Bis zum 19. Jh. „wilde Gegend“, die ab 1854 mit dem Betrieb der als Pionierleistung bemerkenswerten, von Karl Ritter von Ghega geplanten Bahnlinie zunehmende Beliebtheit als Kurort und Sommerfrische erlangte. Die Entwicklung zum bevorzugten sommerlichen Aufenthaltsort der Ringstraßengesellschaft erlebte ihren Höhepunkt von den späten 1880er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg. Viele Schriftsteller und Maler der Wiener Jh.wende haben Zeugnisse ihres Aufenthalts überliefert. Der Transfer des städtischen bürgerlichen Lebens in diese Landschaft profitierte von der Nähe zu Wien, die es erlaubte, Kontakte in geschäftlicher wie in kultureller Hinsicht beizubehalten. Dementsprechend ist diese Landschaft musikhistorisch nicht nur als Herkunftsort von Musikern (z. B. F. I. Hinterleitner, R. Kolisch), sondern auch in mehrerer Hinsicht als „Ableger“ der sich als Musikstadt etablierenden Metropole relevant. Infolgedessen wurde der S. auch zum Ort von Inspiration – u. a. für F. v. Flotow, J. Brahms (der 1884/85 in Mürzzuschlag/St Teile der 4. Symphonie und mehrere Liederzyklen komponiert hat), G. Mahler (der als Operndirektor seine Sommerfrische vom Salzkammergut bzw. Wörthersee nach Breitenstein/NÖ verlegte). Der als Erholung gewünschte Kontakt mit dem „ländlichen Leben“ führte auch hier zum Interesse für die örtliche Infrastruktur und die kulturellen Traditionen (u. a. hat G. Kotek eine Sammlung von Volksliedern publiziert).
Lit: morgen. Kultur-Zs. aus Niederösterreich 16/82 (April 1992); W. Kos, Über den S. Kulturgesch. einer künstlichen Landschaft 1984; W. Kos (Hg.), [Kat.] Die Eroberung der Landschaft: S. – Rax – Schneeberg. Niederösterr. Landesausstellung, Schloß Gloggnitz 1992, 1992; S. Gatterer, Gesch. des Fremdenverkehrs am S., Dip.arb. Wien 1993; W. Rosner (Hg.), [Kgr.-Ber.] Sommerfrische. Aspekte eines Phänomens 1994.
CSzK