Steiner, Familie
Gabor: * 28. [Kosch: 26.] 5.1858 Temesvár, Siebenbürgen/Ungarn (Timişoara/RO), † 9.9.1944 Beverly Hills, CA/USA. Theaterdirektor.

1877 wurde er Sekretär und Kassier am Theater an der Wien, wo sein Vater Maximilian St. (* 28. [Czeike: 27.] 8.1830 [auch 28.8.1839] Ofen [Budapest], † 29.5.1880 Baden/NÖ) ab 1862 Direktor gewesen war und für seine Aufführungen von Operetten von Joh. Strauß Sohn und K. Millöcker berühmt gewesen war. Nach dessen Tode übernahm G. St. mit seinem Bruder Franz (* 1853 Temesvár, † ?) das Theater. In der Folge war er Direktor in Hannover/D, Bremen/D, Dresden/D, 1885 artistischer Direktor des Carltheaters und Leiter eines Bühnenverlags. 1892 Leiter des Hanswursttheaters in der Rotunde im Rahmen der Internationalen Ausstellung für Musik und Theaterwesen. 1895 eröffnete er im Kaisergarten am Praterstern den Vergnügungspark Venedig in Wien, 1898 erhielt er hier die Bewilligung für ein Sommertheater zur Aufführung von Operetten und Varietés. Seiner Initiative ist auch die Errichtung des Riesenrades 1897 im Wiener Prater zu verdanken. 1897–08 war er Direktor des Wiener Orpheums, das ihm als „Winterquartier“ diente. Neben anderen Bühnen eröffnete er 1903 die Olympia-Arena für Ausstattungsstücke. 1907 musste er Konkurs anmelden. Ab 1908 war er nur mehr artistischer Leiter seiner Unternehmen, 1909–12 Direktor des Ronacher. G. St. war mit der aus Graz stammenden Tänzerin Mizzi Hollmann (* ?, † ?) verheiratet. 1938 emigrierte er in die USA (Exil).

G: G.-St.-Weg (Wien II, Prater).

W: Posse Die schöne Helena von heute (gem. m. L. Krenn), UA 1921.

Lit: N. Rubey/P. Schoenwald, Venedig in Wien 1996; Czeike 5 (1997); Kosch 4 (1998); Hadamowsky 1988; Die Presse (Magazin) 24.3.1988; Ulrich 1997.

Sein Sohn Maximilian Raoul Walter: * 10.5.1888 Wien, † 28.12.1971 Beverly Hills. Dirigent, Komponist. Besuchte das Konservatorium der GdM. Seine mit 14 Jahren komponierte Operette wurde über ein Jahr lang am Orpheum Theater gespielt. 1904–14 reiste er als Dirigent von Opern, Operetten und Shows u. a. nach London, Paris, Berlin, Moskau und Johannesburg/SA. Ab 1914 in den USA, zunächst für die Ziegfeld Follies als Arrangeur und Dirigent von Musicals, Shows und Revuen am Broadway in New York tätig, 1929 Leiter der Musikabteilung der Filmgesellschaft Radio Keith Orpheum (RKO) Radio Pictures in Hollywood, 1936–53 bei Warner Brothers. 1953 gründete er einen eigenen Filmverlag und arbeitete für verschiedene Filmstudios. M. St. zählte zu den erfolgreichsten und produktivsten Filmkomponisten Hollywoods.

G: M. St. Music Society, gegr. 1965 in Bridgeport/USA.

P: 3 Oscars für die beste Filmmusik (The informer [Der Verräter] 1935, Now, Voyager [Reise aus der Vergangenheit] 1942, Since you went away [Als du Abschied nahmst] 1944); Golden Globe für Life with Father.

W: Operette Die schöne Griechin 1903; Musik zu mehr als 300 Filmen (u. a. King Kong 1933, Gone with the wind [Vom Winde verweht] 1939, Casablanca 1940, Arsenic and Old Lace [Arsen u. Spitzenhäubchen] ; Musik zu zahlreichen Musicalfilmen mit Fred Astaire und Ginger Rogers); Nummern I can’t be wrong, My own true love, A Summer Place, Kathy, Honey Babe, On my way, sugar foot.

Lit: NGroveD 24 (2001); R. Ulrich, Österreicher in Hollywood 1993; H. Martin in Österr. Musiker im Exil 1990; Personenlex. Öst. 2001; Riemann 1975; Orpheus im Exil 1995; Lang 1986; DBEM 2003; Kosch 4 (1998); Baker 1984; F-A 2 (1978); Suppan 1994; Ulrich 1997.

BB