Schmeltzl, Wolfgang
* ca. 1505 Kemnath/Oberpfalz, † 1564 St. Lorenzen am Steinfelde/NÖ. Lehrer, Dichter und zuletzt Geistlicher.

Wurde im Oktober 1523 an der Univ. Wien immatrikuliert, kehrte spätestens 1528 nach Kemnath zurück, ist 1536 als (verheirateter) Kantor in Weiden/D belegt und vorher in Kastl/D wahrscheinlich zu machen, konvertierte offenbar (sollte er tatsächlich Protestant gewesen sein) zum Katholizismus und kam wohl 1538 mit seinen Söhnen wieder nach Wien. Zumindest zwischen 1542/48 war er als Schulmeister im Wiener Schottenkloster und zuletzt als (wohl in den frühen 1550er Jahren ordinierter) Seelsorger tätig. Er hat einen vielbeachteten Lobspruch [...] der Stat Wienn in Osterreich (1547) gedichtet sowie eine Reihe von Schulspielen verfasst (Benediktinertheater). Besondere Beachtung verdient hier das von Sch. 1544 in Nürnberg/D bei Petrejus herausgegebene vierstimmige Liederbuch, enthaltend eine Art deutsches Madrigal, 11 Quodlibets und 9 Priameln, mehrere Bild-Gesänge (Schlacht vor Pavia [Battaglia], Feuerbewahren, Gleut zu Speyer, Vaßziehen in Oesterreich und einen deutschen Liedsatz; also vorwiegend Gattungen, deren Reiz entweder im besonders kunstfertigen Umgang mit musikalisch-textlichen Mitteln oder in der musikalischen Deskription liegt. Die meisten Sätze sind anonym; wie weit er selbst auch als Komponist in Frage kommen könnte, ist nach wie vor (2005) offen.

G: Wolfgang-Schmälzl-Gasse (Wien II).

W: Guter, seltzamer vnd künstreicher teutscher Gesang (1544), NA in DTÖ 147/148 (1990).

Lit: R. Flotzinger in StMw 39 (1988); ÖL 1995; R. Flotzinger in C. de Incontrera/B. Schneider (Hg.), Danubio, Una Civiltá Musicale II: Austria 1992.

RF