Henry, Louis(eig. Louis Stanislas Xavier Henri Bonnachon)
* 7.3.1784 Versailles/F, † 4.11.1836 Neapel/I. Tänzer.

An der Ballettschule der Pariser Opéra ausgebildet, debütierte der auch in Wien als demi-caractère-Tänzer gefeierte H. (1810, 1821–25) bereits 21-jährig als Choreograph. H. gehörte in der Folge nicht nur zu den wichtigsten Choreographen der Ära des vorromantischen Balletts, seine Arbeit zeichnete sich auch durch eine Besonderheit aus: H. gehörte zu den wenigen Künstlern, die sowohl in Frankreich (Pariser Vorstadtbühnen) wie auch in Italien (Mailand, Neapel, wohin er immer wieder zurückkehrte) arbeiteten und damit die jeweiligen Sonderentwicklungen und stilistischen Richtungen miteinander verschränkten. Die Singularität dieser Verquickung bestätigt A. Bournonville (My Theater Life, 21): der Franzose H. habe in genialer Weise den italienischen Stil völlig in sich aufgenommen, den er aber mit seiner Erfindungsgabe ganz auf eigene Weise einzusetzen wisse. Französische Stileigenheiten verwende er für lyrische und idyllische Passagen, italienische für heroische und historische Themen. Sein ausgeprägter Sinn für Bildhaftigkeit hätte sich in den Gruppenformationen manifestiert. Für Wien kreierte er u. a. Ballette wie Wilhelm Tell (Wien 1810, M: Cesare Pugni), Die Amazonen (Wien 1823, M: R. Gallenberg, Michel Carafa u. a.), Undine (Wien 1825, M: A. Gyrowetz). Einige dieser Ballette nahmen ihren Weg nach Paris.

Lit: A. Bournonville, Mit Theaterliv, 3 Bde. 1848–78 (engl.: My Theatre Live 1979); M. H. Winter, The Pre-Romantic Ballet 1973; I. Guest, The Romantic Ballet in Paris 1980; Raab 1994.

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