Strauß, Familie
Johann Baptist (Vater): * 14.3.1804 Leopoldstadt (heute Wien II), † 25.9.1849 Wien. Komponist, Dirigent.

Kam in diversen Gaststätten mit Wirtshausmusik in Berührung. Buchbinderlehre, Violinunterricht durch Johann Pollischantzky. Um 1823 wirkte er im Quartett von J. Lanner, der St. im erweiterten Ensemble mit der Leitung der 2. Gruppe als Stehgeiger betraute. Da das Publikum auch Novitäten erwartete, folgte St. dem Vorbild Lanners und begann zu komponieren. Die Orchesterteilung Lanners zeigte ihm, dass der Markt groß genug war, anstelle seiner Assistenz eine eigene Kapelle Gewinn bringend zu führen. Er trennte sich in Freundschaft von Lanner und trat ab 1.9.1825 mit eigener Kapelle und eigener Musik in Gasthäusern und Etablissements auf. Er entschloss sich zur Professionalisierung von Geigenspiel und Musiktheorie und nahm Unterricht bei L. Jansa und I. v. Seyfried. Um gegen die Konkurrenz bestehen zu können, inszenierte er große Feste mit Dekoration und Illumination, was ihm regen Publikumszustrom sicherte und Aufträge zur Leitung der Repräsentationsbälle bei Hof (Hofball) eintrug. Ab 1832, nach seiner Ernennung zum Kapellmeister des 1. Bürgerregiments, komponierte er zusätzlich Marschmusik, und unternahm ab 1833 ausgedehnte Tourneen nach Budapest und in verschiedene österreichische Städte, dann nach Deutschland, Belgien und Holland. Bei der nächsten großen Tournee nach England, Schottland und Irland kam es zum Zusammenbruch. Nun stand er wieder vermehrt vor Wiener und Badener Publikum. Sein Ansehen im Musikleben erreichte 1846 durch seine Ernennung zum Hofballmusikdirektor einen weiteren Höhepunkt, was er bei der Revolution 1848 mit Kaisertreue quittierte. Im Herbst nahm St. seine Gastspielreisen wieder auf und reüssierte ein letztes Mal in England. Seine musikalischen Verdienste manifestieren sich in der Festlegung des Walzers als Musikstück mit Introduktion, einer Folge von fünf doppelgliedrigen Walzern und einer Coda. Um Aktualität zu suggerieren, zur Unterscheidung der Stücke und aus werbetechnischen Gründen gab er seinen Melodien aussagekräftige Titel.

G: St.-Lanner-Denkmal im Rathauspark (Wien I) u. im Kurpark Baden/NÖ; Gedenktafel am Geburtshaus; Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof 1904.

P: Bürger der Stadt Wien 1836.

W: 250 Walzer, Ländler, Märsche (Radetzkymarsch), Polkas, Galopps, Quadrillen, Contratänze. – GA bearb. f. Kl., hg. v. Joh. St. Sohn, 7 Bde. 1889; NA von 8 Walzern in DTÖ 68 (1928); zahlreiche Einzelausgaben.

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