Ursprünglich aus Oberösterreich stammende Wiener Klaviermacherfamilie
Valentin: * 1817 Zell am Pettenfirst/OÖ, † 9.9.1884 Wien. Kam als Tischlergeselle nach Wien, war ab 1848 als Klaviermacher tätig. Die Anschrift seiner Werkstatt wechselte mehrmals. Sein Sohn
Anton: * 9.2.1848 Wien, † 29.9.1913 Wien. Betrieb zunächst eine eigene Werkstätte in Rudolfsheim (Wien XV, 1877/78) und Wien V (1879–83), 1884 übernahm er den Betrieb des Vaters in Wien VI. 1888 übersiedelte er in die Esterhazygasse 28 (Wien VI) und 1896 [1892?] nach Wien XIII (heute XIV), da v. a. Klaviere der in der Nähe des Schlosses Schönbrunn wohnenden Adelsfamilien zu betreuen waren. In Wien VI blieb eine Filiale. Vermutlich dessen Bruder war
Rudolf sen.: * 5.5.1864 Wien, † 24.12.1938 Wien. Ist als Klavierfabrikant 1889/90 in Wien I und ab 1891 in Wien VI nachweisbar.
Dessen Sohn Rudolf jun.: * 11.3.1893 Wien, † 16.1.1967 Wien. Erlernte das Klaviermacherhandwerk im väterlichen Betrieb, anschließend arbeitete er in großen Betrieben in Europa und Amerika. 1924 gründete er ein eigenes Unternehmen in Wien. Ab 1935 war St. Innungsmeister der Musikinstrumentenerzeuger Wiens und 1945–67 Österreichs. 1966 wurde die Firma an Ehrbar verkauft. St. beschäftigte sich auch auf wissenschaftlichem Gebiet mit dem Klavierbau und konnte einige Konstruktionsverbesserungen erreichen. Weiters befasste er sich ab 1922 mit elektroakustischen Fragen, v. a. mit der photoelektrischen Tonbildung (Selenophon).
P: Kommerzialrat; Prof.-Titel; englischer Prof.-Titel; Ehrenmitglied Mozartgemeinde Wien.
A.s Sohn Hugo sen.: * 12.11.1888 Wien, † 10.6.1986 Wien. Übernahm nach dem Tod des Vaters die Klavierfabrik. Dessen Sohn
Hugo jun.: * 5.11.1919 Wien. Klavierunterricht ab dem 8. Lebensjahr, nach der Matura 1937 Militär- und Wehrmachtsdienst. Im Herbst 1945 Beginn einer Klaviermacherlehre in der Werkstätte des Vaters (Gesellenprüfung 1947, Meisterprüfung 1962). Er verlegte sich zunehmend auf den Handel mit Musikinstrumenten, eröffnete 1949 das Musikhaus H. St. und übernahm 1960 den väterlichen Betrieb (1962 Fusion), den er in den Jahren 1965 und 1972 durch den Kauf der Firmen Matthäus Bauer bzw. Piano-Haus Luise Reisinger vergrößerte. St. gründete 1972 eine MSch. für Kleinkinder, stiftete ein Stipendium für Studierende des Konservatoriums und veranstaltete Wettbewerbe für Bläserkammermusik sowie für Folk- und Popmusiker. 1981 zog er sich aus dem Betrieb zurück.
Die Firma firmiert (2005) weiterhin unter dem Namen St. 2000 wurde zusätzlich zum Hauptgeschäft in Wien XIV (Linzer Straße 20–22) eine Filiale im Haus der Musik eröffnet.
P: Silbernes Ehrenzeichen der Stadt Wien 1979.
Lit: Hopfner 1999; H. O. Glattauer, Menschen hinter großen Namen 1977 [Foto H. St. jun.]; E. Werba in ÖMZ 22 (1967); ÖMZ 13 (1958), 129; Wr. Ztg. 11.3.1953; Slg. Moißl; WStLA (Biographische Slg., Lehmann-Adressbücher, TBP 1884, Totenbeschaubefund R. St. sen., Meldearchiv); Mitt. MA 61; www.stelzhammerpiano.at (10/2005); eigene Recherchen (Zentralfriedhof Wien).
ChF