Geigenbauer und Musiker
Daniel Achatius: * 19.7.1680 Goisern/OÖ (heute Bad Goisern), † 27.10.1744 Wien. Geigenmacher. D. A. wurde als Sohn des Kaiserlichen Holzmeisters und „Gastgebs“ Michael St., dürfte seine Ausbildung jedoch außerhalb des Salzkammerguts erhalten haben. Am 5.8.1707 legte er in Wien den Bürgereid ab. D. A. vermachte sein Vermögen seinen beiden Söhnen, wobei Johann Joseph auch den Werkstattbestand übernahm. D. A. gilt, zusammen mit A. Posch, als der beste Wiener Geigenbauer seiner Generation. Seine Violinen stehen unter dem deutlichen Einfluss von J. Stainer. Er verwendete wie dieser ein hoch gewölbtes Modell. Seine Holzwahl ist immer gut, und die Instrumente zeichnen sich durch einen hellen, leuchtenden, bernsteinfarbenen Lack aus.
Seine Söhne
Johann Joseph: * ca. 1720 Wien?, † 27.12.1781 Wien. Geigen- und Lautenmacher. Beim Tod seines Vaters 1744 war er noch angehender Lautenmacher, am 15.12.1745 leistete er jedoch den Bürgereid. Die Geschäftsentwicklung lässt sich anhand seiner Steuerleistung nachvollziehen. J. J. St. hatte keine Kinder, die ihn überlebt hätten, und hinterließ, ebenso wie seine Witwe, kein Vermögen. J. J. lernte sein Handwerk bei seinem Vater D. A. und verbrachte nach der Lehre acht Jahre im Ausland. 1748 verfertigte er „2 kleine Violin sambt allen zugehör für den Wiener Hof und richtete zweymahlen die Musical: Instrumenta“ von K.in Maria Theresia zu. Nach dem Tod von A. St. Posch bewarb er sich 1749 neben F. A. Weiß und Michael Andreas Pärtl (Bartl, Familie) erfolgreich um die Stelle des Hoflautenmachers. Wie sein Vater zählt er zu den besten Wiener Meistern. J. J. St. baute nach einem Modell, das an Stainer orientiert ist. Sein dunkler Lack ist teilweise stark deckend, zeigt rötliche und braune Farbtöne und erreicht nicht die Qualität des Lacks seines Vaters. Sehr gesucht sind wegen ihrer klanglichen Qualitäten seine Violoncelli.
Ignaz: * ca. 1717 Wien?, † 23.2.1753 Wien. Violinist. Er bewarb sich im März 1733 wiederholt um die Stelle eines Violinscholaren am Wiener Hof und war zu dieser Zeit Karl VI. als Musiker bereits bekannt. 1736 erfolgte die Aufnahme als wirklicher Hofviolinist ohne Umwandlung der Scholarenbesoldung. 1737 kam I. um Anpassung des Gehalts ein. Nach dem Zeugnis von J. J. Fux war er einer der besten Virtuosen. 1748 wirkte er am Hof in zwei Musikerklassen. Musikoberdirektor A. Ph. Losy v. Losymthal nannte den viel beschäftigten Musiker fast den besten Violinisten.
Dessen Sohn Michael Ignaz: * ca. 1749 Wien?, † 10.3.1813 Wien. Geigen- und Lautenmacher. Er ist ab 1772 in den Steuerlisten eingetragen und ab 1788 dürfte seine Werkstatt die größte und produktivste im damaligen Wien gewesen sein. Nach dem Tod J. J.s verhinderte K. Joseph II. trotz des Expektanzdekrets seine Anstellung zu den erwarteten Bedingungen. M. I. arbeitete als bürgerlicher Lautenmacher um eine dienstweise Bezahlung von 2 fl für den Hof. Man ließ ihm alle für die Beschaffung der Saiten und Ausbesserung der Instrumente nötigen Gelder zukommen, gewährte ihm jedoch kein Hofquartier. M. I. St. stand zunächst unter dem Einfluss seines Onkels und verwendete ein ähnliches, der Wiener Tradition entsprechendes Modell mit dunklem, deckendem Lack. Allmählich ging er zu flacheren, an Stradivari orientierten Wölbungsformen über, ohne allerdings, wie F. Geissenhof, die italienischen Vorbilder genau zu kopieren. Seine Arbeit ist immer genau und bis ins Detail sauber ausgeführt. Entsprechend der Größe seiner Werkstätte sind seine Arbeiten recht zahlreich anzutreffen, auch sind bis heute (2005) mehrere Viole d’amore erhalten geblieben.
Lit: A. Hajdecki, Quellen zur Gesch. der Stadt Wien, I/6 (1908), Reg. 7234, 7595, 8423; MGG 12 (1965); H. Haupt in StMw 24 (1960); Lütgendorff 1922 u. 1990; Prochart 1979; U. Tank in Haydn-Studien 4 (1980); W. Hamma, Geigenbauer der Dt. Schule des 17. bis 19. Jh.s 1986; D. Kirsch in Vom Pasqualatihaus, H. 4 (1994), 101; Alte Geigen und Bogen. Ausgewählte Meisterwerke aus dem dt. Kulturraum, hg. v. der Entente International des Mantres Luthiers et Archetiers d’Art (EILA) 1997, 170–173; Hopfner 1999; R. Maunder in The Galpin Society Journal 52 (April 1999); M. Kurz in Oberösterr. Heimatbll. 56 (2002); WStLA.
RHo/BDa