Für den letzteren ist ersteres sicher unabdingbar, ersteres beschränkt sich aber nicht auf letzteren, sondern ist in jeweils entsprechend modifizierter Form für alle Jazzstile relevant. Zur besseren Unterscheidung der beiden eigentlich separaten Begriffe wurde mehrfach vorgeschlagen, im ersteren Fall auch im Deutschen die Kleinschreibung zu praktizieren.
Spielten in Österreich viele Orchester bereits in den 1930er Jahren vom S. beeinflusste Tanzmusik, so z. B. die von Ch. Gaudriot, D. Mathé oder L. Jaritz, so kann von einer wirklichen Rezeption von Jazz im S.-Stil nur in Ausnahmefällen die Rede sein. Diese lässt sich für die Kriegszeit z. B. für das Tanzorchester des Europasenders konstatieren, das seine Musik allerdings nicht für ein einheimisches Publikum, sondern für Propagandasendungen einspielte. Ferner wären die Jamsessions in der Wohnung des Gitarristen J. Palme hier ebenso zu nennen wie die Auftritte der Gruppen um den Geiger H. Mytteis und den Pianisten E. Landl in der „Steffeldiele“. Erst nach dem Krieg war die Vorraussetzung für eine breite Rezeption von S. und Jazz gegeben. Die Radiosender der Besatzungsmächte, insbesondere das US-amerikanische Blue Danube Network ermöglichten einem breiten Publikum Kenntnis der aktuellen Popularmusik, für österreichische Musiker gab es bei Engagements in den Soldatenclubs die Möglichkeit zu praktischer Erfahrung in diesen Genres; hiesige Orchester, wie v. a. das Wiener Tanzorchester (WTO), oder Combos wie der Hot Club Vienna spielten nun in ihren Programmen zumindest teilweise S. auf beachtlichem Niveau und nahmen auch entsprechende Schallplatten auf.
Lit: J. Behrend, Das Jazzbuch 1953 (div. Neuausg.n); J. Back, Triumph des Jazz 1992; Kraner/Schulz 1972; K. Schulz, Jazz in Österreich 1920–60, 2003.
RW