Tost, Johann
get. 27.4.1759 (* 1755?) Iglau/Mähren (Jihlava/CZ), † 27.3.1831 Wien. Violinist, Großhändler.

Sein Vater Wenzel T. (?–?) war Organist an der Jakobskirche in Iglau. J. T. war von März 1783 bis März 1788 Mitglied der Esterházy’schen Hofkapelle unter J. Haydn, versuchte 1787 ein Notenschreiber-Büro zu errichten und kaufte Haydn dessen Streichquartette op. 54 und 55 (Hob. III:57–62) ab, mit denen er 1788 in Paris Geschäfte machen wollte. Trotz der dabei aufgetauchten, von Haydn z. T. mitverschuldeten Unstimmigkeiten bestellte T., inzwischen ein reicher Kaufmann, 1790 die Streichquartette op. 64 (Hob. III:63–68), die er vermutlich sich selbst dedizierte; dennoch sind die Streichquartette Hob. III:57–68 als „T.-Quartette“ in die Aufführungspraxis eingegangen. 1790 heiratete T. Maria Anna (Marieanna) Gerbischek (* ca. 1765 [Ort?], † 2.1.1797 Wien), Haushälterin bei Familie Esterházy, und baute als gutversorgter Erbe nach seiner Frau ein Großhandelsimperium auf (Großhandelsrecht 1802). 1812 zählte er zu den zwölf Mitgliedern des „provisorischen konstituierenden Ausschusses“ der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien , 1813–15 zum Leitenden Ausschuss. 1814 plante er, der GdM mit der Gründung eines Konservatoriums zuvorzukommen.

Lit: S. Gerlach in Haydn-Studien VII/3–4 (1998); R. Barrett-Ayres, Joseph Haydn and the String Quartet 1974; C. F. Pohl/H. Botsiber, Joseph Haydn, 3 Bde. 1875–1927; R. v. Perger/R. Hirschfeld, Gesch. der K. k. GdM 1912, 6–8, 282; Wurzbach 46 (1882); EitnerQ 9 (1903) [mit der z. T. noch heute, 2006, auftretenden Vermischung von F. Tost u. J. T.]; MGÖ 2 (1995); Slg. Moißl; Recherchen v. Peter Riethus.

UH