Tuczek (Tuček, Tutschek), Familie
Jan (Johann): * ca. 1743 (Ort?), † 19.9.1783 Prag. Chorregent und Komponist.

War Musikmeister der Prag-Neustädter Zivilgarde sowie Kantor und Chorregent an Prager Kirchen.

W: Singspiel Der verliebte Nachtwächter (erstes Singspiel in tschechischer Sprache [J. M. Menninger]), Bühnenmusik (Zwischenaktsmusiken, Einlagearien); Kirchenmusik.

Sein Sohn Vincenc Tomáš Václav (auch Franz Vinzenz Ferrarius): * 2.2.1773 Prag, † nach 2.11.1820 Pest? (Budapest). Sänger, Musikdirektor, Komponist. Schüler des Vaters, war zunächst um 1793 am Vaterländischen Theater in Prag als Tenorist und Komponist tätig. 1794 schrieb er vermutlich im Auftrag E. Schikaneders ein Singspiel für das Freihaustheater. 1794–96 Cembalist am Prager Ständischen Theater, 1797 Kapellmeister des Hzg.s von Kurland und Sagan (Żagań/PL), Peter Graf v. Biron, und 1800 Theatermusikdirektor in Breslau (Wrocław/PL). Ab 1801 Sänger am Theater in der Leopoldstadt, 1806–09 folgte er hier W. Müller als Kapellmeister nach. Ab 1802 war T. auch in Budapest als Komponist tätig, 1810 wurde er dort zum Theaterkapellmeister berufen.

W: Bühnenwerke (Hanns Klachl von Przelautsch 1796, Die Polterhexe von Lichtenstein 1807, Samson 1808), Messen, Oratorium Das jüngste Gericht, Kantaten, Symphonie, Tondichtung Die Schlacht bey Leipzig 1816, Tafelmusik.

Ein Verwandter J. T.s war

František (Franz): * 29.1.1782 Königgrätz/Böhmen (Hrádec Králové/CZ) [MGG: 30.1.1782 Sezemitz/Böhmen (Sezemice/CZ)], † 4.8.1850 Charlottenburg/Preußen (Berlin-Charlottenburg/D). Musiklehrer und Komponist. Besuchte das Gymnasium in Königgrätz und soll kurz an der Univ. Wien studiert haben. Anschließend wirkte er als Musik- und Gitarrelehrer in Wien. Verheiratet mit der Wiener Klaviermeistertochter Philippine Caudella. 1842 übersiedelte er zu seiner Tochter nach Berlin.

W: Gitarren-, Klavier- u. Violinmusik.

Dessen Kinder

Leopoldine Margarethe (verh. Herrenburg): * 11.11.1821 Wien, † 20.10.1883 Baden bei Wien/NÖ. Sängerin (Sopran). Die in manchen Lexika gebräuchliche Angabe 1824 als Geburtsjahr ist aufgrund des am 7.8.1836 erfolgten Debüts der Sängerin am Kärntnertortheater in Wien wohl zu berichtigen. Ausbildung beim Vater und bei J. Fröhlich, 1829–34 Schülerin des Konservatoriums der GdM. An der Wiener Hofoper sang sie zunächst kleinere Partien, bald jedoch auch führende Rollen. 1839 war sie der Page in der EA der Hugenotten. 1841 erfolgte ein Gastspiel in Berlin; zwar kehrte sie noch einmal nach Wien zurück, durch eine Abstandszahlung befreite sie sich jedoch aus dem Wiener Vertrag und wurde Ensemblemitglied in Berlin (bis 1861). Zahlreiche Gastspiele, u. a. in Breslau, Prag, Leipzig/D, Frankfurt am Main/D, beim Bonner Beethoven-Fest (1845) und in Wien, wo sie bereits 1844 wieder auftrat. Im Theater an der Wien gastierte sie in Vielka, im Kärntnertortheater war sie 1848 in der Titelrolle der Martha um letzten Mal zu hören. Heiratete den Staatsbeamten Herrenburg.

P: königlich preußische sowie königlich sächsische Kammersängerin.

Philipp Carl: * 1.5.1824 Wien, † 6.9.1888 Bad Kösen/D. Violinist. Studierte 1838–42 am Konservatorium der GdM und gehörte 1850–78 dem Orchester der königlichen Hofoper in Berlin an. Seine Schwester Antonia Albertina (verh. Rademacher; * 26.4.1831 Wien, † 1.7.1902 Köln/D) besuchte 1840 mit 9 Jahren das Konservatorium der GdM und wirkte später als Opern- und Konzertsängerin sowie Gesangpädagogin.

W: königlich preußischer Kammermusiker.

Mehrere Enkelinnen und Urenkelinnen von Franz T. wirkten als Musikerinnen bzw. Sängerinnen in verschiedenen deutschen Städten (u. a. Clara Philippine [* 11.2.1854 Charlottenburg, † 27.8.1919 Berlin], die 1881 den Komponisten Max Bruch heiratete).

Lit: NGroveD 25 (2001); MGG 13 (1966); Wurzbach 48 (1883); K-R 1997 u. 2000; Eisenberg 1903; Kosch 1 (1953) [Herrenburg] u. 4 (1998); M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1836 bis 1848, 2004; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1848 bis 1870. Personal – Aufführungen – Spielplan 2002; C. F. Pohl, [Fs.] Die Ges. der Musikfreunde des österr. Kaiserstaates u. ihr Conservatorium 1871, 157; Müller-Asow 1929; Kürschner 1954; Ulrich 1997.

MJ/ChF