Weit verzweigte, aus Graslitz/Böhmen (Kraslice/CZ) stammende Instrumentenbauerfamilie
Wenzel: * 1803 Graslitz, † 1860 Graslitz. Gründete 1824 in Graslitz eine Blechblasinstrumentenwerkstätte, aus der nach seinem Tod Niederlassungen in Graz, Warschau, Barcelona/E, Catania/I, Hamburg/D, Neapel/I, Riga, Sofia, Verona/I, New York/USA, São Paolo/BR und Buenos Aires hervorgingen (Firma W. St.s Söhne: Josef [1826–1900], Julius [?–1898], Richard [?–?]). Die Firma stellte ihre Instrumente auf den Weltausstellungen in Wien (1873) und Chicago/USA (1893) aus und durfte ab 1895 den kaiserlichen Doppeladler führen. Die Betriebe wurden von Josefs Söhnen Anton Rudolf (?–?) und Josef jun. (?–?) sowie von Julius’ Sohn Josef Adolf (1864–1925) bzw. deren Nachkommen weitergeführt. Angeblich ebenfalls W. St.s Sohn war
Adolf: * 16.10.1842 Graslitz, † 19.1.1893 Graz. Gründete 1874 in Graz eine Firma unter seinem Namen. Nach seinem Tod übernahm diese sein Sohn Adolf jun. (* 22.7.1865 Graslitz, † 28.3.1928 Graz) und nach dessen Tod die Witwe Anna (* 15.4.1875 Graz, † 22.3.1957 Graz). Danach war Adolfs (jun.) Stieftochter (Annas Tochter aus erster Ehe) Maria Laufenstein (* 21.9.1897 Graz, † ?) für die Firmenleitung verantwortlich.
Vermutlich W. St.s Bruder war
Ignaz: * 17.12.1811 Wien, † vor 1906 Wien?. Ist erstmals 1839 in Fünfhaus (Wien XV) nachweisbar, bei Ablegung des Bürgereids 1844 wohnte er in der Leopoldstadt (Wien II). Seine Werkstätte befand sich 1847–51 und ab 1864 in der Josefstadt (Wien VIII), dazwischen 1852–58 in der Alservorstadt (Wien IX). Sein Sohn Ignaz d. J. (1848–1906) übernahm die Firma seines Vaters zu einem nicht mehr genau feststellbaren Zeitpunkt. 1914 wurde der Betrieb eingestellt. I. St. (d. Ä.) zeichnete für eine Verbesserung der Ventilmechanik bei Blechblasinstrumenten verantwortlich, 1848 konstruierte er nach Angaben von Wilhelm Wi(e)precht das Helikon. – Ein Alois St. ist 1860–82 als Instrumentenmacher in Wien nachweisbar, ein Josef St. 1880–93.
Josef Adolfs Sohn Wilhelm: * 23.10.1893 Graslitz, † 21.1.1966 Graz. Kam nach der Enteignung der väterlichen Firma 1948 nach Graz, wo er 1960 eine eigene Blechblasinstrumentenwerkstätte gründete. 1962 trat sein Sohn Hugo jun. (* 25.12.1925 Graslitz) als Gesellschafter in die Firma ein.
Unklar ist das Verwandtschaftsverhältnis von Johann (János) St. (?–?), der 1770 nach Ofen (Budapest) übersiedelte, wo er eine bestehende Werkstätte übernahm, die in der Folge von seinen Nachkommen bis 1944 geführt wurde.
Lit: StMl 1962–66; W. Waterhouse, The New Langwill Index 1993; Hopfner 1999; Ottner 1977; H. Heyde, Das Ventilblasinstrument 1987; B. Strobl, Wr. Blechblasinstrumentenbau 1815–1850 unter besonderer Berücksichtigung der Baßinstrumente, Dipl.arb. Wien 1988; MGÖ 2 (1995); www.wait.at/schule/instrumente/tuba.htm (9/2005).
ChF