Ursprünglich aus Westfalen/D stammende Familie, die 1647 in den Freiherrenstand und 1664 in den Grafenstand erhoben wurde.
Franz Anton Graf von: * 9.3.1662 Lissa/Böhmen (Lysá nad Labem/CZ), † 30.3.1738 Lissa. Staatsmann und Kunstmäzen. Studierte Jus in Prag. 1690 kaiserlicher Kammerherr, 1691 Statthalter von Böhmen (bis ca. 1710) und 1692 wirklicher Geheimer Rat. Nachdem bereits ab 1698 Theaterspiele in dem von ihm errichteten Theater in Kukus bei Gradlitz (Kuks/CZ) stattgefunden hatten, wurde hier im Sommer 1724 erstmals eine italienische Oper gespielt. Im Herbst 1724 engagierte Sp. die Operntruppe an sein neues Prager „Opera-Hauss“, wo unter der Leitung von A. Denzio bis 1735 Opernaufführungen stattfanden. Sp.s vermutete persönliche Verbindung mit J. S. Bach, der eine Arie von Sp.s Haushofmeister und Kapellmeister Tobias Anton Seemann in seiner Bauernkantate BWV 212 verwendete, konnte bis dato (2005) nicht eindeutig belegt werden.
Schr: Andachtsbücher, Gebetsbücher, Sittenlehren etc. [Verzeichnis bei Wurzbach]; (Hg.) Volksliedslg.en (Hexenlieder 1728).
Sein Großneffe Johann Wenzel Graf von: * 26.1.1724 Prag, † 25.2.1804 Prag. Staatsmann, Kunstmäzen, Theaterleiter. Studierte Jus an der Univ. Leyden/NL und wurde 1745 böhmischer Appellationsrat. 1775 Appellationspräsident in Lemberg (L’viv/UA) und 1789 in Prag. 1764–75 leitete er als Hofmusikgraf und General-Spektakel-Direktor die Theaterschauspiele (Burg- und Kärntnertortheater) am Wiener Hof. 1803 wurde Sp., der selbst Violoncello spielte und Privatkonzerte veranstaltete, zum Protektor der Prager Musiker-Witwensozietät gewählt.
P: Großkreuz des St. Stephans-Ordens 1795.
Dessen Urenkel Rudolph Graf von: * 27.5.1839 (Ort?), † 11.5.1904 Prag. Komponist. War Herr des Gutes Katusic (Katusice/CZ) und diente in der K. k. Armee als Oberleutnant.
W: Oper Das Nixenmädchen (UA Prag 1877), Walzer, Polkas, Quadrillen, Lieder.
Dessen Bruder Ferdinand Graf von (Pseud. Ferdinand Morolf): * 21.2.1848 Krnško/Böhmen, † 1928 (Ort?). Schriftsteller, Librettist, Gesanglehrer. Leitete 1883–87 den Allgemeinen Richard-Wagner-Verein und stand mit C. Wagner, W. Kienzl, Hermann Levi, Engelbert Humperdinck, F. J. Mottl und R. Strauss in brieflichen Kontakt.
W: Lustspiele, Opernlibretti (Kunihild 1884 [M: Cyrill Kistler], Ingwelde 1894 u. Der Pfeifertag 1899 [M: M. v. Schillings], Die Abreise 1898 [M: E. d’Albert], Sawitri die Königstochter 1907 [M: Hermann Zumpe]). – Nachlass: Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth/D.
Lit: NGroveD 24 (2001); MGG 12 (1965); D. E. Freeman, The Opera Theater of Count F. A. v. Sp. in Prague (1724–35), Diss. Univ. of Illinois 1987; H. Benedikt, F. A. Graf v. Sp. (1662–1738), 1923; A. Kopp, F. A. Graf Sp. 1910; O. Teuber, Gesch. des Prager Theaters 1 (1883); P. Nettl in Mf 6 (1953); Wurzbach 36 (1878) [Spork]; Hadamowsky 1988; Zechmeister 1971; Michtner 1970; B. A. Brown, Gluck and the French Theatre in Vienna 1991; D. Link, The National Court Theatre in Mozart’s Vienna 1998; Stieger II/3 (1978) u. III/3 (1981); MGÖ 2 (1995); eigene Recherchen.
ChF