Zawinul, Joe(eig. Josef Erich)
* 7.7.1932 Wien. Jazzinstrumentalist und -komponist.

Erste musikalische Schulung ab dem 5. Lebensjahr (Akkordeon), ab dem 12. Lebensjahr Studium am Wiener Konservatorium (Klavier, Violine). Spielte ab Anfang der 1950er Jahre in verschiedenen Tanzorchestern, daneben mit eigenem Jazz-Trio (mit Johnny Fischer, Bass; V. Plasil, Drums), ab 1952 mit H. Koller und 1954–56 mit den Austrian All Stars , deren Platteneinspielungen – nicht zuletzt durch die Förderung F. Guldas – auch internationale Anerkennung fanden. 1955/56 mit der gesamten Besetzung der Austrian All Stars in der Bigband von J. Fehring, 1956 Wechsel zur damals wichtigsten österreichischen Jazzband, der Two Sounds Band von Fatty George. 1959 Stipendium der Berklee School of Music in Boston (damit verbunden Übersiedlung in die USA), nach wenigen Tagen Abbruch des Studiums und Engagement im Orchester des Trompeters Maynard Ferguson. 1959–61 Pianist in der Band der Jazz- und Bluessängerin Dinah Washington, 1961–70 in der Combo des Altsaxophonisten Julian „Cannonball“ Adderley, für die er zahlreiche Eigenkompositionen erarbeitete. Daneben Zusammenarbeit mit zahlreichen Jazzgrößen. 1966 gemeinsam mit F. Gulda UA von dessen Concerto for Two Pianos and Orchestra in Wien.

Als einer der Pioniere der Verwendung elektro-akustischer und elektronischer Tasteninstrumente nahm Z. 1969/70 an mehreren stilprägenden Schallplatteneinspielungen des Jazztrompeters Miles Davis teil, die den Übergang zum Jazz-Rock bzw. der sog. Fusion-Music und damit eine wichtige Wegmarke in der Geschichte des Jazz darstellen. 1970 mit dem Saxophonisten Wayne Shorter Gründung der Jazzrock-Band Weather Report, die eineinhalb Jahrzehnte sowohl künstlerisch-kreativ als auch kommerziell überaus erfolgreich war. 1986 Auflösung von Weather Report, danach wechselnde Formationen, vorerst unter dem Namen Weather Update, ab 1987 Z. Syndicate; weltweit auch Solo- (v. a. mit elektronischen Instrumenten) sowie Duo-Auftritte mit verschiedenen Percussionisten und wiederholt mit F. Gulda. In den 1990er Jahren größere Kompositionen mit Österreich- bzw. Mitteleuropabezug. 2004 Gründung des Jazzclubs Birdland im Wiener Hotel Hilton, 2005 Gründung des eigenen Labels BirdJAM (BHM Music). Z. lebt in Malibu, CA/USA.

Z. gilt als der einzige nicht US-amerikanische Musiker, der in einer bestimmten Phase der Geschichte des Jazz von stilprägender Bedeutung war.

P: zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Grammy 1979 (m. Weather Report); Österr. Verdienstkreuz I. Klasse f. Wissenschaft u. Kunst 1993; Österr. Staatspreis (Hans Koller Preis) 2000; Amadeus Austrian Music Award 2001 u. 2003; Sonderkonzerte zum 70. Geburtstag in Wien u. New York 2002; Miles Davis Award 2003; Benennung der MSch. Gumpoldskirchen/NÖ in J. Z.-MSch. 2003; 16 Grammy-Nominierungen, 33 Mal Wahl zum besten Jazz-Keyboarder des Jahres durch das Fachmagazin Down Beat (Stand 2006).

W: J. Z. and the Austrian All Stars: His Majesty’s Swinging Nephews 1954–1957, 1992; Cannonball plays Z. (1961–70) 2004; M. Davis: In a Silent Way 1969; Weather Report: Heavy Weather 1976; F. Gulda/J. Z.: Music for Two Pianos (1988) 2006; Stories of the Danube 1996.

Lit: W. Vancura, J. Z. Ein Portrait 1989; M. Reither, Zur Biographie u. zum Improvisationsstil von J. Z., Dipl.arb. Wien 1991; M. Reither, Die Pentatonik im Jazz. Zur Improvisationstechnik von J. Z., Diss. Wien 1996; I. Carr et al., Jazz Rough Guide 1999; G. Lenger, Der Jazzmusiker, Komponist u. Arrangeur J. Z., Dipl.arb. Graz 1999; B. Glasser, In a Silent Way. A Portrait of J. Z. 2001; G. Baumann, J. Z. Ein Leben aus Jazz 2002; M. Kunzler, Jazz-Lex. 2 (2002); http://www.falter.at/print/F2002_27_2.php (7/2007); M. Kidel, J. Z. Ein musikalisches Portrait 2004 (Film); K. Schulz, Jazz in Österreich 1920–1960, 2003; T. R. Schulz in P. N. Wilson, Jazz-Klassiker 2 (2005).

PSt