im Mai 1996 von Primavera Gruber gegründet mit dem Ziel, der vom NS-Regime (Nationalsozialismus) verfolgten und aus Österreich vertriebenen Musik (Exil) den ihr gebührenden Raum wiederzugeben. Der Verein verfügt mittlerweile über die weltweit größte Sammlung an Informationen zu vom NS-Regime verfolgter Musik, die einen Bezug zu Österreich aufweist. Die Anliegen des Vereins werden auf drei Hauptebenen verfolgt:
1) Erforschung und Dokumentation von Leben und Werk verfolgter, vertriebener oder im KZ getöteter Musikschaffender (Komponisten, Interpreten, Musikwissenschafter und Musikpublizisten). Der Verein verfügt über Datenbanken mit biographischen und künstlerischen Daten zu derzeit (2004) ca. 4.600 verfolgten Musikschaffenden sowie zu über 11.000 Kompositionen und über ein Repertoireverzeichnis. Im öffentlich zugänglichen Archiv finden sich 215 „oral history“-Interviews mit Exilanten und ihren Angehörigen, biographische Materialien und die Nachlässe von F. Spielmann, der Musiker Hermann und Alfred Lunger, des Kammersängers Franz Steiner, des Komponisten Kurt List und des Opernsängers Oskar Karlweis. Seit Juli 2002 gibt es ein auf den Datenbanken des O. T. aufbauendes, davon jedoch unabhängiges und vom Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung gefördertes Forschungsprojekt Verfolgte Musik.
2) Aufführungen, Veranstaltungen: Seit dem Gründungskonzert 1996 im Wiener Konzerthaus wurden bislang über 250 Konzerte, Vorträge, Publikationen, Workshops, Symposien und Masterclasses in Kooperation mit Veranstaltern in ganz Österreich veranstaltet.
3) Beratung, Informationsvermittlung und -austausch: Der Verein O. T. beantwortet jährlich ca. 300 wissenschaftliche Anfragen, erstellt Programmvorschläge, besorgt Quellennachweise und Notenmaterial für Künstler, Musikveranstalter, Studierende und andere Interessenten. Er hält Kontakt mit Exilanten und deren Angehörigen und vermittelt diese Zeitzeugen an Schulen und zu Gesprächsveranstaltungen. Weitere Aktivitäten umfassen die Non-Profit-Vermittlung von Musikern, die Exilmusik im Repertoire haben, Informationsaustausch und Vernetzung von Musikveranstaltern, Exilforschern, wissenschaftlichen Institutionen und anderen Interessenten im In- und Ausland.
Der Fritz Spielmann Fonds des O. T., begründet von den Cousins F. Spielmanns und dem Kulturamt der Stadt Wien, stellt jungen Musikwissenschaftern und Musikern kleine Stipendien für Forschungsprojekte zur Verfügung.
P: Friedrich Torberg-Medaille der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) für das Musikprogramm beim Projekt Verlorene Nachbarschaft an Primavera Gruber 1999; Preis der Dr.-Karl-Renner-Stiftung der Stadt Wien an den O. T. für seine Aktivitäten im Jahr 2001, 2003.
Lit: www.orpheustrust.at (7/2004).
SRe