Koch, Familie
Holzblasinstrumentenmacher

Stephan sen.: * 12.4.1772 Veszprém/H, † 16.12.1828 Wien. K. ist erstmals am 6.11.1799 in Wien nachweisbar, als zwischen ihm und seiner Ehefrau Antonia ein Ehevertrag errichtet wurde. Die Geschäftsgründung dürfte 1807 erfolgt sein, ab 1809 ist er in den Wiener Adressenverzeichnissen zu finden. Das Bürger- und Meisterrecht erlangte er 1815. K. hatte fünf Kinder. Er verstarb in seinem Haus am Schottenfeld am 16.12.1828 an „Verhärtung der Baucheingeweide“. Aus der Verlassenschaftsabhandlung ist ersichtlich, dass K.s Vermögen im Wesentlichen aus der Hälfte des Hauses Schottenfeld Nr. 346 „Zum goldenen Wagen“ (Zieglergasse 59) bestand. Sie wurde auf 3.200 fl. geschätzt. Allerdings war das Haus mit einem Darlehen in Höhe von 2.000 fl. belastet. Neben persönlichen Gegenständen und Kleidung sind in der Schätzung „2 Drehbänk und Werkzeug“ erwähnt. Die Witwe war Universalerbin, die 5 Kinder erhielten einen Pflichtanteil in Höhe von 558 fl. K.s Söhne führten die Werkstätte weiter.

Seine Instrumente sind mit dem Doppeladler und „S:KOCH / WIEN“ bezeichnet. Er fertigte alle Arten von Holzblasinstrumenten, wobei sich seine Bekanntheit v. a. auf Verbesserungen im Bau von Querflöten (Flöten) und Oboen begründet. K. entwickelte ein Flötenmodell mit einer Tiefenerweiterung bis h, in einigen Fällen sogar bis g. Dies geschah in Zusammenarbeit mit dem Flötisten G. Bayr, der in seiner 1823 erschienenen Practischen Flöten-Schule das Instrument, das auch Panaulon genannt wurde, beschreibt. Es besaß unter der dis-Klappe sieben weitere Klappen. Um bei diesem überlangen Instrument eine bessere Gewichtsbalance zu erreichen, wurde die Flöte auch mit U-förmig geknicktem Fußstück gefertigt.

Weiters arbeitete K. mit dem renommierten Oboisten J. Sellner zusammen. Das dabei entstandene Oboenmodell war vermutlich das fortschrittlichste seiner Zeit und besaß über die schon bisher üblichen neun Klappen hinaus zusätzliche Drücker für B, F und Dis. Es reichte in der Tiefe bis h und besaß zur Intonationsverbesserung am oberen Ende einen Stimmzug. In den folgenden Jahrzehnten erfuhr dieses Oboenmodell einige Detailverbesserungen, es blieb im Prinzip jedoch unverändert und bildete die Grundlage für die nach wie vor (2003) im österreichischen Raum bevorzugte „Wiener Oboe“. Seine Söhne

Franz: * 8.12.1800 Wien, † 28.2.1859 Wien. Es ist anzunehmen, dass er bei seinem Vater gelernt hat. 1822 reichte er um eine Drechslerbefugnis ein und 1828 übernahm er die väterliche Werkstätte. Den Bürgereid leistete er am 24.12.1829. K. war im Haus des Vaters am Schottenfeld tätig, das ihm auch gehörte. Er verstarb ledig an Lungenlähmung.

Stephan jun.: * 2.6.1809 Wien, † nach 1878 (Ort?). Über ihn ist wenig bekannt. Er dürfte bis 1859 in der Werkstätte seines Bruders Franz gearbeitet haben. 1871–73 scheint er an der Adresse seines jüngeren Bruders Friedrich auf. Anlässlich einer Gewerbeausstellung 1845 erhielt er eine Bronzemedaille verliehen.

Friedrich: * 19.8.1818 Wien, † 5.10.1873 Wien. Über ihn ist nur bekannt, dass er Holzblasinstrumentenmacher war. Er dürfte in der Werkstätte seiner Brüder gearbeitet haben und scheint nur 1871–73 als selbständig arbeitender Handwerker auf.

Lit: A. Carse, Musical Wind Instruments 1936; H. Haupt in StMw 24 (1960); Hopfner 1999; NGroveD 13 (2001); ÖBL 4 (1969); Ottner 1977; G. Schilling, Encyclopädie der gesamten musikalischen Wissenschaften 2 (21840) [Flöte]; N. Toff, The Development of the Modern Flute 21986; W. Waterhouse, The New Langwill Index 1993; Wurzbach 12 (1864); Ph. T. Young, 4900 Historical Woodwind Instruments 1993. – Archivalien: Pfarre Schotten, Tauf- und Sterbematriken; WStLA: Totenprotokoll, Verlassenschaftsabhandlung Fasz. 2, 4800/1828 (St. K.).

RHo