Gymnasialbesuch in Prag, daneben philosophischer und mathematischer Privatunterricht durch B. Bolzano, ab 1840 Univ.sstudium in Prag und in Wien, 1847–49 Assistent an der Univ.ssternwarte. 1849 Habilitation und Berufung als ao. Prof. für Philosophie an die Univ. Olmütz (Olomouc/CZ), 1852–61 o. Prof. an der Prager Karls-Univ., 1861–96 an der Univ. Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte und Systematik der Philosophie und zu künstlerisch-literarischen Themen.
Z. definierte die Philosophie als von der menschlichen Erfahrung ausgehende (anthropozentrische) Wissenschaft, die jedoch die Ebene empirischer Erkenntnis durch regulierende Orientierung an der Logik überschreite; in diesem Sinn bemühte er sich um die Einbeziehung empirischer Erkenntnisse der Psychologie und auch der Naturwissenschaften in die Philosophie. Konkret orientierte er sich besonders an Gottfried Wilhelm Leibniz, Bolzano und Johann Friedrich Herbart, der Tradition des deutschen Idealismus, insbesondere Georg Wilhelm Friedrich Hegel und seinen Schülern, stand er betont kritisch gegenüber. Während Z. in jüngeren Jahren unter dem direkten Einfluss der ästhetischen Auffassungen Bolzanos für eine Verknüpfung formalästhetischer und rezeptionstheoretischer Überlegungen plädierte, bekannte er sich später zu einer reinen Formalästhetik, der zufolge Schönheit in der künstlerischen Form begründet liege, wobei diese Form als Resultat sichtbarer, formalisierbarer und berechenbarer Gesetzmäßigkeiten, „das Schöne“ mithin als objektiv beschreibbar aufgefasst wird.
In musikästhetischer Hinsicht bemerkenswert sind Z.s Untersuchungen zum Einfluss der Musiktheorie auf die ästhetischen Auffassungen Herbarts und seine Ansätze zu einer Revision der Musiktheorie Herbarts auf Grundlage der Untersuchung über Tonempfindungen von Hermann von Helmholtz. Z.s folgenreichster musikphilosophischer Beitrag ist jedoch sein Einfluss auf E. Hanslick, mit dem ihn lebenslang eine enge Freundschaft verband.
G: Büste im Arkadenhof der Wr. Univ. (v. Edmund Klotz).
P: ao. Mitglied der königl. Böhm. Gesellschaft der Wissenschaften 1854; w. M. der kaiserl. Akademie der Wissenschaften 1869; Reg.rat 1870; Hofrat 1874; Ritterkreuz des österr. Leopoldordens 1889; Erhebung in den Adelsstand 1896.
Schr: Leibniz u. Herbart. Eine Vergleichung ihrer Monadologien 1849; Philosophische Propädeutik, 2 Bde. 1853; Gesch. der Aesthetik als philosophischer Wissenschaft, 2 Bde. 1858–65; Studien u. Kritiken zur Philosophie u. Aesthetik, 2 Bde. 1870; Anthroposophie im Umriss. Entwurf eines Systems idealer Weltsicht auf realistischer Grundlage 1882.
Lit: Wurzbach 60 (1891); V. J. Karabacek/F. Jodl in Almanach der kaiserl. Akad. der Wissenschaften 1899; F. Jodl, Vom Lebenswege 1916; B. Münz in ADB 45 (1900); H. Spitzer in Biographisches Jb. u. dt. Nekrolog 1900; E. Winter, R. Z.s Philosophische Propädeutik u. die Vorlagen aus der Wissenschaftslehre Bernard Bolzanos 1975; Ch. G. Allesch, Gesch. der psychologischen Ästhetik 1987; H. Pfeiffle, Johann Friedrich Herbart, Ernst v. Feuchtersleben, R. Z. u. das österr. Bildungswesen 1994; G. W. Cernoch in M. Benedikt/R. Knoll (Hg.), Verdrängter Humanismus – Verzögerte Aufklärung 3 (1995); K. Blaukopf, Die Ästhetik Bernard Bolzanos 1996; E. Morscher in H. Ganthaler/O. Neumaier (Hg.), Bolzano u. die österr. Geistesgesch. 1997; L. Wiesing, Die Sichtbarkeit des Bildes 1997, 25–54; H. Lorenzová in Historická Olomouc 11 (1998); P. Stachel in S. Rinofner-Kreidl (Hg.), Zw. Orientierung u. Krise 1998; K. Blaukopf in M. Seiler/F. Stadler (Hg.), Kunst, Kunsttheorie u. Kunstforschung im wissenschaftlichen Diskurs 2000; G. Payzant, Eduard Hanslick and R. Z. 2001 (www.rodoni.ch/busoni/cronologia/note/hanslick.pdf [7/2006]); Beiträge v. L. Schneider u. L. Wiesing in A. Hoeschen/L. Schneider (Hg.), Herbarts Kultursystem 2001; L. Schneider in M. Perraudin/H. Koopmann (Hg.), Nachmärz u. Realismus 2003; Ch. Landerer, Eduard Hanslick u. Bernard Bolzano 2004; www.univie.ac.at/ivc/WWUK/phase4zb.html (7/2006).
PSt