Seit dem 16. Jh. belegt, meint der Begriff D. T. einen Tanztypus, bei dem anfangs ein geradtaktiger (Schreit-) Tanz mit einem ungeradtaktigen (Spring-) Nachtanz (oft mit gemeinsamer musikalischer Substanz) kombiniert wurde. Im Gegensatz zur stilisierten Allemande, die bald darauf nur mehr geradtaktig gepflegt wurde, ist damit jedoch spätestens ab dem 18. Jh. fast nur mehr ein ungeradtaktiger Tanz gemeint. Ob diese „Spaltung“ in zwei analog bezeichnete Teile gleichzeitig geschah, ist unbekannt. Ab der 2. Hälfte des 18. Jh.s wird darunter jedenfalls eine Gruppe von volkstümlichen ungeradtaktigen Tänzen verstanden, die dem höfischen Menuett gegenübergestellt wurden, die Bezeichnung also nicht mehr national, sondern sozial gemeint. Dabei war man sich nicht nur über gewisse Charakteristika, sondern auch über eine seit Jh.en im Wesentlichen ungebrochene Tradition offenbar einig. Zu dieser Zeit wurden dem D. T. auch Ländler und Walzer zugeordnet (doch ist, vom D. T. als deren „Vorläufern“ zu sprechen, unangebracht); um 1800 gelten Dreher und Schleifer als mit dem D. T. weitgehend identisch. In diesem Sinne blieb der Ausdruck im süddeutschen Sprachgebrauch noch im frühen 19. Jh. eine Art Sammelbezeichnung (so die D. T. von J. Haydn, W. A. Mozart, L. v. Beethoven, Fr. Schubert). Grundlage dafür dürfte sein, dass zumindest seit dem frühen 18. Jh. das paarweise Nachtanzen sowie Tanzen in sehr enger Haltung, mit verschlungenen Figuren und Hüpfschritten als „typisch deutsch“ angesehen worden war (besonders Franzosen nannten dies danser à la Allemande). Mit der norddeutschen Bezeichnung D. im frühen 19. Jh. als einem Tourentanz verwandt und nicht mit dem D. T. zu verwechseln ist der Typus des „Deutschen Umgangs“, ein meist als Dreiertanz ausgeführter österreichischer Volkstanz mit umgekehrter Rhythmusfolge (3/4 – 2/4) und unterschiedlichen Bezeichnungen. Abb.: Die im D. T. verwendeten Armhaltungen nach Th. Wilson’s description of German & French Waltzing (1817).
Lit: MGG 9 (1998, Walzer); Schneider 1985; V. Junk, Hb. des Tanzes 1930; R. Wolfram, Die Volkstänze in Österreich 1951; C. Sachs, Weltgeschichte des Tanzes 1933; P. Nettl, Tanz und Tanzmusik 1962; W. Deutsch, Der Deutsche 1988.
RF