Haslmayr, Adam
* zw. 1555/60 Bozen/I, † 1630 oder später Augsburg/D?. Komponist und Theologe.

Schüler des französischen Gelehrten und Domorganisten Andreas Casletanus in Brixen. Zuerst Schulmeister in St. Pauls/Südtirol, 1588–1604 Schulmeister und Chorregent in Bozen; widmete den Stadtvätern eigene Kompositionen, wegen theologischer Bedenklichkeit entlassen; 1605 von Maximilian dem Deutschmeister als Sänger für das Damenstift in Hall/T empfohlen, aber erst 1611 dort nachweisbar. 1612 versuchte er sich für kurze Zeit in Schwaz/T auf montanistischem Gebiet, danach als Notar in Heiligkreuz bei Hall. Noch im selben Jahr wurde er des Calvinismus verdächtigt, zunächst in Innsbruck inhaftiert und schließlich zum Galeerendienst in Genua verurteilt. Nach seiner Entlassung 1617 verbrachte er sein restliches Leben möglicherweise in Wattens/T bei seinem gleichnamigen Sohn († 1666). H. hatte die Musik seit 1603 offenbar aufgegeben, um sich der Theologie, Philosophie und Medizin zu widmen. Sein großes Interesse an Medizin beweist auch sein Streit mit dem Stadtarzt von Hall, Hippolytus Guarinoni (1571–1654). H. zeigte sich dabei als Anhänger des Paracelsus und somit des neueren naturwissenschaftlichen Denkens.

W: 12 Vertonungen von dt. Psalmnachdichtungen von Casletanus, 5 weltliche Lieder (darunter das Totentanzlied O sterblicher Mensch); Newe teütsche Gesang, mit vier, fünff, und sechs Stimmen (Augsburg 1592).

Schr: theologische Schriften, Übersetzungen lat. medizinischer Literatur.

Lit: MGG 5 (1956) u. 16 (1979); NGroveD 11 (2001); H. J. Moser, Die Musik im frühevangelischen Österreich 1954; W. Senn in O. Menghin/H. M. Ölberg (Hg.), [Fs.] L. C. Franz 1965; A. Dörrer in Der Schlern 20 (1946).

BB