Strauß, Familie

Eduard: * 15.3.1835 Leopoldstadt, † 28.12.1916 Wien. Dirigent, Komponist. Wollte ursprünglich Diplomat werden, die Mutter forcierte jedoch seine Ausbildung in Musiktheorie, Violin- und Klavierspiel. Da ein eklatanter Mangel an Harfenspielern herrschte, studierte er sechs Jahre bei An. Zamara Harfe und debütierte am 11.2.1855 als Harfenist im St.-Orchester im Rahmen eines Benefizkonzerts für Bruder Johann im Sophienbad-Saal (Sophiensäle). Ein Probespiel in Deutschland scheiterte an zu großer Nervosität, die er nach seinem Debüt als Dirigent am 5.2.1861 zu bewältigen wusste. Zwei Jahre später beendete er sein Kompositionsstudium bei G. v. Preyer. Bereits mit seinem Opus 1 bewies Eduard schöpferische Kompetenz, wenn auch nicht all seinen Werken große Erfolge und Verbreitung durch den Musikhandel beschieden waren. Als Dirigent erlangte er Weltruhm, der sich bereits früh abzeichnete. Johann übertrug Eduard die Leitung der Kapelle, und mit ihr durfte er 1871 auch das Amt des K. k. Hofballmusikdirektors übernehmen. Fortan galt es, das Niveau des Orchesters zu halten, um gegen die mit Dumpingpreisen konkurrierenden Militärkapellen (Militärmusik) reüssieren zu können: Einerseits erzwang er durch seinen autoritärer Führungsstil Disziplin und Perfektion in der Ausführung, andererseits konzentrierte er sich vermehrt auf Gastspiele in- und außerhalb der Donaumonarchie; erste Erfahrungen in effizienter Organisation derartiger Geschäfte hatte er 1865 in Pawlowsk unter der Obhut seines Bruders Johann gemacht. Seine Kompromisslosigkeit führte wiederholt zu Schwierigkeiten mit Musikern. Zu den wichtigsten Tourneen zählten jene nach London (1885), durch die USA (1890) oder nach St. Petersburg/RUS (1894). In Wien betreute er die noch von Johann ausgehandelten Sonntag-Nachmittagkonzerte im Musikverein. Einem geplanten Karriereende um 1895 kamen finanzielle Probleme – bedingt durch den Lebensstil seiner Söhne – zuvor, weitere Konzertreisen führten ihn daher nach London (1895, 1897), Deutschland und Holland (1898, 1899, 1900) sowie neuerlich in die USA. Unstimmigkeiten mit den Musikern ließen ihn am 13.2.1901 die Kapelle auflösen. In Wien sistierte er seine Position als K. k. Hofballmusikdirektor und legte seine Dirigiertätigkeit im Musikverein zurück. Einem Abkommen (1869) mit seinem Bruder Josef folgend und aus Furcht vor Bereicherung der Nachwelt am St.’schen Gedankengut, vernichtete er den gesamten Notenbestand der Familie.

G: Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof; Gedenktafel am Sterbehaus.

W: 318 Kompositionen; zahlreiche Potpourris (280 publiziert); Schnell-Polka Bahn frei! op. 45, Fesche Geister op. 75, Doctrinen op. 79, Liebeszauber op. 84, Kaiser Franz-Josef-Jubiläums-Marsch op. 109, Studentenball-Tänze op. 101, Aus dem Rechtsleben op. 126, Knall und Fall op. 132

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