Reinhardt, Heinrich
* 13.4.1865 Pressburg, † 31.1.1922 Wien. Komponist und Musikkritiker.

Studierte in Pressburg u. a. bei K. Mayrberger, am Konservatorium der GdM Klavier, Orgel sowie Musiktheorie (vermutlich auch bei A. Bruckner), beherrschte auch mehrere Streich- und Blasinstrumente. Zwischen 1890/1900 komponierte er u. a. Marsch- und Tanzmusik, Klavierstücke, Lieder, Balladen und Männerchöre. Als Musikreferent schrieb er während dieser Zeit u. a. für die Neue Freie Presse, später für das Neue Wiener Journal und Die Zeit, arrangierte auch mehrere Operetten, bis der Erfolg seiner ersten eigenen Operette, Das süße Mädel, ihm ermöglichte, als freischaffender Komponist zu leben. Er setzte damit den Beginn einer neuen Operettenära mit gegenwartsnahen Stoffen, nahm Anregungen G. Puccinis auf, behielt aber weitgehend einen stark wienerisch geprägten Lokalton bei, besonders auch den Walzer- und Polkarhythmus. Seine späteren Operetten waren allerdings der Konkurrenz von Werken F. Lehárs, O Straus’, L. Falls und E. Kálmáns nicht gewachsen – nur Die Sprudelfee (UA 1909) konnte sich in den USA als Revue Spring Maid in über 1.000 Aufführungen durchsetzen.

W: Opern (Die Minnekönigin 1895; Der Söldner; Der Gast des Königs 1916); Singspiel Napoleon und die Frauen 1912; 14 Operetten (Das süße Mädel 1901; Der liebe Schatz 1902; Der Generalkonsul 1904; Krieg im Frieden 1906; Das Mädchen für Alles 1908; Die erste Frau 1915; Der Glückstrompeter 1922); Kammermusik; Männerchöre u. -quartette; Lieder.

Lit: Czeike 4 (1995) [Reinhard]; NGroveD 21 (2001); NGroveDO 3 (1992); MGG 11 (1963) [mit WV]; ÖBL 9 (1988); DBEM 2003; Personenlex. Öst. 2001; Lang 1986; O. Keller, Die Operette in ihrer geschichtlichen Entwicklung 1926; F. Hadamowsky/H. Otte, Die Wr. Operette 1947; Bauer 1955; MGÖ 3 (1995).

UH