Streichquartett, 1888 für gemischte Chöre a cappella, 1891 für Kammermusik, Klavier und andere Instrumente, 1893 für Vokalkompositionen von mehr als zwei Stimmen mit Klavierbegleitung, 1896 für Kammermusik mit Blasinstrumenten, 1900 für Liederzyklen, 1910 für ein Lied, ein Klavierstück und für eine Komposition für Streich- oder Blasinstrumente. Schon 1886 wurde J. Brahms, der viele seiner noch ungedruckten Werke im Wr. T.-V. aufführte bzw. aufführen ließ, zum Ehrenpräsidenten gewählt; nach seinem Tod fand alljährlich ein besonderer Musikabend ausschließlich mit seinen Werken statt. Der in den Augen der Anhänger A. Bruckners als „Hochburg der Bruckner-Gegnerschaft“ geltende Wr. T.-V. gratulierte trotzdem Bruckner 1894 zu dessen 70. Geburtstag „mit der grössten Verehrung und Hochachtung“ und mit seinem „herzlichsten collegialen Gruss“. Zu den Mitgliedern (darunter auch viele Frauen) zählten fast alle wichtigen Wiener Musiker ihrer Zeit, z. T. durchaus nicht mehr einer „Partei“ zugehörig. Nicht zu verwechseln mit dem Wiener Tonkünstlerorchester ( Wiener Symphoniker ).
Lit: M. Menczigar, Julius Epstein, Diss. Wien 1958, 130–138; M. Kalbeck, Johannes Brahms 3/2 (1913), 504ff; Rechenschaftsbericht des Ausschusses [ab 1899: Vorstandes] des Wr. T.-V.s [ab 1908: Jahresbericht des Wr. T.-V.s] 1–28 (1886–1912), zur Gesch. des Vereins besonders 26 (1910); A. Göllerich/M. Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- u. Schaffensbild 4/2 (1936); A. Harrandt/O. Schneider (Hg.), Anton Bruckner, Briefe 2 (2003); eigene Recherchen.
UH/RF