Rieger Orgelbau
Die Werkstätte R. O. wurde 1845 von Franz R. (1812–85) in Jägerndorf/Schlesien (Krnov/CZ) gegründet, nachdem der Gründer seine Lehrzeit in Wien, u. a. bei Josef Seyberth, beendet hatte.

Die Söhne Otto R. (1847–1903) und Gustav R. (1846–1905) gründeten 1873 die Firma neu (Gebrüder R.). Enkel Otto R. d. J. (1880–1921) führte die Firma an die Spitze der damaligen Orgelbaufirmen Mitteleuropas. Zu den wichtigsten Orgeln dieser Zeit zählt jene im Wiener Konzerthaus (1913, V/116). 1920 übernahm J. v. Glatter-Götz die Firma. Die in der Zwischenkriegszeit verlorenen Märkte in Osteuropa konnten durch verstärkten Export nach Skandinavien oder Südamerika wettgemacht werden. 1938 war Gebrüder R. mit den Filialbetrieben in Mocker/Schlesien (Mokre/PL) und Budapest der größte Orgelbaubetrieb Nazi-Deutschlands. Bis 1945 wurden, von 1873 an gerechnet, 3.000 Orgeln gebaut. Im Mai 1945 wurden sowohl die Inhaber (Glatter-Götz) wie auch die deutschsprachigen Mitarbeiter deportiert und die Werkstätten dem verstaatlichten Instrumentenbaukombinat zugeordnet.

Die Orgelbauwerkstätte wurde 1946 unter dem Namen R. O. in Schwarzach/V neu gegründet und konnte sich nach und nach wieder am Markt etablieren, wobei von Beginn an die Exporte nach Westeuropa und Nordamerika dominierten. Später kamen noch Skandinavien und der Ferne Osten sowie Australien hinzu. Ch. Glatter-Götz übergab die Geschäftsführung am 1.10.2003 an Wendelin Eberle.

Schon 1936 begann in Jägerndorf die Rückbesinnung auf die klassische Schleifladenorgel. In Schwarzach wurden alle Bemühungen auf diesen Orgeltyp konzentriert. So wurde R. O. in vielen Belangen des modernen Orgelbaus federführend, v. a. auch in der Suche nach überzeugenden Architekturlösungen, aber fast noch mehr in technischen Belangen mit mehreren Patenten auf mechanische Trakturen, Setzerkombinationen, Tonventilformen, doppelten Ventilabzügen, Doppelregistraturen, Registerspeicherungen usw. Die durchaus eigenständige Intonation der R.-Orgeln hat sich im Lauf der Jahrzehnte grundlegend gewandelt, von der knallig neobarocken Klangwelt bis hin zur aus der französischen Orgelromantik abgeleiteten farbigen Intonation.

Lit: MGG 11 (1963); SchlMl 2001; LdM 2000; ÖBL 9 (1988); NGroveD 21 (2001); Honegger/Massenkeil 7 (1992); ISO-Information 1 (1969), 8; 5 (1985) 5f.; 28 (1988), 65; 30 (1989), 50; 100 Jahre Bund Dt.er Orgelbaumeister 1991, 279; H. Fischer/Th. Wohnhaas, Lex. süddt.er Orgelbauer 1994; www.rieger-orgelbau.com (2/2005).

GA