Stojka, Familie

Entstammt der Volksgruppe der Vlach-Rom(a) aus der Sippe der Bagarestschi, die in der 2. Hälfte des 19. Jh.s aus der heutigen Slowakei bzw. Ungarn ins südöstliche Österreich einwanderte. Nur sechs von rund 200 Mitgliedern der Sippe überlebten die nationalsozialistischen Konzentrationslager.

Johann („Mongo“): * 20.5.1929 Guntramsdorf/NÖ. Musiker, Schriftsteller. War in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Buchenwald/D, Flossenbürg/D, mit K. St. befreit 1945 während eines Todesmarsches nach Dachau bei Rötz in Bayern/D. 1947 Rückkehr nach Wien, Einzelhandelskaufmann. Verfasste früh Gelegenheitsgedichte und -lieder. Mit Sas man mamo dosta Lowe [Mutter, ich war einmal ein reicher Mann], 1947 für eine familiäre Weihnachtsfeier geschrieben, gelang ihm ein Klassiker der modernen Roma-Musik. Angeregt durch die musikalischen Karrieren der jüngeren Familienmitglieder begann M., der zuvor als Amateur musiziert hatte, ab den 1990er Jahren als Sänger und Gitarrist zu konzertieren und CDs, mit z. T. eigenen Texten, im Romanès der Lovara, mit musikalischen Einflüssen von Jazz und Salsa, aufzunehmen (gem. m. seinen Kindern).

W: CDs Amari Luma [Unsere Welt] 1994; Newi Luma [Neue Welt] 1997.

Schr: Papierene Kinder. Glück, Zerstörung u. Neubeginn einer Roma-Familie in Österreich 2000; Legenden der Lowara. Lieder u. Gesch.n der Roma v. Wien, hg. v. E. Molden 2004.

Lit: Falter 12.5. 2004.

Sein Bruder Karl: 20.4.1931 Wampersdorf/NÖ, † 9.4.2003 Wien. Maler, Schriftsteller. Vater von K. „Charlie“ Ratzer.

Seine Schwester Margarete („Ceija“): * 23.5.1933 Kraubath/St. Schriftstellerin, Malerin, Sängerin. Ab 1943 Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück/D und Bergen-Belsen/D, 1945 befreit. Nach 1945 Marktfahrerin in Wien und Umgebung, später Einzelhandelskauffrau. Als Sängerin tritt C. St. mit traditionellem Liedgut der Roma und auch mit Wienerliedern, häufig begleitet von der Band Amenza Ketane [Wir gemeinsam], auf.

Ihre Söhne

Willibald („Hoida“): * 17.5.1949 Wien. Gitarrist. Der Gitarrist von Amenza Ketane ist auf Roma-Musik der Lovara spezialisiert. Sein Sohn Michael (* 18.2. 1982 Wien) ist Gitarrist und Schlagzeuger, u. a. bei Amenza Ketane.

Jano: * 21.12.1955 Wien, † 11.10.1979 Wien. Jazz- und Rockschlagzeuger, spielte mit seinem Cousin Harri bei Gipsy Love und P. Wolfs Objective Truth Orchestra sowie mit H. Känzig und H. Sokal in der Band Triotonal.

P: Josef-Felder-Preis f. Gemeinwohl u. Zivilcourage 2000; Ehrenmitglied von Romano Centro 2003.

W: CD Me Diklem Suno [Ich hatte einen Traum] 2000; Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom-Zigeunerin 1988; Reisende auf dieser Welt. Aus dem Leben einer Rom-Zigeunerin 1992; Meine Wahl zu schreiben – ich kann es nicht / O fallo de isgiri-me tschischanaf les 2003 [Gedichte in Romanès u. Dt.].

Lit: K. Berger, Ceija Stojka. Portrait einer Romni 1999 [Dokumentarfilm]; K. Berger (Hg.), Träume ich, das ich lebe? Befreit aus Bergen-Belsen 2005; G. Horak in an.schläge 2005 (www.anschlaege.at/0205text1.html [11/2005]); http://de.wikipedia.org/wiki/Ceija_Stojka (11/2005).

Johanns Kinder Doris: * 17.4.1950 Wien. Sängerin. Verheiratet mit dem Musiker und Lehrer Robert Weinrich von der Volksgruppe der Sinti (Onkel von Zipflo Weinrich). Sängerin u. a. in von ihrem Bruder Harri geleiteten Bands (z. B. Gitancœur) und mit ihrem Vater M. St.

Elisabeth („Sissi“; verh. Asenbaum): * 28.1.1953 Wien. Sängerin u. a. in von ihrem Bruder Harri geleiteten Bands und mit ihrem Vater M. St. (nicht zu verwechseln mit ihrer gleichnamigen Schwägerin vom Musikprojekt E. T. Sound).

Harald Wakar („Harri“): * 22.7.1957 Wien. Gitarrist und Komponist. Vermengt z. T. Jazz und Rock mit Elementen der traditionellen Roma-Musik; Texte häufig in Romanès. Erste öffentliche Auftritte ab 1970: zuerst in der Formation Jano + H. St., später als Bassist in der Band seines Cousins K. Ratzer (Gipsy Love) und Leadgitarrist in P. Wolfs Objective Truth Orchestra. Gründete 1973 die Band H. St.-Expreß. Internationaler Durchbruch beim Open Air Festival im Wiener Praterstadion 1981, im selben Jahr Einladung zum Guitar-Summit beim Jazzfestival in Montreux/CH (Live-LP). Zusammenarbeit u. a. mit seinem Vater M. St. sowie A. Heller, E. Pluhar und dem Geiger Alois „Zipflo“ Weinrich. Roma-Musik-Projekte Gitancœur (2003 in Montreux) und Gipsysoul. Vorstandsmitglied von Romano Centro. H. St. ist einer der international bekanntesten Jazz-Musiker aus Österreich. Seine Frau Valerie ( *1.12.1961 Wien) leitet die Konzertagentur Gypsy Production und den Gipsy Music Musikverein, der – 2003 gegründet – sich der Förderung und Popularisierung der Musik der Roma und Sinti widmet (auch verlegerische Tätigkeit).

W: LPs bzw. CDs: Off the Bone 1980, Live at Montreux 1981, Gitancœur 2000, Live at the Roma Wedding 2004, A Tribute To Swing 2005, Garude Apsa [Verborgene Tränen] 2005.

Lit: Lang 1986; Personenlex. Öst. 2001; www.harristojka.com (8/2005).

Mongos, Karls und Ceijas Neffe Johann („Bebi“): * 26.2.1960 Wien. Schlagzeuger, Pianist und Komponist. Sohn von Maria („Mitzi“) St. Spielte gemeinsam in verschiedenen Jazz-, Samba- und Funkbands u. a. mit seinen Cousins H. St. und K. Ratzer und zahlreichen Musikern der Wiener Jazzszene sowie mit den eigenen Formationen J. St. and Band und Blues Age (mit Chris [„4er“] Peterka). 1984–95 in Norwegen, Zusammenarbeit mit norwegischen Jazzmusikern.

Lit (allgemein): S. Steinmetz, Österreichs Zigeuner im NS-Staat 1966; E. Turnher, Nationalsozialismus u. Zigeuner in Österreich 1983; G. Lewy, „Rückkehr nicht erwünscht“. Die Verfolgung der Zigeuner im Dritten Reich 2001; http://romani.uni-graz.at/rombase/cgi-bin/art.cgi?src=data/pers/stojkas.de.xml (11/2005); http://romani.uni-graz.at/rombase/cgi-bin/art.cgi?src=data/pers/stojkas.de.xml (11/2005); Gypsysoul. Die Musikerfamilie St. 2002 [TV-Dokumentation, ORF/BR Alpha]; pers, Mitt. Ceija St., D. Weidrich, V. St., Bebi St.

PSt