Waldstein, Familie

Böhmische Adelsfamilie, die seit dem 16. Jh. zahlreiche Ministerialenämter innehatte und deren Mitglieder oft am Kaiserhof zu finden sind (Karl Ferdinand, 1634–1702, war Obersthofmeister der K.in Eleonora Magdalena Theresia, der dritte Frau Leopolds I., Karl Ernst, 1661–1713, Obersthofmeister der K.in Amalia Wilhelmina, der Frau Josephs I.). Prominentestes Mitglied war Albrecht (Wenzel Eusebius) Graf W./Wallenstein, unter dem die „Herren von Waldstein“ eine raschen Aufstieg erlebten. Von besonderer Bedeutung für die Musik waren:

Ferdinand Ernst Joseph Gabriel: * 24.3.1762 Wien, † 29.8.1823 Wien. Gutsbesitzer, Mäzen und Komponist (aus der Duxer Linie). Stand, selbst ab 1787 Hoch- und Deutschmeister, zuerst ab 1788 im Dienst von Kurfürst Erzhzg. Maximilian Franz III. in Bonn/D und war Mitglied des kurfürstlichen Staatsrates. 1792 empfahl er den jungen L. v. Beethoven nach Wien. Wegen politischer Differenzen trat F. W. 1795 in den Koalitionskriegen in englische (bis 1805), ab 1809 in österreichischen Dienste. Starb, nach einigen Fehlspekulationen ab 1816 verarmt, in Wien. F. W. war ein großer Freund und Mäzen Beethovens (Widmungsträger von dessen Sonate in C-Dur op. 53, W.-Sonate); komponierte selbst zumindest eine Symphonie, Lieder und einige Solokantaten im frühklassischem Stil (Beethoven komponierte 8 Variationen über ein Thema des Grafen W. WoO 67).

Albrecht: 12.11.1832– nach 1885, aus der Linie Münichgrätz, war ein großer Musikliebhaber, ausgezeichneter Zitherspieler und soll mehrere Stücke für Orgel und Physharmonika komponiert haben, die auf Schloss Dux (Duchcov/CZ) in privatem Kreis aufgeführt wurden.

Wilhelm: * 9.11.1897 Wiener Neustadt/NÖ, † 22.7.1974 Altaussee/St. Komponist, Schriftsteller, Pädagoge. Sohn des Kreisgerichtspräsidenten von Wiener Neustadt Wilhelm W. († 1942), ebenfalls auch Pianist und Komponist. Studierte Musikwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Univ. Wien; Abschluss des Kompositionsstudiums 1923 bei Carl Ballon und Johannes Kobeck. Danach als Lehrer an den Gymnasien in Wiener Neustadt und Berndorf/NÖ tätig, 1938 des Dienstes enthoben. 1946 an das Unterrichtministerium berufen, leitete er 1951–62 die Abteilung für allgemeine Kunstangelegenheiten.

P: Kulturpreis des Landes Niederösterreich 1967.

W: 2 Messen, Orchesterlieder, Ein Lied vom Tod (Oratorium), Das hohe Lied (Kantate), Kammermusik, Chöre, mehrere Liederzyklen.

Schr: zahlreiche Essays; Das gerettete Erbe 1970; Zwischenreich 1968 (Roman); Gedichte.

Lit: ÖL 1995; Wurzbach 52 (1885); Czeike 5 (1997); Erhart 1998; DBEM 2003, MGG 14 (1968); NGroveD 27 (2001); Kinsky-Halm 1955; MGÖ 3 (1995).

ETH